> 1992
Entwicklungslinien im volkskundlichen Museumswesen Österreichs
Die beiden Richtungen der Volkskunde
Günter Wiegelmann bringt in seiner Einführung in die Volkskunde eine gra-phische Übersicht, die die beiden Richtungen aufzeigt, aus denen das Fach Volkskundeerwächst( G. Wiegelmann u.a. 1977). Danach erfolgt die Beschäftigung mit Volkskun-de ab der Mitte des 18. Jahrhunderts einerseits im Rahmen der Staatswissenschaftvorwiegend unter dem Titel„ Statistik", andererseits aus romantischen Antrieben imRahmen der Germanistik und der germanischen Altertumskunde. Als Vertreter derStaatswissenschaft nennt Wiegelmann zuerst J. Möser und dann W. H. Riehl, der mitseinem im Jahr 1858 gehaltenen Vortrag„ Die Volkskunde als Wissenschaft" sehr we-sentlich zur Etablierung des Faches beigetragen hat. Als Proponenten der roman-tischen Richtung führt Wiegelmann unter anderem J. G. Herder, die Gebrüder Grimmund in ihrer Nachfolge W. Mannhardt an. Daß es sich dabei um eine gesamteuropä-ische Entwicklung handelt, zeigt uns- wie Gabriela Kiliánová( 1993) jüngst dargelegthat-die Fachgeschichte der Volkskunde in der Slowakei. Auch hier lassen sich diebeiden Richtungen personalisieren, und zwar durch den Aufklärer Ján Čaplovič unddie Romantiker Ján Kollár und Pavel J. Šafárik.
Neue Museen als Wiege der Volkskunde
Für die Entwicklung der Volkskunde ist unbedingt aber noch eine weitere Liniezu beachten, die ebenfalls an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert einsetzt: dasEntstehen neuer Museen. Auch sie erwachsen- parallel zur allgemeinen Entwicklung- aus zwei unterschiedlichen Geistesströmungen. Bis zum Ende des 18. Jahrhundertshaben wir es nämlich mit dynastischen Sammlungen zu tun, mit den diversen Schatz-kammern, den Raritäten- und Wunderkammern und mit den verschiedenen Münz-oder Naturalienkabinetten, die allesamt nur dem privaten Interesse und Gebrauchdienten. Ähnliches trifft auf die klösterlichen Sammlungen zu. Erst mit der Öffnungder Sammlungen für die Allgemeinheit am Ende des 18. Jahrhunderts( Napoleon ver-fügt 1793 die Öffnung des Louvre, parallel dazu öffnet Kaiser Josef II. die Galerie imBelvedere) beginnt die moderne Geschichte der Museen.
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