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Die Nachbarschaft der Deutschen und Slawen an der March : kulturelle und wirtschaftliche Wechselbeziehungen im nordöstlichen Niederösterreich
Entstehung
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heimgesucht; sie hielten sich nur im südlichen Marchfeld durch späterenNachschub verstärkt und im Norden, in Themenau und Bischofswarth. DerDechant J. K. Unmuth zu B. Krut meldet 1655:... die deutsche und schla-wonische sproch wird in beeden orthen, doch vill mehr die schlawonischegeredt, Die pfarr Underthemenau besteht in drey gemain alsz Ober- UnderThemenau und Bischofswart... des( Pfarrers) von U. Th. seyn ambt wollversehe, sonderlich, weil er in beeden sprochen verhirt." Daß ihnen dasEvangelium in ihrer Muttersprache verkündet werde, war die einzige natio-nale Forderung der Kroaten. In Haringsee predigte der Pfarrer MartinProsenitsch( Kroate) kroatisch und ließ den Schulmeister in der Kirche kroa-tische Lieder singen" 93). Es waren 1660 23 deutsche und 40 kroatische Häu-ser, und es gab deswegen Streit, aber noch 1789 mußte die Wiener Hof-kanzlei dem Pfarrer erlauben, an bestimmten Tagen kroatisch zu predigen.Ähnlich war es in anderen Gemeinden des Marchfeldes. 1634 erhielt Marcheggden Pfarrer Seb. Kampf aus Maria Thal in der Slowakei; der Orden hatteschon vorher die Seelsorge in Marchegg ausgeübt ⁹4).

Die nach dem 30jährigen Krieg im Nordosten zuziehenden Slowakenhatten das Glück, in den meist aus Böhmen stammenden Malteserpriesterndes Slowakischen bzw. Tschechischen mächtige Priester vorzufinden, sodafsich der slowakische Gottesdienst in Rabensburg, Hohenau und Ringelsdorfbis nach dem ersten Weltkrieg erhielt. Von dem Rabensburger PfarrerPolenus( 1695-1705) wurden auch Matrikeintragungen in slowakischerSprache gemacht, z. B. 1695,, 12. Aprilis Pohrben gest Mladenec GmenemMartin, Syn Gury Hausprunského a matky Anny, stari 16 lety."( Begrabenist worden der Jüngling mit Namen Martin, Sohn des Georg Hausbrunnerund der Mutter Anna, alt 16 Jahre.)

Die national allzu eindeutige Haltung der Pfarrer dürfte schon im17. Jahrhundert dazu beigetragen haben, daß sich Fürst Hartmann v. Liech-tenstein 1631 das Präsentationsrecht auf die Pfarren Rabensburg und Ho-henau vorbehielt, es aber 1667 nach einem langwierigen Prozeß wieder ab-trat. 1827 wurde Rabensburg abermals mit einem Weltpriester, K. Pürtner,besetzt, der aber als Deutscher einen schweren Stand hatte. Er beklagt sichdarüber folgend: Die Liebe wird ungescheut gepflogen, daher die Zahl deruneheligen Kinder unverhältnismäßig groß. Trunk, Betrug, Genußsucht undTrachten nach fremdem Gut sind Hauptfehler. Übrigens hat der Slowak einenatürliche Bonhomie und ist weder boshaft noch grob, ehrt den Priester,hat aber sehr elende Religionskenntnisse. Der Slowak hängt wohl wie jederGemeine mehr am äußeren, geht aber doch nicht gern beichten... die Ge-meinde hat ungeachtet ihrer nationalen Abneigung gegen mich als Deut-schen doch angefangen, mi chhoch zu achten..."( 1831) Das Anrücken derCholera hat diesbezüglich günstig eingewirkt:, man kam den Anordnungenund Ratschlägen der Geistlichkeit und Obrigkeit willig entgegen, folgtegerne, als der Würgengel da war, fand bereite Streiter, folgsame Kinder,weiche und zu allem willige Menschen. Der sonst übliche Kirtag wurde garnicht gefeiert, viele gingen zur Beichte etc. Der Slowak zeigte sich von derschönsten Seite." Diese für die Kennzeichnung des Volkscharakters auch treff-lichen Bemerkungen ließ Pürtners zweiter Nachfolger, ein Ordenspriester,nicht gelten, er sprach ihm das Recht zur Kritik ab: Wie kann ein purDeutscher über den religiös moralischen Charakter des slawanischen VolkesCensor seyn?" Pfarrer Sichrowsky veranlaßt 1844 folgendes: Da ich mich

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