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Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
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Von Bedeutung ist eine Darstellung in einem Streifen an der Spitze. Ein-Jäger jagt in einem Walde, der durch drei Bäume angedeutet wird, einemHirsche nach. Die Jagd nach der Hinde" oder dem Reh nimmt bei denBrautwerbe- Zeremonien 59) in manchen Gegenden einen festen Platz ein,zugleich erinnern wir uns der Darstellungen von der geistlichen Einhorn-jagd. Das weltliche Vorbild, die erweiterte Hirschjagd, tritt uns dann wiederin einem Wochenbettvorhange aus Mašowitz in Böhmen entgegen, mit derBraut im umhegten Haine 60). Der Hochzeitsbaum im Doppelhenkelgefäßeist dabei nicht vergessen.

Volkstümliche Arbeiten aus niederdeutschen Gebieten stellen die Ver-bindung zwischen dem Süden und dem Norden her. Ein mit Netzstickereigeschmückter Kopfkissenbezug) aus den Vierlanden zeigt die bräutlicheSzene in folgender Ausbildung. Der Lebensbaum mit weit ausladenden Ran-ken und drei großen Blüten in der Mitte entspringt hier nicht einem Gefäße,sondern einem Herz und nach diesem greifen die Hände des Brautpaares.An die Stelle der paarigen Vögel sind zwei gegenständige Engel getreten, dieüber Blüten und Gezweig des hochzeitlichen Baumes schweben.

Ein gravierter Kesselhaken 62) aus Niedersachsen vom Jahre 1750 bietetfolgendes Bild. Die Braut reicht dem Bräutigam, der vor ihr mit einemgegabelten Blütenstengel steht, in einem Becher den Trank, mit dem nachaltem Brauche die Ehe geschlossen wurde 63). Darüber aber ist ihrer beiderHochzeits- und Lebensbaum im Doppelhenkelgefäße.

Wir setzen die Untersuchungen über die Abwandlungen unserer Leit-gestalt fort. Die Darstellung des Lebensbaumes als Blumenstück" mit denMitteln der städtischen Malerei, wie an der Tür eines Brautkastens aus derSchweiz 64) zur Rokokozeit, folgt hochschichtlichen Einflüssen, dagegen fälltdie bauerntümliche Rückführung mit einem einfachen Rosendreisprosse übereinem wuchtigen Kessel auf einem schwedischen bemalten Wandbehangauf 65).

Bedeutungsvoll wird die Auseinandersetzung, sobald unsere Leitgestaltin ein Gebiet gerät, wo das Zierwerk vorwiegend rein geometrisch ist. Ander Stickerei einer Joppe 66) aus rotem Tuche von Kotar in Dalmatienbeobachten wir, wie das Doppelhenkelgefäß linienhaft wird, die Zweige unddie Blüten des Lebensbaumes sich in ornamentale Bestandteile auflösen. DerVogelleib wird von kleinen Strichen umsponnen und der Schwanz bestehtaus Wellenlinien.

Im wesentlichen stimmt mit dieser Stickerei die einer Joppe vonObrowac 67) in Nord- Dalmatien überein. Die Blüte auf dem Hauptstamme

59) Reinsberg- Düringsfeld, Hochzeitsbuch, Leipzig 1871, S. 53.

60) Österr. Museum für Volkskunde, Wien; Spieß, Markst. d. Volksk. 2. Bd.,Tf. 28, Abb. 80.61) E. Thiele, Das germanische Erbe i. d. deutschen Volkskultur, München 1939,Abb. 55.62) Österr. Museum für Volkskunde, Wien; A. Haberlandt, Eine südslawischeBildstickerei west- östlicher Prägung( Wiener Zf. f. Volksk. Bd. 44, 1939, Tf. 2).63) Spieß, Deutsche Volkskunde als Erschließerin deutscher Kultur, Berlin1934, S. 208.64) Kasten aus Appenzell von 1766; Schweizerisches Landesmuseum Zürich;Bossert, Volkskunst in Europa, Tf. 36, Abb. 10.

65) Nordisches Museum, Stockholm; Inv. Nr. 24726.

66) Österr. Museum für Volkskunde, Wien.

67) M. Kus- Nikolajev, Motiv životnog stabla, Zagreb 1930, Abb. 1( Sonderdruckaus: Narodne starine).

2 Spieß, Neue Marksteine

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