GESCHICHTE, METHODEN, MUSEUM
Kunstgewerbemuseen in den Bundesländern
a) Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck
Die künstlerische Förderung der Industrie und des Gewerbes durch ein Kunst-gewerbemuseum bleibt in Österreich aber nicht nur auf Wien beschränkt, sondernerfaßt auch die Bundesländer. In Innsbruck entsteht anläßlich des Regierungsjubilä-ums 1888 der Plan zur Gründung eines Tiroler Gewerbemuseums. Nach dem Vorbilddes Bayerischen Gewerbevereins in Nürnberg übernimmt in Tirol ebenfalls der lokaleGewerbeverein die Initiative. Als Motor des Unternehmens erweist sich dabei der Han-delskammersekretär Anton Kofler( 1855-1943), der mit der Schaffung mustergülti-ger Vorbildersammlungen den Gefahren des Maschinenzeitalters für Handwerk undGewerbe entgegenwirken wollte. Die Sammeltätigkeit erstreckt sich zunächst auf dieErwerbung rezenter Erzeugnisse der heimischen Produktion, wie etwa VorarlbergerBauerntöpfereien, Schwazer Majoliken, Proben der Tiroler Glasmalerei- und Mosaik-anstalt, Sterzinger Marmorarbeiten, Vorarlberger Textilien, Wirkwaren u.a. Bald gingman aber dazu über, auch historische Beispiele des Kunstgewerbes und des Hausfleißeszu erwerben, einerseits, um deren hohe Qualität zu demonstrieren, andererseits, um sievor dem Antiquitätenhandel und vor dem Abverkauf zu sichern.
Wie Josef Ringler in einem Rückblick berichtet, war dem Tiroler Gewerbemuseumallerdings keine kontinuierliche Entwicklung beschieden. Es gelang nämlich zunächstnicht, für die reichen und wertvollen Bestände eine dauernde museale Präsentationzu finden. Erst als man die Sammlungen 1926 dem Land Tirol mit der Verpflichtungzur Errichtung eines eigenen Museums übergab, konnte eine neue Lösung angestrebtwerden. Bekanntlich führten diese Bestrebungen zum Entstehen eines selbständigenVolkskundemuseums, das am 15. Mai 1929 im Theresianum neben der Hofkirche als„ Tiroler Volkskunstmuseum" eröffnet wurde( Ringler 1962).
b) ,, Culturhistorisches und Kunstgewerbe- Museum" in Graz
Ähnlich wie in Tirol verläuft die Entwicklung in der Steiermark. Während in Inns-bruck aber aus dem Gewerbemuseum ein selbständiges Volkskunstmuseum entsteht,münden die gleichlaufenden Bestrebungen in Graz im Joanneum. Auch in Graz gabes beim Verein zur Förderung der Kunstindustrie und beim Steirischen GewerbevereinPläne zur Errichtung eines Kunstgewerbemuseums. Dieses Museum sollte für die vonbeiden Vereinen getragene Gewerbeschule die nötigen Vorbilder zur Verfügung stellen.1874 kam nun ein Mann an diese Schule, der für die weitere Museumsentwicklung inGraz von entscheidender Bedeutung werden sollte, nämlich Karl Lacher( 1850-1908).
Karl Lacher, in der Nähe von Nürnberg geboren, hatte in der dortigen Kunstge-werbeschule eine umfassende künstlerische Ausbildung erfahren. Nach Graz wurde er,erst vierundzwanzigjährig, als Leiter der Modellierklasse berufen, in deren Rahmen ereine rege Tätigkeit entfaltete. So blieb es nicht aus, daß er sich auch in den Dienst desgeplanten Gewerbemuseums stellte und anfing, wertvolle kunst- und kulturgeschicht-liche Objekte aus der ganzen Steiermark zu erwerben. Ziel der Sammlung, die 1883 der
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