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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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KARL FREIHERR VON CZOERNIG( 1804-1889). EIN WEGBEREITER DER ETHNOGRAPHIE IN ÖSTERREICH

1. die Tatsache, daß für die Bestimmung der Nationalität nicht mehr die Herkunftaus einem entsprechenden Sozialstand oder die Zugehörigkeit zu einem Land( Staat) maßgebend waren, sondern daß das Bekenntnis zur Nation im 19. Jahr-hundert immer stärker über die Sprache erfolgte. Die Sprache wurde zum Kenn-zeichen der Nationalzugehörigkeit. In einem Vielvölkerstaat wie der Monarchiesteckte in einer derartigen Entwicklung besondere Sprengkraft. Ein echter Ungarwar folglich nur mehr der, der ungarisch als Muttersprache hatte. Die anderenVölker Ungarns wurden dadurch zu Minderheiten", die nach ihren Sprachver-wandten außerhalb der Grenzen Ungarns schielten.

2. die Forderung, daß jede so in neuer Weise verstandene Sprachnation- auch jene,die bisher keine politische Nation bildeten-, kraft des Selbstbestimmungsrech-tes den Anspruch habe, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Davon leiteten dieSprachnationen ihr Recht auf Eigenstaatlichkeit ab.

Der ideologische Hintergrund für die Entwicklung dieses neuen Nationalbewußt-seins ist bekanntlich in der französischen Aufklärung zu suchen, die dem niederenVolk eigene politische Rechte einräumte, und im Gedankengut der Romantik, die imVolk das Wahre und Echte erkannte. Neben dem Slawenkapitel in Herders Ideenzur Philosophie der Geschichte der Menschheit"( Riga 1784-1791) bezog das Natio-nalbewußtsein vor allem aus der vergleichenden Sprachwissenschaft seine geistigenGrundlagen. So trug die von Franz Bopp( 1791-1867) vorgenommene Gliederung derMenschheit nach Sprachfamilien dazu bei, daß sich besonders die Slawen als eigeneVölkergruppe zu artikulieren begannen. Illyrismus, Panslawismus und vor allemauch die Magyarisierungsbestrebungen der Ungarn verstanden sich als Gegenbewe-gungen zur Integrationspolitik des absolutistischen Hauses Habsburg bzw. zu den Res-taurationsbemühungen des Kaisertums in Österreich. Der Zentralismus stützte sichdabei auf drei Säulen: auf den Monarchen als Integrationsfigur, auf das multinationaleHeer und auf das Beamtentum.

Hochdekoriert und vielseitig interessiert

Mit Karl Freiherr von Czoernig tritt uns ein Prototyp des österreichischen Beam-ten gegenüber, der sich übrigens seines Status' sehr bewußt war und nie versäumte,ihn hervorzukehren. In seinen Biographischen Notizen", die er zehn Jahre vor seinemTod 1879 im Selbstverlag in Wien veröffentlichte, schreibt er dazu: Das Geschickfügte es, dass sich in mir das Bild eines österreichischen Beamten verkörperte, wiesolches in diesem Reiche nicht selten, doch anderswo in gleicher Eigenthümlichkeitnur ausnahmsweise vorkommen mag.... In der Regel muss der österreichische Beamte,welcher in den Centralstellen einst entsprechende Dienste leisten will, in verschie-

7 Czoernig, Carl Freiherr von: Biographische Notizen. Wien 1879, S. 26.

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