Von der nachmals bedeutenden Wallfahrt auf den nahen Bogenberg ver-meldet noch nichts 4), doch muß es schon eine vom Kloster Oberaltaichbetreute Marienkirche oder-kapelle gegeben haben. Einer der Rompilger war,, ein pruder von Pogen", und eine geringe Ausgabe„ gen Pogen hincz unserlieben frawen" betrifft einen Fährlohn; ein Hinweis auf eine Andachtsübung,Schenkung oder Stiftung folgt nicht. Als Wohltäter der Kirche weist die Quelleden Fürsten auch sonst nicht aus. Er begnügte sich mit den festzeitlichenTributen standesgemäßer Gebräuchlichkeit. Daß er für Primizen, als in dreiFällen ein einheimischer Geistlicher„ hie sein erste mess sang,[ als] opfergelt60 dn." gab, gehörte dazu; Spenden zu Primizfeiern sind in Herrschafts- wieStadtkammerrechnungen der Zeit überall in bemerkenswerter Häufigkeit ver-zeichnet. Was Herzog Albrecht jeweils und insgesamt für kirchliche Feiernund Institutionen ausgab, steht in keinem Verhältnis zu den gewaltigen Sum-men, die auf den persönlichen Lebensgenuß und Aufwand, auf weltliche Fest-lichkeit und auf seine Vorliebe für Spielleute jeden Genres entfielen.
Zum Vergleich des Gesamtbefundes aus der niederbayerischen Rechnungs-quelle mit dem aus den gleichartigen und zeitgleichen sehr viel größerenQuellenbeständen müssen einige leidig kurze Feststellungen genügen. HerzogAlbrecht war nach Neigungen und Lebensführung der gleiche Typus seinerEpoche und seines Standes, wie sein Vater in Holland und die ihm nahestehen-den Herren. Nur sah er sich in eine Situation gestellt, die einen minder groß-zügigen Zuschnitt der Hofhaltung bedingte und stärkere Kontakte zur außer-höfischen Welt begünstigte. Das niederbayerische Herrschaftsgebiet war klein,der Regierungssitz nur als Marktstadt eines Bauernlands von Bedeutung. Einangeborener Drang zur Repräsentation, dazu die Freude an rittersportlicherAktivität ließ den jungen Fürsten jede Möglichkeit wahrnehmen, aus der Engeseines Lebensraumes auszubrechen, andererseits verringerte diese die Distanzzwischen ihm und dem Volk, und sein unproblematisch heiteres Naturellkonnte sie leicht ganz aufheben. War er im Ort, so hatte er offensichtlich anallem teil, was die heimische Volkswelt ausmachte, und was ihr bescheidenesFestwesen betrifft, so kamen belebende Impulse von ihm, nicht von denBürgern.
In Regensburg war das schon anders und vollends in den volkreichenStädten des nordwesteuropäischen Raumes, in denen ein wohlhabendes undselbstbewußtes Bürgertum nach eigenständiger festlicher Demonstration ver-langte. Dort entstanden zu den alten Schützenverbänden neue Bruderschaften,die Gilden der Rederijker und andere Vergesellschaftungen, und kurz vor 1400zeigten sich die ersten Ansätze zu jener Manifestation bürgerlicher Spiel- undSchaufreudigkeit, die in der Folgezeit in figurenreichen Prozessionen, Umgangs-und Vastelabend- Spielen dominierte, das Papageienschießen und die Kirmes-feier aus- und aufbaute und mit alldem neue, für ein wachsendes Ausstrah-lungsgebiet charakteristische und sehr lange, in Wiederaufnahmen bis heutelebenskräftige Traditionen schuf.
Um 1390 aber fielen die vereinzelten neuen Ansätze noch nicht ins Ge-wicht. Aus einem mitteleuropäischen Quellenbestand, der beträchtlich überden bisher genannten hinausgeht, läßt sich heute ein Querschnitt ziehen, ausdem zu erkennen ist, was um diese Zeit gemeinhin und für viele Lebens-bereiche, nicht etwa nur für die Festlichkeit gebräuchlich, nicht mehr und noch
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