schwestern diesen Brauch untersagt" und nur noch ,, Palmbuschen" gestattet.Solche sahen wir an vielen Häusern unter dem Giebel als Segens- und Abwehr-zeichen aufgehängt. Sie waren mit bunten Bändern und Papierblumenverziert.A sib Bab 2 bi sidaho douA
Ostern wird ähnlich wie bei uns gefeiert. Allerdings sind iberische Zügeunverkennbar vorhanden. In den katholischen Kirchen stehen ,, Heiliggräber"mit wahrhaft südländischem Temperament aufgemacht. Wenn möglich, findenauch Prozessionen statt, in denen lebende Bilder aus dem Leiden und der Ver-herrlichung Christi gezeigt werden. Die Mennoniten besitzen ausgeprägteOsterspiele. Die Protestanten feiern am Karfreitag ihren höchsten Jahrestag.Daheim gibt es am Ostersonntag in allen Kolonistenhäusern gekochte gefärbteEier oder leere Eierschalen mit„ Erdnuß- Doce" gefüllt. Das ist eine aus Erd-nüssen und Feigen verknetete Masse. Daneben beschenkt man sich mit„ Oster-hasen aus Kuchenteig". Auf Grund zahlreicher Umfragen war festzustellen,daß unsere Kolonisten beim Genuß dieser Speisen auch heute noch die Vor-stellung haben, daß ihnen diese Glück und Segen bringen. Dem Osterfest folgtder„ Buscherão". Der„ Buscherão" trägt die Bezeichnung nach dem erstenVorgang der neuerlichen Feldbestellung. Die Bezeichnung geht auf das deut-sche Wort„ Busch" zurück. Die Beseitigung des Sekundärwaldes, das heißt derCapoeira, heißen unsere Leute kurz„ Buschen". Auch beim Buscherão wirdNachbarschaftshilfe in Anspruch genommen und entsprechend mit Speise undTrank verdankt.
Ein besonders schönes Fest bei den katholischen Siedlern ist das Fron-leichnamsfest. Wir haben es mehrmals erlebt. Alles ist auf den Beinen. Zuvorwerden überall die Straßen gefegt, so daß der Staub meterhoch aufwirbelt.Dann versieht man die Hauswände mit grünem Bauschwerk. Ähnlich wie beiuns werden Statuen, welche die Lebensstände kennzeichnen, mitgetragen.Selbst im Amazonasurwald von Pozuzo sah ich diese Tradition bis zum letztenbeibehalten.
In den deutschsprachigen Siedlungen wird auch„ São João", das Sonn-wendfest in alter Tradition begangen; es fällt hier in die Winterwende. Überalllodern die Feuer auf. Ganz besonders feierlich schien uns das Fest von den„ Pommern" gehalten zu sein. Da sprangen auch noch überall die jungen Paareüber die zerfallene Glut und sah man ältere Leute Asche sammeln und für dieAcker mit heimtragen. In Dreizehnlinden läßt man zum Johannisfest die Böl-ler krachen.
Am 25. Juli wird der Einwanderungstag des deutschen Elementes in Brasi-lien gefeiert. Wir konnten die Feier ausführlich miterleben.
Mit seinem Datum neigt sich sodann das südamerikanische Jahr merklichdem Frühling zu. Gleichzeitig fallen aber auch wieder Ernten an. In dieserZeit ist die„ Freẞkerb" fällig. Darunter haben wir das Kirchweihfest zu ver-stehen, das mit feierlichem Gottesdienste eingeleitet wird, aber mit einemMahl schließt, zu dem alles aufgeboten werden soll, was der Hof Gutes bietenkann.
Allerheiligen und Allerseelen zeichnen sich bei den Kolonisten durch einergreifendes Totengedenken aus. Es handelt sich um ein wahrhaft ehrlichesBekenntnis der Verbundenheit der Lebenden mit den Toten. Die Ahnenketten,in denen jeder selbst nur Glied ist, sind dem gesunden Kolonisten voll gegen-
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