Volkscharakter und Sitten in Gmunden
> 1998
Vorbemerkung
Zu den schönsten und einfühlsamsten Huldigungen an das Salzkammergut zähltder 1944 vom Jubilar im Lazarett geschriebene Text über„ Das Salzkammergut. Weseneiner Landschaft". In ihm fängt Franz C. Lipp gleichsam wie in einer Symphonie dieStimmungen der Jahreszeiten im Tal der Traun ein. Er legt das Ohr an den Pulsschlagder Natur und folgt dem ewigen Kreislauf des Lebens. Sein Interesse und seine Liebegilt dem einzigartigen, seit Generationen durch die Arbeit im Salzwesen geformtenMenschenschlag dieser Region.
Einer, der ebenfalls die Wesenszüge der Menschen im Salzkammergut und ihrenGemeinsinn zu erfassen sucht, ist Carl Ritter. 1807 in Eisenerz geboren, kam er ver-mutlich bereits in ganz jungen Jahren in die Kinderverwahranstalt Weyer bei Gmun-den. 1826 fand er jedenfalls Aufnahme in den Dienst des Salzoberamtes, wo er 1837zum besoldeten Accessisten und 1857 zum Kanzlisten im Präsidialbüro der k.k. Sa-linen- und Forstdirektion avancierte. 1869 trat er in den Ruhestand und starb am 1.Juli 1885.
Hinter diesen knappen biographischen Angaben, die wir Ferdinand Krackowizerverdanken, verbirgt sich eine jener markanten ärarischen Persönlichkeiten, die nebender korrekten Amtsführung noch Zeit und Muẞe fand, ihre künstlerischen und litera-rischen Talente zur Entfaltung zu bringen.² Bei Carl Ritter ist es zunächst die zeichne-rische Begabung, die ihn bereits während seiner aktiven Zeit zu einem vorzüglichenTopographen von Gmunden wachsen läßt. Seine Ansichten der Stadt und ihrer nähe-ren Umgebung fanden durch lithographische Anstalten, vorzüglich jener von Hafnerin Linz, weite Verbreitung³. Ferdinand Krackowizer reiht Carl Ritter, der ab 1850 aucheine gutbesuchte Zeichenschule leitete, daher zu Recht in die Gruppe der sogenanntenSalinenzeichner ein. 1985, anläßlich der Wiederkehr seines 100. Todesjahres, erinnerteman sich dieses Künstlers in einer von Elfriede Prillinger im Kammerhofmuseum derStadt Gmunden gestalteten Ausstellung.+
1 Lipp, Franz: Das Salzkammergut. Wesen einer Landschaft. Gmunden- Bad Ischl 1951.
2 Krackowizer, Ferdinand: Geschichte der Stadt Gmunden in Ober- Oesterreich. Hg. v. der Stadtgemeinde Gmun-den, 3 Bände, 1898, 1899, 1900, hier III. Band, S. 25- Kurzbiographie von Heinrich Marchetti. In: Der BezirkGmunden und seine Gemeinden. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hg.„ Verein zur Herausgabe einesBezirksbuches Gmunden", o.J.
3 Giordani, Else: Die Linzer Hafner- Offizin. Linz 1962.
4 Prillinger, Elfriede: Der Gmundner Salinenzeichner Carl Ritter 1807-1885. Katalog des KammerhofmuseumsGmunden. Gmunden 1985.
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