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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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VOLKSWANDERN IN ÖSTERREICH

Jubiläum zurück. Auch die Saalachtaler Höhenwanderung vom Biberg bei Saalfeldenbis zum Spielberg nach Hinterglemm lockt jährlich zahlreiche Teilnehmer an. Dabeiwird man unwillkürlich an die großen Bergwallfahrten erinnert, wie an den Vierberge-Lauf in Kärnten oder an die Wallfahrt über das Steinerne Meer zu Bartholomä. Mangewinnt den Eindruck, das Volkswandern sei das säkularisierte Pendant dazu. 16

Die Erreichung von Wandernadeln ist aber nicht nur an organisierte Wande-rungen gebunden. Im Gefolge der allgemeinen Wanderbegeisterung wurden in Zu-sammenarbeit der alpinen Vereinigungen, der Fremdenverkehrsorganisationen undder Volkssportverbände permanente Weitwanderwege installiert, die Österreich wieein Spinnennetz überziehen." Der Zentralalpenweg von Feldkirch bis Hainburg oderder Nord- Süd- Weitwanderweg vom Nebelstein bis Eibiswald, um nur zwei prominenteStrecken zu nennen, sind gleichzeitig in das europäische Fernwandernetz integriert.An den Kontrollpunkten werden die absolvierten Strecken bestätigt, und nach Vorlageder erforderlichen Stempel erhält man das entsprechende Wanderabzeichen in Silberoder Gold. Wandernadeln gibt es aber auch, wenn man von einem festen Standortverschiedene Touren unternimmt und diese im Wanderbüchlein eintragen läßt. ImSalzkammergut stellte der bekannte Bergsteiger und Photograph Hanns Loderbauerfür alle Orte solche Wanderbüchlein zusammen( Gosauer Bergsteigernadel, Bad IschlerWandernadel, Ebenseer Wanderabzeichen usw.). Hierbei kann der Wanderer den Zeit-punkt seiner Wanderung selbst wählen. Er ist außerdem an kein Zeitlimit gebunden.

Die Bewältigung einer Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit und an einemvom Veranstalter festgesetzten Tag bilden jedoch die Kriterien des Volkswanderns.Dabei läßt sich beobachten, daß die Veranstalter trachten, die jährlich durchgeführteWanderung stets zum selben Termin oder an einem herausragenden Tag im Jahres-kalender auszuschreiben. So bietet sich Christkindl bei Steyr zu einer Winterwande-rung in der Adventzeit an, die 1975 von 12.000 Personen aus dem In- und Auslandabsolviert wurde. Mit der Fixierung an einen bestimmten Tag, wie beim Dreikö-nigsmarsch" in Blumenthal, Bezirk Gänserndorf, beim Florianimarsch" in Bisamberg,Bezirk Korneuburg, und beim Oster- Wandertag" in Süßenbach, Bezirk Gmünd, bzw.in Breitenwaida, Bezirk Hollabrunn, die beide 1979 zum fünftenmal durchgeführtwurden, oder mit der Anknüpfung an ein historisches Ereignis, an eine Persönlichkeit( Jungblut- Wandertag beim Erdäpfelkirtag in Prinzendorf, Bezirk Gänserndorf), an eincharakteristisches Kulturdenkmal versucht man die Wandertage zu einer traditionellenVeranstaltung werden zu lassen. Wenn man, wie in Kierling, Bezirk Klosterneuburg,für die Wanderung den Verlauf der Ortsgrenze wählt, kann man darin eine Fortfüh-rung der Hotterumgänge erblicken. Auf diese Weise erhalten die Wandertage brauch-tümliche Züge. Die Gründonnerstagspartie der Stockerauer Männer ist bereits ein

16 Mayer, Josef: Volkswandertage, die Bittprozessionen unserer Zeit? In: Volk und Heimat. Eisenstadt 1975/76,H. 10, S. 2-4.17 Weitwanderwege in Österreich. Wanderkarte von Freytag& Berndt. Hg. v. d. Österreichischen Fremdenver-kehrswerbung Wien; Bergwandern in Österreich. Hg. v. d. Österreichischen Fremdenverkehrswerbung Wien.Vgl. dazu auch den Veranstaltungskalender 1979 der Europäischen Volkssport- Gemeinschaft- Österreich,Eisenstadt, S. 30 ff. In den letzten Jahren erschien eine umfangreiche Wanderliteratur.

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