aus dem 19. Jahrhundert. Es besteht aus einem 375 cm langen, maximal 13 x 13 cmstarken Baum, der vorne mit stumpfer Spitze, nur einer Lochung für die Anspannungund in etwa halber Stärke( 6 X 6 cm) ausläuft. Schon an diesen Details erkennt man,daß der„ Riẞ" nicht aus dem eigentlichen Nockgebiet der Ringhöfe stammt, sondernaus dessen östlichem Vorland des Gurker Berglandes 64. Der Rißbaum ist etwas rohervierkantig zugerichtet. In ihm sitzt etwa 50 cm vor dem Hinterende das ziemlich starkvorgeneigte und 48 cm weit abstehende Reißmesser zwischen zwei Bandschellen sowie23 cm vor seinem Ende ein derber, von oben eingebohrter Haltestock mit Griffstab ander Hinterseite. Das obere Ende dieses Hinterbaumes zeigt eine Bruchstelle; der jetzt53 cm lange Stock hatte ursprünglich offenbar auch einen abgesetzten Knauf wie allePfluggeräte dieser Art in Mittelkärnten. Dieser Stangenriß aus dem unteren Gurktalist ein sehr schweres Gerät, das gegenüber den Vorschneidpflügen aus dem eigentlichenNockgebiet und auch sonst unverkennbar plumper und roher wirkt. Dieser Kontrastist vor allem bei einem Vergleich mit den nachfolgend beschriebenen Vorschneidgerätenaus St. Oswald ob Kleinkirchheim nicht zu übersehen.
1.3 Stangenriẞ( reißeisn) aus St. Oswald ob Kleinkirchheim( Nr. 5), jetzt imKärntner Freilichtmuseum Maria Saal( Inv.-Nr. V 7761), erworben durch den Verfasser1951 beim vulgo Gasser; aufgenommen Februar 1980( Abb. 5, Fig. A).
Das verhältnismäßig leichte und für das innere Nockgebiet sehr typische Gerät wurdevon mir 1951 mit anderen Ackergeräten( Arln) für die Volkskundliche Abteilung desLandesmuseums in Klagenfurt erworben. Sein genaues Alter ist schwer festzulegen, zumales nach einem Bruch des Riẞbaumes nunmehr aus zwei verschiedenen Teilen zusammen-gesetzt ist. Der Hinterteil mit dem Reißmesser besteht aus Birkenholz und scheint etwasjünger zu sein. Der Vordergrindel dagegen zeigt vor allem im Bereich der Jochanspan-nung und an den beiden Stemmlöchern für den Setznagel deutliche Gebrauchsspurenund Abnutzung. Er ist offenbar älter. Nach den Aufbrennspuren aller vier Bandschel-len dürfte die Zusammenfügung zum vorliegenden Stangenriß durch den Dorfschmiederst relativ spät erfolgt sein.
Der in der Vertikalebene leicht nach unten gekrümmte Vordergrindel hat eine maxi-male Stärke von 8 x 8 cm, die nach vorne bis auf 6,3 x 7 cm abnimmt und in dem typi-schen Griffknauf endigt. Ebenso verjüngt sich auch das Hinterende des Riẞbaumes von8 x 8 cm auf 6 X 7 cm. Dessen schräger Stoß sowie die Halterung des Reiẞmesserssind mit einfachen und ungleich breiten Bandschellen gesichert. Vor dem Hinterendeist ein 45 cm langer, leicht verkrümmter Haltestock mit niedrig- breitem Knauf und mitzwei hakenförmigen Griffen( habln) eingestemmt und durch einen Dübel gesichert. DasReißmesser selbst hat wie die meisten dieser sechartigen Schneideisen eine Maximal-breite von 6,5 cm und ist auffallend stark nach vorne geneigt; es steht daher trotz seinerLänge( samt Schaft 67 cm) nur 33 cm nach unten vor.
2. Der Stangenriß mit Sohlholz: Unter den Furchenvorschneidernunseres Bereiches finden sich nur in wenigen Fällen solche, bei denen der Riẞbaum amSitz des Reißmessers bzw. an seinem Hinterende durch ein fersenartig unterlegtes Soh 1-holz verstärkt ist. Für diese einfache und für die Stabilisierung des Arbeitsteiles sichervorteilhafte Erweiterung der Riẞkonstruktion durch ein zusätzliches sohlenartiges Unter-
64 Zu dessen Übergangscharakter im Vergleich mit dem Ringhofgebiet westlich des Hoch-rindl- Kammes vgl. Oskar Moser, Rauchstubenhäuser in den Gurktaler Bergen. HauskundlicheMaterialien zur Kennzeichnung einer Kulturlandschaft Innerkärntens. In: Car. I 1962, S. 302-312, hier besonders S. 310 f. Wie ich nachträglich feststellen konnte, stammt der hier be-schriebene„ Riẞ" vom Hof vulgo Weichbot in Kraßnitz, Gemeinde Straßburg.
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