Druckschrift 
Neue Marksteine : drei Abhandlungen aus dem Gebiete der überlieferungsgebundenen Kunst
Entstehung
Seite
V
Einzelbild herunterladen
 
  

Vorwort

Als ich 1939 zum zweiten Male eine Einführung in meine, Bauernkunst"zu schreiben versuchte und gerade zur Frühlingszeit auf einer Insel inDalmatien weilte, stellte ich die dort einheimischen volkstümlichen Sticke-reien als Werke der überlieferungsgebundenen Kunst dem Manne im Gold-helm von Rembrandt als einem Werke hochgetriebener Persönlichkeits-kunst gegenüber. Als ich unlängst Jakob Burckhardts Vortrag Rembrandt"( gehalten am 6. 11. 1877) las, wurde es mir erst recht klar, daß dieser Künstler( 1606-1669) die stürmische Steigerung in der Persönlichkeitskunst schon im17. Jahrhunderte in einem Leben vorweg genommen hat, die notwendigzur heutigen Katastrophe in der gesamten Persönlichkeitskunst führenmußte. Seit der Zeit, da ich vor rund 45 Jahren meine Forschungen überdie unpersönliche Kunst begann, hat sich das Bild der Welt durch die stür-mische Steigerung" auf allen Gebieten gewaltig verändert, so daß wir gegen-wärtig nahe dem Chaos stehen. Es ist kein Zufall, daß sich irgend jemand,ungefähr von 1910 angefangen, ohne zunächst die Tragweite zu ermessen,mit den Kernfragen hinsichtlich des Ablaufes der Kultur und der stürmi-schen Steigerung" rein sachlich und kritisch( ohne Philosophie und völkischeLegende") beschäftigte, denn dazu gehören eben die persönliche Stadtkunstund die überlieferungsgebundene Bauernkunst. Wie überall gibt es natürlichauch hier bemerkenswerte Übergänge. Nun lege ich wieder einmal dreiArbeiten, die überlieferungsgebundene Kunst betreffend, vor. Sie hangenmiteinander nicht zusammen, jede will für sich genommen sein. Beziehungenzueinander, die sich einstellten, waren nicht beabsichtigt. Diese mußte esgeben, da es sich ja um einen großen Zusammenhang handelt.

Ich spreche zunächst meinen besonderen Dank der Museal- Abteilung desBundesministeriums für Unterricht für die Zuwendung aus, welche die Her-ausgabe dieses mit Bildern ausgestatteten Buches ermöglicht hat. Ich dankeHerrn Universitäts- Professor Dr. Leopold Schmidt, dem Direktor des Öster-reichischen Museums für Volkskunde in Wien, für seine äußerst liebens-würdige Unterstützung meiner Arbeiten am Museum und für die Aufnahmedieser Abhandlungen in die Reihe Veröffentlichungen des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde in Wien", weiters Herrn Dr. Adolf Mais für seinestete Hilfsbereitschaft, ferner allen Angestellten des Museums, die alle meineWünsche in vorbildlicher Weise erfüllt haben. Herrn Univ.- ProfessorDr. Edmund Mudrak, der mir seine wissenschaftliche Hilfe selbstlos stetsgewährt hat, danke ich ganz besonders. Für die künstlerische Gestaltungder Zeichnungen bin ich Fräulein Milly Niedenführ zu großem Danke ver-pflichtet, die keine Mühe bei oft schwierigen Wiedergaben scheute. Ich kannim Einzelnen nicht aufzählen, welches freundlichste Entgegenkommen mirin den öffentlichen Museen und wissenschaftlichen Instituten zu teil wurde;allen Vorständen und wissenschaftlichen Beamten sei an dieser Stelle meintief gefühlter Dank ausgesprochen, denn sie haben mir die Arbeit an vielenverstreuten Stellen wesentlich erleichtert.

Wien, am 29. April 1955.

Karl( v.) Spieß.