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Der Weg als Ziel : ausgewählte Schriften zur Volkskunde (1975 - 2005) ; Festgabe zum fünfundsechzigsten Geburtstag
Entstehung
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ENTWICKLUNGSLINIEN IM VOLKSKUNDLICHEN MUSEUMSWESEN ÖSTERREICHS

Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte, sollte es sein, den Bedürfnissen derStaatsgewerbeschule und des heimischen Kunstgewerbes zu dienen.

Diese erfolgreiche Tätigkeit Karl Lachers fällt nun mit den Bestrebungen um eineReorganisation des Joanneums zusammen. Wie bereits erwähnt, lag der Schwerpunktdes Joanneums nämlich auf der Wissensvermittlung. Das führte dazu, daß die technik-geschichtlichen und naturkundlichen Sammlungen weitgehend als Lehrbehelfe her-angezogen wurden, sodaß das eigentliche Museum etwas in den Hintergrund geriet.Durch die Ausgliederung und Dislozierung der Technischen Hochschule aus dem Jo-anneumsverband wurde der Blick wieder auf das künstlerische und kulturhistorischeErbe des Landes gelenkt. Diese Neubesinnung fand 1883 in einer großen kulturhis-torischen Ausstellung zum Gedenken an die 600jährige Zugehörigkeit der Steiermarkzum Haus Habsburg einen sichtbaren Ausdruck. Auch für diese Ausstellung konnteKarl Lacher zur Mitarbeit gewonnen werden, wobei ihm die Darstellung von Wohn-räumen, Möbeln, Hauseinrichtungen und Gerätschaften des täglichen Bedarfs oblag.Er hatte mit seiner Präsentation so großen Erfolg, daß der Wunsch wach wurde, dieseObjekte dem Joanneum zu erhalten. In der Folge kam es zur angesprochenen Reorga-nisation des Joanneums und zur Ausarbeitung von Statuten für einen Museumsverein.Gleichzeitig wurde Prof. Lacher zum Kustos des Museums bestellt, der nun auch fürdiesen Verein eine rege Sammeltätigkeit entfaltete. 1884 erstellte er einen Installati-onsplan für ein neues Culturhistorisches und Kunstgewerbe- Museum, für das 1890der Grundstein zu einem Neubau gelegt werden konnte. Fünf Jahre später wurde dasneue Museum, zu dessen Direktor er inzwischen ernannt worden war, durch den Kai-ser eröffnet. Der 2. Stock war dabei gewissermaßen der Volkskunde vorbehalten. Hierfand man nämlich bäuerliche Wohnräume, Interieurs, Trachten, Schmuck und die Pro-dukte des Hausfleißes und des ländlichen Gewerbes. Es war somit über Initiative KarlLachers innerhalb des Culturhistorischen und Kunstgewerbe- Museums eine eigeneVolkskundeabteilung geschaffen worden( Gawalowski 1911).

Mit Verwunderung ist daher zu vermerken, daß Viktor Geramb zwar anläßlichder 100- Jahr- Feier des Joanneums zu Recht die Bedeutung Erzherzog Johanns fürdie Volkskunde hervorhebt, bei der Gründung des steirischen Volkskundemuseums1913 die Vorarbeiten Karl Lachers aber übergeht. Dabei spricht Lacher etwa in sei-nem Beitrag über Die Hausindustrie und Volkskunst in Steiermark" dezidiert vonder volkskundlichen bzw. ethnographischen Sammlung des neuen Museums. Es warnämlich von Anfang an sein erklärtes Ziel, eine Darstellung des Volkslebens in allenseinen Gesellschaftsschichten zu geben. Er schreibt: Alles, was zur Illustration deshäuslichen Lebens und Schaffens der Bewohner von Steiermark dienen konnte, wurdedaher eifrigst aufgesammelt, sie in ihrer geschichtlichen Bedeutung für die Heimat,in ihrem Zusammenhange mit ihrer ganzen Umgebung kennen zu lernen. Es muß-ten daher mühevolle Wanderungen selbst in die entlegensten Bauernhöfe eine langeReihe von Jahren hindurch zu gründlichen Lokalforschungen unternommen werden,um Material von wissenschaftlichem Werte zutage zu fördern; daß dabei unberu-fene Mitarbeiterschaft nur unermeßlichen Schaden hätte anrichten können, ist wohl

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