GESCHICHTE, METHODEN, MUSEUM
Neben dem Joanneum, das dem Geist der Aufklärung entspringt, bilden somit fürdie übrigen Landesmuseen Geschichts- oder Museumsvereine das Sammelbecken fürdas neue Interesse an der Landesgeschichte und an den Traditionsströmen der eigenenKultur, die man nicht nur in den Kunstwerken, sondern auch im Überlieferungsgutdes„ Volkes" zu erfassen suchte. So ist es zu verstehen, daß im Umkreis der Museenauch Sammlungen von Volksliedern, Tänzen, Sagen, aber auch Dokumentationen zurTracht und zur Wohnkultur entstehen. Die sich aus der oberen Gesellschaftsschichtrekrutierenden Mitglieder schaffen die organisatorische und finanzielle Grundlage fürdie rasch anwachsenden Sammlungen und die umfangreiche publizistische Tätigkeit.Die Wertschätzung der Museen durch das Bürgertum drückt sich gegen Ende des Jahr-hunderts in einer Reihe neuer repräsentativer Museumsbauten aus: 1845 Ferdinande-um in Innsbruck, 1884 Rudolfinum in Klagenfurt, 1895 Francisco Carolinum in Linz,1895 Joanneum in Graz.
In der weiteren Folge werden die meisten Museen von den Ländern übernommenund die Vereine nebenher als Fördervereine geführt. Auch in den übrigen Bundeslän-dern entstehen eigene Landesmuseen:
1911 Niederösterreichisches Landesmuseum( Weninger 1977),
1925 Burgenländisches Landesmuseum( Schmid 1984),
1954 Historisches Museum der Stadt Wien( Waissenberger 1975).
Die Kunstgewerbemuseen: Volkskunst und Hausindustrie
Für die Entwicklung des Museumswesens und damit auch für die Volkskunde wirdab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein neuer Museumstyp wichtig: das Kunstgewerbe-
museum.
Bekanntlich entsteht das erste derartige Museum im Anschluß an die erste Welt-ausstellung in London im Jahr 1851, das South- Kensington Museum( heute Victoriaand Albert Museum). Als theoretische Grundlage dafür kann die berühmte SchriftGottfried Sempers( 1809-1897) über„ Industrie, Wissenschaft und Kunst"( 1852) an-gesehen werden, in der er eine Humanisierung der Industrie und eine Hebung des Ge-schmacks durch die Kunst forderte. In Österreich griff der Kunsthistoriker und Kunst-archäologe Rudolf Eitelberger von Edelberg( 1817-1885) in seiner Reformschrift zurErneuerung des Kunstunterrichtes diese Ideen auf. Er sprach darin die Überzeugungaus, daß auch in Österreich mit Hilfe einer musealen Institution ähnlich jener desSouth- Kensington Museums eine Verbesserung des Kunstgeschmackes erzielt werdenkönnte. Er erhielt daraufhin vom damaligen Ministerpräsidenten Erzherzog Rainer denAuftrag, ein entsprechendes Konzept für die Errichtung eines Museums zu erarbeiten.Der Kaiser genehmigte 1863 diesen Plan, sodaẞ unverzüglich an die Realisierung einesMuseums für Kunst und Industrie geschritten werden konnte. Bereits im folgendenJahr konnte Eitelberger mit einer ersten Kollektion an die Öffentlichkeit treten. Mit
dieser vor allem aus dem Mittelalter und der Renaissance stammenden und vorwie-gend nach Materialien geordneten Sammlung, die zunächst im Ballhaus untergebracht
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