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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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alte Grabsteine an. Ein mittelalterlicher Grabstein aus Westergötland 191)zeigt einen ornamentalen Baum, der nach einer im Volke verwurzeltenZahlenrhythmik aufgebaut ist. Wir zählen jederseits neun Stiele mit einemdreilappigen Blatte und acht Knöpfe( Knospen) am Stamme. An die Stelledes neunten an der Spitze ist ein Tatzenkreuz als christlicher Sinngebergetreten. Der knorrig verdickte Fuß des Stammes hat in der Mitte einLoch für das Hervortreten der Quelle 192).

Eine Gruppe spätromanischer Grabsteine, die man von Bayern bisKärnten verfolgen kann, ist derselben Vorstellung unterstellt. Vom Baumeist nur mehr der Stamm übrig geblieben, der das Kreuz trägt. Der eine vonzwei Grabsteinen in der Halle vor dem Südportal der Kirche von Viktringin Kärnten, ohne Beischrift um 1200, ist deshalb von besonderer Bedeutung,weil aus dem Kreuze heraldische Lilien und Ranken mit stilisierten Blätternhervorsprossen, wodurch die Zugehörigkeit zum Lebensbaume deutlich zumAusdrucke kommt. Auch die paarigen Vögel fehlen nicht, die aus Raum-gründen am Fuße des Stammes Platz nehmen müssen Der Fuß ist halbkreis-förmig ausgeweitet und zeigt eine gewölbte Öffnung. Auf dem Grabsteineaus Isper( Nieder- Öst.) mit einem Radkreuze als Endigung 193) ist in dieserÖffnung, ähnlich wie bei dem Baume des Sündenfallstoffes( S. 27), dieQuelle durch eine heraldische Lilie angezeigt und auf dem Grabsteine imsogenannten Guttenberghofe in Würzburg 194) durch eine palmettenartigeBildung.

Es fällt bei diesen Grabsteinen die Erweiterung des Stammfußes zueinem Halbkreise auf, und das hat Anlaß zu der Vermutung gegeben,daß damit ein Berg gemeint sei, auf dem der Lebensbaum zuweilen dar-gestellt wird. Das trifft hier nicht zu, denn es ist eine Öffnung( dafür sprichtschon der doppelte Kontur) gegeben, das Tor im Baume, durch das man,hier der Tote, in die andere Welt gelangt( ähnliche Grabsteine in Stillfriedvon 1304 und in Bad Fischau, Nieder- Öst.).

Die halbkreisförmige Verdickung am Fuße des Stammes finden wirschon bei einer Darstellung des Codex Vigilanus im Escurial aus dem9. Jahrhundert 195). Ein Stamm mit einer Palmette an der Spitze und wenigenAkanthus- Halbblättern, streng symmetrisch angeordnet, erweitert sich amFuße zu einem Halbkreise, der mit einer fünfteiligen Halbrosette gefülltist, welche der heraldischen Lilie an dieser Stelle entspricht. Diesem Ge-bilde haben die spanischen Miniaturisten, so oft es auftritt, die Beischrift,, arbor" gegeben; es ist für sie der Inbegriff aller Bäume, der Lebensbaum.Seine sasanidische Herkunft steht fest und damit seine ursprüngliche Be-deutung.

Der Grabstein einer Dominikanerin vom Jahre 1291 in Regensburg zeigtam Fuße des Stammes einen durch Knickung erweiterten Spitzbogen undkommt damit der Gestaltung des Baumfußes bei dem Sündenfallstoffe und

191) Spieß, Marksteine, Bd. 2, Tf. 12, Abb. 38.

192) Damit ist zu vergleichen ein altfränkischer Grabstein von Gleuel mit einerähnlichen Baum- Kreuzform und Öffnung im verdickten Fuße des Stammes. DasProvinzial- Museum in Bonn. Heft II: Die römisch- fränkischen Skulpturen 1917,

Tf. 38/2.

193) Bauerreiss, S. 83.

194) Bauerreiss, Tf. hinter S. 88.

195) A. Riegl, Stilfragen, Berlin 1893, S. 320, Abb. 176.

A Spieß, Neue Marksteine

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