Wir seien gerade recht gekommen zum Beginn des Festgottesdienstes, derim alten Haus in der Kapelle„ Maria- Miterlöserin" im engsten Rahmen gefeiertund um halb elf Uhr beginnen würde. In der kleinen Kapelle waren kaummehr als zwanzig Personen anwesend, alles Mitglieder der Ordensgemeinschaft.Ein Kardinal feierte das Hochamt, der„ hl. Vater" kniete im weißen Habit mitrotem Schulterumhang an der linken Seite mit dem Profil gegen das Publi-kum und seine Gesten ließen erkennen, daß er ständig Visionen hatte.
Ein Pater spielte Harmonium, wozu die Gemeinde religiöse Lieder nachausgegebenen Texten sang. Folgendes Gebet, das auf den Festtag besonderenBezug hatte und auf einem Flugblatt ausgegeben wurde, teile ich hier mit:
,, Prière dogmatique.
O Marie. Vous êtes en la Sainte Trinité l'Immaculée Conception, la Sagesse, leJérusalem céleste. Vous êtes pour nous Corédemptrice, Médiatrice, Avocate. Mèrede Dieu, pleine de grâce. Vous êtes l'Arche vivante de la Victoire, Pontife de laSainte Eglise, Porte- Christ. Vous donnez au monde la Vérité et la Lumière. Notre-Dame de la Révélation. Vous êtes l'Eucharistie vivante. Ciboire de la Trinité, Calicede Jésus, vrai Dieu et vrai Homme. Votre Fils Jésus est notre Hostie de Vie. TousDeux incarnés par miracle. Vous êtes conçue du Saint- Esprit. Au Ciel, o Marie, vousêtes pour l'Église, une Mère glorieuse, pleine de Bonté, de Miséricorde, d'Amouret de Lumiére. Gloire, amour, triomphe à Marie, l'Immaculée Conception!"
Nach Schluß des Gottesdienstes begaben wir uns zurück in die Andachts-halle. Während wir vor Beginn des Hochamtes darin den Kardinal Emanuelantrafen, als er vor einem kleinen Altar ganz allein eine Messe las, war derRaum nunmehr völlig leer. Pater Josef und ein zweiter Priester, Pater Gabriel,begleiteten uns. Während ich mich im rückwärtigen Teil der Basilika in einausführliches Gespräch mit Pater Josef einließ, führte Pater Gabriel meinenMitarbeiter durch die Basilika und gab mit großem Eifer die nötigen Erklä-
rungen.
Da ich von den Einzelheiten der Liturgie doch noch recht wenig Ahnunghatte, fragte ich Pater Josef, ob die Kommunität nicht etwa ein eigenes Meß-buch besitze. Das war nun tatsächlich der Fall, aber es dürfe eigentlich nuran Mitglieder der„ Erneuerten Kirche" abgegeben werden. Ich wandte dagegenein, daß es in meinem besonderen Fall doch selbstverständlich sei, daß manzuerst wissen wolle, bevor man glaube. Das sei bei einem Professor doch wirk-lich nicht erstaunlich. Das sah er ein, und ich erhielt tatsächlich ein liturgischesHeft mit dem Titel„ Magnifikat" ausgefolgt, das eigentlich ein Meßbuch dar-stellt und dem ich die oben erwähnten sieben Meßformen entnommen habe.
Bis zwei Uhr nachmittags hatte ich Zeit, meine Neuerwerbungen zubetrachten. Die Darstellungen auf den sechs Evangelientafeln, die mich vorallem interessierten, faßt Clemens XV. im Prospectus Ecclesiae( S. 62/63) fol-gendermaßen zusammen:„ 1. Tafel: Die Menschwerdung, die Kindheit Jesuund sein verborgenes Leben( 13 Bilder). 2. Tafel: Vom Auftreten Johannes desTäufers bis zum zweiten Ostern. Erstes Jahr des öffentlichen Wirkens Jesu( 26 Bilder). 3. Tafel: Vom zweiten Ostern zum dritten Ostern. Zweites Jahr desöffentlichen Wirkens Jesu( 22 Bilder). 4. Tafel: Vom dritten Ostern bis zumPalmsonntag. Das dritte Jahr des öffentlichen Wirkens Jesu( 36 Bilder).5. Tafel: Die heilige Woche. Palmsonntag bis zum Abendmahl. Von Bethaniennach Jerusalem.( 49 Bilder). 6. Tafel: Die Passion Jesu Christi, unseres Herrnund sein Leben in der Glorie( 30 Bilder)( Abb. 48).
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