und in Unteritalien gelegen hat. Ein guter Anzeiger für das Vorhandenseinder bakchischen Gemeinschaften ist der Kantharos mit der daraus entsprin-genden Wein- oder Efeuranke manchmal sind beide zugleich vertreten,die eine rechts, die andere links und den Vögeln dabei. Diese Leitgestalttritt aber erst zu Beginn der römischen Kaiserzeit deutlich in Erscheinungund erreicht dann immer größere Häufigkeit. Man findet sie vor allem anGrabsteinen und in Mosaiken( von Pannonien bis Nordafrika).
Kärnten ist gegen Ende des 2., Anfangs des 3. Jahrhunderts eine deut-lich erkennbare Dionysos- Landschaft. Das bezeugen die zahlreichen Denk-mäler aus dieser Zeit, die nicht nur im Museum von Klagenfurt geborgensind, sondern auch im Freien, in Kirchenwände eingemauert, die Zeiten gutüberstehen.
Rudolf Egger hat die namhaften dionysischen Denkmäler bereits im,, Führer durch die Antiken- Sammlungen des Landes- Museums in Klagenfurt( Wien 1921)" zusammengestellt, die hauptsächlich in bakchischen Tän-zerinnen, einer Statue des jugendlichen Dionysos und in einem schönenMosaikfußboden( jetzt für 300 n. u. A. angesetzt) bestehen, und ist neuer-dings dafür eingetreten 19), daß der Mosaikfußboden mit dem Dionysos-Liber in der Mitte, umgeben von jugendlichen männlichen Gestalten mitTrinkhorn und Flöte und im Tanzschritte schwebenden jungen Frauen, demVersammlungsraume eines dionysischen Mysterienverbandes( collegium oderthiasus Liberi patris) angehört haben wird, dessen Aufgabe darin bestand,seinen„ Brüdern und Schwestern" die ewigen Freuden im Paradiese zu ge-winnen, das in dem Mosaik durch Vögel und aufsprießende Blumen an-gedeutet wird.
Der Kantharos mit Weinranke und Vögeln geht über das dritte undvierte Jahrhundert hinaus, er wird, ohne daß man das immer genau unter-scheiden kann, zum Kelche mit dem Blute Christi. So geschieht es, daß dieZeiten fugenlos in einander übergehen. Die bakchische Leitgestalt ist, ohnedaß man es recht gemerkt hat, zur christlichen geworden, inzwischen istaber eine ganze Welt, die Antike, unwiederbringlich eingestürzt.
Die christliche Leitgruppe„, Kantharos mit Weinrankenbaum und Vö-geln darauf ist zunächst im Südraume, ihrer Heimat, ungemein häufiganzutreffen. Man kann sie dort leicht bis ins 7. und 8. Jhdt. verfolgen, dannverschwindet sie, um im 12. und 14. Jhdt. in unverbrauchter Frische wiederaufzutauchen. Sooft diese Leitgruppe auch verwendet wurde, immer wiedervermag sie zu fesseln, sie behält durch die wechselnde Ausstattung und dieveränderte Anordnung der einzelnen Teile zu einander, den Märchen gleich,ihre anziehende Kraft. Die Verbreitung dieses Heilszeichens erstreckte sichzunächst auf das Mittelmeergebiet, es drang auch in den Balkan ein. DerWeg nach dem Norden über die Alpen war ihm erschwert. Dort, wo be-sonders innige Beziehungen mit Rom bestanden, wie in England, fand dieWeinranke mit den pickenden Vögeln frühzeitig Eingang. Wir beobachtensie als Zier an den steinernen Hochkreuzen vom 7. Jhdt. an.
Im Norden herrschte, wie eingangs erwähnt, eine ganz anders geartete,rein linienhafte Zierkunst, mit wenigen in das Ornamentale eingeschmelztenLeitgestalten, eine sich einprägsam abhebende Kunst, die sich in Skandina-vien über die Wikingerkunst( 800-1100) mit Ausläufern bis 1200 erhielt.
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19) Carinthia I, Bd. 139, 1949, S. 178.