Druckschrift 
Riß und Arl im Kärntner Nockgebiet : ein Beitrag zur Topographie der altständigen Pfluggeräte in den südlichen Ostalpen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

ausgeformte Vorderende des Jochgrindels unserer Anreißpflüge stets um 25 bis 45 cmüber die vorderste Verbindungsstelle mit dem Jochgeschirr hinaus, um auf diese Arteine Verwindung mit dem Jochgespann beim Wenden wie überhaupt bei der Acker-arbeit zu verhindern 45. Die Gesamtlänge dieser an sich einfachen Vorschneidgeräte,die man als sohlenlose Pfluggeräte und als funktionell getrennte Typen mit verschie-denem historischem Hintergrund" von Arl und Pflug streng auseinanderhalten muß 46,beträgt im allgemeinen etwa 370 bis 430 cm. Sie werden vom Pflüger( ånreißer) amHinterbaum geführt und zugleich in die Furche gehalten. Ein, öfter auch zwei nachhinten abstehende Griffe aus Holz( habl, någl) dienen dort ähnlich wie bei der Arl 47zum Ausheben des Reißmessers beim Furchenwechsel.

Von 23 solchen Anreißpflügen aus dem hier behandelten Gebiet und seinem nähe-ren Umkreis( unteres Gurktal und Metnitztal samt Seitentälern) hatten fast alle eineneinfachen, bis zum Joch reichenden Grindel( bam, bånk) ohne jede weitere oder mehr-teilige Gerippeverstärkung für die Halterung des Reißmessers"( reißmesser, reiẞeisn).Nur in zwei Fällen( siehe Liste Nr. 6 und 10) ist die Befestigungsstelle des Reiẞmes-sers am Rißbaum durch ein kufenartig unterlegtes Sohlholz verstärkt. Dagegen tretensowohl westlich( Liste Nr. 1= Maltaberg, Nr. 2= Radlgraben/ Lieser) wie beson-ders östlich unserer Pfluglandschaft( Liste Nr. 18= Straßburg, Nr. 22 f. O. Wie-tingberg i. Görtschitztal 48) solche Furchenvorschneider mit mehrteiligem, in der Regeldreiseitigem Gerippe auf, das vorab zur Verstärkung des gesamten Pflugkörpers, aberdoch auch zur Stabilisierung der Halterung des kräftemäßig stark beanspruchten Reiß-messers dient. Bisher konnten solche erweiterte Riß- Gerippe mit Sohlenbogen imangrenzenden Westen und Norden festgestellt werden( s. Abb. 6); es fanden sich aberauch, und zwar vor allem östlich des Nockgebietes, Riß- Gerippe mit Sterzenbo-gen( s. Abb. 7-8) 49. Beide unterscheiden sich schon nach ihrem Konstruktionstyp sehrdeutlich vom einfacheren Stangenriẞ( Abb. 4-5), wie er nach den bisher festge-stellten Sachzeugnissen für das innerkärntische Nockgebiet jedenfalls kennzeichnendist 49a. Furchenvorschneider mit kurzem Grindel und Vorkarren wurden bisher gleich-falls, u. zw. nur im Unterkärntner Raum( unt. Gurktal, Görtschitztal, Lavanttal)

Mörgeli, Die Terminologie des Joches und seiner Teile. Beitrag zur Wort- und Sachkundeder deutschen und romanischen Ost- und Südschweiz sowie der Ostalpen( Romanica Helvetica13). Zürich 1940, S. 33 f.,§ 4.

45 Oskar Moser, Fürstall"," Vorsetz und Zieter" Ein Vorspanngerät und seineNamen in Kärnten und Steiermark. In: Sammeln und Sichten- Beiträge zur Sachvolkskunde.Festschrift für Franz Maresch, hrsg. von Mich. Martischnig, Wien 1979, S. 365, Tafel I.

46 Ragnar Jirlow, Die Geschichte des schwedischen Pfluges, Stockholm 1970, S. 11.47 Karl Rham m, Beiträge II/ 1, S. 987, vermerkt bereits diesen Tatbestand und vermiẞtbei der Arl( Inner) Kärntens die Gabelsterze;"... statt ihrer findet sich häufig ein von hinteneingesteckter Stab, der aber weniger zum Führen des Gerätes dient als zum Herausheben."48 Vgl. Karl R ha mm, Beiträge II/ 1, S. 986 und Tafel II, Fig. 6.

49 Ebenda Tafel II, Fig. 6.

49a Zum sohlenlosen Scharbaum- Typ des sogenannten Riẞ", der sich in Europa nur inSkandinavien, in den Ostalpenländern sowie im Westen der iberischen Halbinsel( Nordwest-spanien, Portugal) findet, vgl. vor allem Hans Koren, Pflug und Arl, S. 164-179; fernerRagnar Jirlow, Die Geschichte des schwedischen Pfluges, Stockholm 1970, S. 117-118, deranhand einer Karte des Atlas över svensk folkkultur( 1. Lfg., Uddevalla 1957, Karte 6) 11 ver-schiedene Typen dieses Gerätes allein in Schweden und Finnland nachweist, die jedoch von un-seren ostalpinen Furchenvorschneidern durchwegs verschieden sind. Für Europa vergleiche jetztFrantišek Šach, Proposal for the classification of pre- industrial tilling implements. In: Toolsand Tillage I/ 1, Copenhagen 1968, p. 13, IV.

20

20