gefüllt, als Minnegaben und Festgeschenke in Umlauf kamen, aber auchbeim festlichen Gottesdienste auf dem Altare ihren Platz hatten 42). DieGröße dieser Maikrüge wechselte von 15-60 cm; sie waren meist aus Metallgefertigt, gaben im protestantischen Norden im 17. und 18. JahrhunderteVeranlassung zur Ausbildung besonderer Typen, daneben aber griff manauch zu Ton, Marmor, ja sogar zum Holz, wo man künstliche Blumen ein-setzte. Es gab buntbemalte winzige Nachbildungen aus Zinn 43) als Devotio-nalien und dann in Fürstenhäusern höchst kostbare Maikrüge aus Gold mitBlumen aus roten, blauen und grünen Edelsteinen( Kunsthist. Museum,Wien, Augsburger Arbeit des 17. Jahrhunderts, ca. 25 cm hoch). Hier wirdspürbar, wie die Überlieferung vom Lebensbaume alle Wohnstätten erfüllt,vom kaiserlichen Palaste angefangen, über die Patrizier- und Bürgerbautenbis in das Bauernhaus.
Die Stickmustertücher führen die behandelte Leitgestalt fort, ein Zei-chen, daß man Wert auf sie legt. Es liegen drei Mustertücher vor 44), aus derZentralschweiz( 1668), aus Deutschland( 1657), ohne Angabe der näherenHerkunft, und aus Ostfriesland( 1680). Das Gemeinsame dieser Vorlagen ist,daß der Lebensbaum meist ein Dreisproß im Doppelhenkelgefäße- eineüberlieferungsleere, konventionelle Endform ist, die unverbunden imRaume steht, genau nachgestickt werden muß und keine Abänderung ver-trägt. Im schroffen Gegensatze dazu steht die Leichtigkeit und die Mannig-faltigkeit der Formgebung bei den bauerntümlichen Stickereien. Sehen wiruns daraufhin die Stickereien, das Nähwerk( Gnawrik), an den Ärmel-besätzen der Frauenhemden im Egerland an 45). Man muß staunen, wie hierdasselbe Motiv, der Drei- oder Neunsproß im Doppelhenkelgefäß in immerneuen Abwandlungen erscheint, so daß wir bei einer Durchmusterung einergrößeren Zahl solcher Ärmelbesätze nicht auf zwei völlig gleiche Stückestoßen. Dabei bestrebt man sich, die Fläche möglichst mit den Teilen desMotives und seinen Ausblühungen dicht zu füllen, was in prunkvoller Weiseunter Zuhilfenahme mehrerer Farben geschieht. Gelegentlich werden auchdie paarigen Vögel zu Seiten des Gefäßes eingesetzt 46).
Durch eine ganz hervorragende Art der Gestaltung bei anderer Arbeits-weise stehen Schwälmer Weißstickereien, Randborten von Bettüchern undKissenbezügen, den Egerländer Ärmelbesätzen nahe 47).
In einer reich ausgeführten burgenländischen Stickerei ist das Doppel-henkelgefäß kahn- oder halbmondförmig gestaltet 48).
42) A. Haberlandt, Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs, Wien 1953,S. 101; RDK I, 618( Altarvasen).
43) K. Hahm, Deutsche Volkskunst, Berlin 1928, Tf. 208( der Lebensbaum istals 15- Sproß gestaltet).
44) Auktionskat. d. Textilsammlung. Meyer- Am Rhyn, Zürich 1923, Tf. 6,Nr. 45; Schloßmus., Berlin, In. Nr. M 3674; Vatrl. Mus., Hannover, In. Nr. 6863, abgeb.S. Lehmann, Niedersächs. Stickmustertücher, Hannover 1936, Abb. 22.
45) Österr. Museum für Volkskunde, Wien; Abb.: M. Haberlandt, Österr.Volkskunst, Wien 1911, Tf. 7.
46) Die schönen alten Stickereien werden für die Zeit nach 1800 angesetzt. DieBehauptung Dr. M. Müllers, daß das Muster mit der„ Vase" erst um 1840 aufgekom.men sei( J. Hofmann, Deutsche Volkstrachten etc. S. 174) und einen rein geometri-schen Vorläufer mit mehreren Feldern gehabt habe, kann kaum mehr nachgeprüftwerden.
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47) K. Rumpf, Eine deutsche Bauernkunst, Marburg 1943, Nr. 122, 123.48) Eisenstadt, Burgenländisches Landesmuseum.