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Volkskunde : Fakten und Analysen ; Festgabe für Leopold Schmidt zum 60. Geburtstag
Entstehung
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Bekenntnisfrömmigkeit und die Berufsverbundenheit des zum Steiger Auf-gestiegenen fanden in seinen eindrucksvollen bergmännischen Erbauungs-schriften und-liedern lebendigen Niederschlag. 1672 verließ er unter demDruck der Rekatholisierung seine Vaterstadt und fand bis zu seinem Tod 1678in Freiberg Heimat und Arbeit. Seine Lieder gehören zum Grundbestanddes erzgebirgischen Bergmannschorals, und einzelne werden bis heute ge-sungen 13).

Aber auch das Eindringen von Elementen aus der katholischen Über-lieferungs- und Gestaltungssubstanz über die Grenze nach Norden ist sicher,wobei in der erzgebirgischen Struktur des Luthertums dafür eine gewisseEmpfänglichkeit angelegt war; hingewiesen sei etwa auf die Volkstümlichkeitder Vesper- und Mettengottesdienste, insbesondere im Zusammenhang desim Erzgebirge so lebendig durchgeprägten Weihnachtsfestkreises. In der sub-tilen Komplexität dieser brauchtümlichen Ausformung nach allen Seiten sindeine ganze Reihe Einwirkungen aus dem südlichen Gelände" erkennbar,oft verbunden mit Vorgängen der Säkularisation, denn in einer Christlichkeitallgemeinen Priestertums war die Zäsur zwischen dem Sakralraum der Kircheund der Weltlichkeit von Haus und Familie nicht sonderlich groß. Diegestaltenreiche Vielfalt der erzgebirgischen Weihnachtsschnitzerei und-bastelei offenbart auf eine besondere Weise, wie der Barock mit seiner volks-tümlichen Strahlkraft an Formen- und Farbenfülle 14) und mit all seinen an-dauernden Nachwirkungen aus dem Süden auf vielen Wegen durch die böh-mischen Wälder in die Kargheit des Erzgebirges eingewandert ist, in denaufnahmebereiten Nährboden lutherischer Frömmigkeit, der in seiner spezifi-schen Disposition die fruchtbare Basis für ein eigenes und eigenständigesWachstum und Gedeihen darbot.

nach

Zu den katholischen Relikten bzw. wiederbelebten Innovationen auf derevangelisch- lutherischen Seite des Erzgebirges zählt offensichtlich der Brauch,auf den Altären der Kirchen von Weihnachten bis Dreikönig oder nur wäh-rend der Christmette" ein Bornkindl", eine geschnitzte Figur des Christ-kindes, aufzustellen 15). Wir haben dafür viele Belege, so in Annaberg, Aue,Buchholz, Eibenstock, Geyer, Hartenstein, Johanngeorgenstadt, Kirchberg,Lößnitz, Schneeberg, Schwarzenberg, Zwickau und anderwärts einschließlichvon Dörfern in der Umgebung der Städte. Dieser Brauch wurzeltAnnahme der Forschung im katholischen Weihnachtsmetten- Gottesdienst",aber er scheint erst kurz nach 1500 aufgekommen und an Stelle des Kindel-Wiegens" getreten zu sein. Die im weihnachtlichen Lichterglanz prangendeBornkindl- Figur auf dem Altar muß mächtige Anziehungskraft ausgeübt haben.Die Leute strömten zu Hunderten an den Altar und drängten sich, um dasBornkindl zu sehen... Die Erwachsenen hoben ihre Kinder auf den Arm odergar auf die Achsel; und dies alles geschah während des Gottesdienstes, so daßder Geistliche vor lauter Tumult und Lärmen sein eigenes Wort nicht ver-stehen konnte. Das Bornkindl bildete den Mittelpunkt der Christmetten, dieschließlich so ausartete, daß die Kirchenbehörde Anstoß nahm und Bestre-bungen laut wurden, die Christmetten mitsamt dem Bornkindl zu verbieten."Im Zusammenhang mit der Aufklärung kamen solche Bereinigungen" inGang, so 1712, aber das Volk protestierte, zum Teil mit Erfolg, so in Johann-georgenstadt, wo die Bergknappschaft mit ihrem Widerspruch erreichte, daß

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