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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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VOLKSCHARAKTER UND SITTEN IN GMUNDEN

seines Wohlwollens gefüllt, hereingenommen wird, so herrscht die größte Freude. SeineFreigebigkeit verstieg sich jedoch nie über die obligaten Aepfel und Nüsse, gedörrteZwetschken und Lebzelten; im günstigen Falle kommen einige bunt bemalte Krippel-mandl" dazu. Haben aber die Aeltern Grund zur Beschwerde, dann liegt sicher einetüchtige Birkenruthe dabei, an der zum Ueberfluẞe noch gold'ne Nüsse glänzen. Dieallerletzte Instanz aber ist der leibhafte Krampus mit Hörnern, rother Zunghe undPferdefuẞ!- Er schwingt drohend die Ruthe gegen die Kinder. Und nun des andern Ta-ges in der Schule- wie wird da gefragt und erzählt; Jedes wollte den schönsten Nikolo,den fürchterlichsten Krampus gesehen haben.

In Thomastag Abends ist das Läẞln( abergläubige Spiele) gebräuchlich.

Bei den Familien wird in ihren Wohnhäusern Bley und Wachs gegoßen, Kartenaufgeschlagen, Holz und Pantoffeln geworfen, und im Freien nach verschiedenen Leu-ten bei den Bäumen gehorcht.

In kleinen Dörfern wird die Raunacht angeschoßen, und dergleichen Scherze ge-macht.

Weihnachten"( auch Christnacht) genannt, zum Andenken an die gnadenreicheGeburt Jesu Christi!, Man nennt auch dieses Fest mit Recht ein Familienfest. Reichund Arm, ohne Unterschied, trachtet da am heiligen Abende ihren lieben Kleinenmit einem Geschenke eine Freude zu machen. Es wird gewöhnlich, dem alten Her-kommen gemäß, in der Stube ein Weihnachtsbäumchen( Christbaum) aufgestellt, dieTannen= Aeste desselben mit Kerzlein versehen, und in buntem Durcheinander die Ge-schenke, als: Kleider, Bücher, gold'ne Nüsse und rothe Aepfel darauf gehangen.

Hierauf führen die glücklichen Aeltern, die Kleinen in die Stube, welche bei dem,ihnen von hunderten von brennenden Kerzlein entgegenstrahlenden Lichtschimmer wiefestgebannt stehen bleiben, und voll heiligem Schauer und unsäglicher Freude ihreBlicke auf all' die vielen Gegenstände richten, im Herzen ein stilles kindliches Gebet zudemjenigen sendend, dessen gnadenreiches Geburtsfest gefeiert wird! Kann bei solch'einem Anblicke das Auge der Aeltern trocken bleiben?, Nein! eine Thräne zerdrückend,vereinigen sie dann das Gebet der Kleinen mit dem ihrigen, und fühlen sich überausglücklich!

In jeder Stube herrscht an diesem, mit Recht der heilige Abend genannt, unter denKleinen unbeschreibliche Freude und lauter Jubel.

Schön und sinnig ist diese Sitte. Sie findet aber ihren Adel erst dadurch, daß manauch der armen Kinder gedenkt, denen in der Regel die Freuden kärglich zugemessensind.

So wird auch ein Christbaum in der Gmundner Kleinkinder- Bewahranstalt auf-gestellt, von welchem viele Kinder betheilt werden. Der zweite wird von dem Frauen-verein und wohlwollenden Kinderfreunden für arme Schulkinder der Stadts Volks= undNebenschule Meyer errichtet, von welchem 160 bis 170 Kinder mit Kleidungsstücken,Wäsche, Geld, Eẞwaaren und dergleichen betheilt werden.

In der heiligen Christnacht wird besonders auf dem Lande von 11 bis 12 Uhr inden Kreis gestanden, wo, wie Abergläubische meinen, alle im künftigen Jahre wichtige

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