Spielhafter Brauch
> 1982
Alle festlichen Anlässe im Ablauf des Jahres, im Leben und im Beruf der Men-schen werden durch Bräuche markiert. Auch wenn viele dieser Bräuche nicht als Spielim eigentlichen Sinn anzusprechen sind, stellen sie Vorformen oder Relikte des Schau-spiels dar.
Die Traditionsgemeinschaft sieht im Auftreten einzelner Maskentypen eine we-sentliche Handlung. Der Zeitpunkt ihres Erscheinens, ihre Verkleidung, ihre Mimikgeben Auskunft über Inhalt und Funktion des Brauches.
Die Handlung besitzt im spielhaften Brauch eine wirkende Kraft, der an den Wen-depunkten im Jahres- und Lebenslauf eine besondere Bedeutung zukommt. Sie dientder Abwehr von Unheil, dem Totenkult( Seelengedenken) und dem Fruchtbarkeits-zauber. Ihr ritueller Charakter wird durch die Maskierung verstärkt. Die Gestalt- unddamit Wesensverwandlung entrückt den Akteur dem normalen Dasein und läßt ihn alsGeisterwesen, als„ heilige" Person oder als„ Narr“ erscheinen.
Nikolaus, Lutzerlfrau, Pudelmutter, Christkind, Dreikönige oder auch Faschings-narren gelten in den Augen der Zuseher nicht bloß als Personifikation des Kalender-termins, sondern als mythisch- magische Wesen, die in das Schicksal des Einzelneneingreifen. Sie verleihen Glück oder Unglück, sie belohnen oder strafen, sie besitzendas Recht zum Heischen und Strafen.
Die Traditionsgemeinschaft begnügt sich mit dem bloßen Auftreten der Masken-gestalten, um darin eine spielhafte Handlung zu sehen. Dem Wort kommt nur eineuntergeordnete Rolle zu. Meist ist nur ein allgemeiner Handlungsablauf festgelegtund erkennbar. Dementsprechend genügt in vielen Fällen eine Folge von Textformeln.Solche lassen sich etwa bei den Heischeumzügen der Faschingsnarren, beim Bloch-ziehen, beim Rügegericht anläßlich des Saukopfstehlens oder beim Absperren desHochzeitszuges feststellen. Die Bräuche des Kirchenjahres haben hingegen durch dieliturgische Gestaltung eine stärkere textliche Fixierung erhalten. Beim Christkindl-,Neujahrssinger- oder Sternsingerumzug sind davon vielfach nur mehr Relikte erhaltengeblieben.
Durch den Umzug erhalten die Bräuche eine spezielle Aufführungsform. Dadurchwird die allgemeine Teilnahme innerhalb der Ortsgemeinschaft gewährleistet. AlleUmzüge traditioneller Art, die Masken- und Heischebräuche gehören hierher. Auchdie Bräuche des Weihnachtsfestkreises bevorzugen diesen Stil.
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