GESCHICHTE, METHODEN, MUSEUM
Während also der Fasching in Gmunden dem allgemeinen kleinstädtischen Trendentspricht, findet man bei Carl Ritter mit der Erwähnung des Fischballs am Ascher-mittwoch überraschenderweise gleich wieder einen lokaltypischen Brauch. Es scheintsich dabei um eine Vorwegnahme des Heringsschmauses zu handeln, damals freilichnoch stark männlich dominiert.
Demgegenüber bildeten das„ Eyerln“ zu Ostern, die„ Maybäume“ in der Stadt undin den Dörfern am 1. Mai und die„ sogenannten Sommerwendfeuer“ auf den Bergenim Juni einen bekannten Bestandteil des Jahresbrauchkalenders.
Vertraut klingt auch, was Carl Ritter über die Gebräuche im Dezember schreibt.Wie Ritter trefflich vermerkt, handelt es sich dabei um allseits beliebte Familienfes-te. Man spürt, daß Ritter hier aus eigenem Erleben berichtet: demnach erscheint derNikolaus entweder persönlich als Maskengestalt oder nur als Mythengestalt, ebensoder Krampus. Die aus heutiger Sicht überaus bescheidenen Geschenke beschränkensich auf Eẞbares- Äpfel, gedörrte Zwetschken, Nüsse, Lebkuchen, auf bunt bemal-te ,, Krippenmandl“, vermutlich„ Loammandl“, und- prophylaktisch- auf eine Rute.Zum damaligen Zeitpunkt war der eigentliche Geschenktermin aber bereits auf dasWeihnachtsfest übergegangen. Mit Interesse registriert man, daß die Geschenke„ als:Kleider, Bücher, gold'ne Nüsse und rothe Aepfel" in buntem Durcheinander auf denkerzenbestückten Tannenbaum in der Stube gehängt wurden. Ritter liefert uns hiereinen sehr frühen Beleg für den Christbaum, den er 1873 bereits als„ gewöhnlich, demalten Herkommen gemäß“ bezeichnet. Bekanntlich taucht der Weihnachtsbaum ausDeutschland kommend um 1813 zunächst in Wien in protestantischen Künstler- undAdelskreisen auf.35 In Linz stand schon 1818 ein Christbaum im Hause des FreiherrnAnton von Spaun. 36 Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nehmen die Nachrichten ausOberösterreich zu.37 Laut Ritter scheint der Christbaum demnach auch in Gmundenbald Nachahmer unter den Beamten des Salzoberamtes gefunden zu haben.
Ritter berichtet jedenfalls überaus gefühlsbetont über das Weihnachtsfest: vontränenfeuchten Augen glücklicher„ Aeltern" beim Anblick ihrer Kleinen, von heiligemSchauer angesichts des Lichterglanzes, von kindlichen Gebeten, von unbeschreiblicherFreude und lautem Jubel über die Geschenke. Für Ritter eine schöne und sinnige Sitte,die ihren Adel erst dadurch findet,„ daß man auch der armen Kinder gedenkt“. Hierdürfen wir nochmals Ritter zitieren:
35 Wolfram, Richard: Christbaum und Weihnachtsgrün. Österr. Volkskundeatlas, Kommentar zu Bl. 28 u. 29, 2. Lfg.,
Wien 1965.
36 Commenda, Hans: Linzer Stadtvolkskunde, 2. Bd., Linz 1958, S. 192.
37 Burgstaller, Ernst: Zur Geschichte des Weihnachtsbaumes in Oberdonau. In: Frankenburger Heimatgaukalender.4. Jg., Linz 1944, S. 30 ff.
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