nenswerte Lücken läßt sich auf diese Weise der Brauch der Fußwaschung„ andem grünen Donnerstag der heiligen Charwochen in der kayserl. Haubt- undResidenz- Statt Wienn" über Jahrhunderte hinweg verfolgen 5).
-
I.
„ In Betreff der öfentlichen Fußwaschungs Zeremonie siaam k: k: Hofe zu treffende Anstalten, und zu besorgende Geschäfte"Die Ausrichtung der österlichen Fußwaschung, die im Leben des WienerHofes eines der wichtigen Ereignisse des jährlichen Zeremonienablaufes dar-stellte, oblag nach der Auflösung des geheimen Kammerzahlamtes im 19. Jahr-hundert der Verwaltung der weltlichen und geistlichen Schatzkammer 6). DerSchatzmeister hatte als Hüter der Insignien und des Zeremonialgerätes wiebei anderen Hofzeremonien- Krönungen, Huldigungen, Feierlichkeiten zuFamilienanlässen usw.- auch an dem Zeremoniell der Karwoche mitzuwir-ken, die, wie die gedruckte Hofordnung von 1829 besagt, sich vom Passions-amt am Palmsonntag bis zum Hochamt des Ostersonntags erstreckte und diePumpermette des Karmittwochs, die Communiermesse, die Abspeisung derArmen und die Fußwaschung am Gründonnerstag, die Grablegung am Kar-freitag und die Osterzeremonien am Karsamstag miteinschloß 7). Außerdemhatte er das ganze diesbezügliche Finanz- und Rechnungswesen zu besor-gen. Es befinden sich demgemäß in den Zeremonialakten des österreichischenHaus-, Hof- und Staatsarchivs und in den heute vom KunsthistorischenMuseum/ Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe und von der Hofburgpfarreverwahrten Fußwaschungsakten der weltlichen( für die weiblichen Teilneh-mer) und geistlichen( für die männlichen Teilnehmer) Schatzkammer umfang-reiche Aufzeichnungen, die detaillierte Auskunft über die jährliche Vorberei-tung und Abwicklung dieser Hofzeremonie geben. Christiane Thomas hatsich in ihrer gründlichen Dissertation über die Wiener Schatzkammer auchmit dieser Funktion des Schatzkammerbeamten eingehend auseinandergesetztund dessen Tätigkeit für die franziszeische, die ferdinandeische und erstefranzisko- josephinische Regierungsperiode nachgezeichnet 8). Das tatsächlicheAusmaß der organisatorischen und materiellen Vorbereitungen, die diek. k. Schatzkammerbeamten jeweils für die kaiserliche Fußwaschung am Grün-donnerstag zu treffen hatten, läßt wie kein anderes Dokument die für diefranziszeische Verwaltung 1828 neugefaßte Dienstanweisung erkennen. Sie warbis zum Erlöschen des Gründonnerstagsbrauches mit dem Untergang derMonarchie ohne wesentliche Änderungen gültig ⁹):
,, Uibersicht der, von den k: k: Schatzkammer Beamten,in Betreff der öfentlichen Fußwaschungs Zeremonie amk: k: Hofe zu treffenden Anstalten, und zu besorgendenGeschäfte.
Zu diesem an dem grün Donnerstage in der Charwoche, nach altem Gebrauchedesk: k: Hofes, von beyden k: k: Majestäten, und zwar an 12. armen alten Männerndurch S: Majestät dem Kaiser, und an 12. alten armen Weibern Glossar ::: zum Glossareintrag Weibern durch Ihre Majestätdie Kaiserinn verrichteten Zeremonie, werden sowohl die 12. Männer, als auch die12. Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber aus Armen Hülfsbedürftigen gewählet, und soll hiebei vorzüglich aufhohes Alter und Armuth Bedacht genommen und ein und dieselbe Person auch nurein Einzigesmahl zu diser allerhöchsten Wohltat zugelassen werden, wenn nicht einausdrücklicher allerhöchster Befehl Ausnahme anordnen möchte, daher die Gesuche
276