trische Bauweise des vierseitigen Pfluggerippes und der Schar, des sogenannten„ Arlings", und dementsprechend durch ihre zweiseitige Wirkungsweise gekennzeichnet 2.
Für diese altertümliche Art von Pflügen hat man nun in der Pflugforschung ver-schiedene Fachbezeichnungen gewählt, um sie damit von den Grundtypen des einseitigwirkenden Beetpfluges(„ Pfluges") abzuheben; man spricht also von Haken, Pflug-haken, Wühl- oder Rührpflügen u. dgl. 3. Doch hat sich unter diesen wechselnden Be-zeichnungen letztlich die in unseren Alpenländern weithin überlieferte Benennung als„ Ar 1" auch in der internationalen Pflugforschung durchgesetzt, nicht zuletzt deshalb,weil damit diese spezifische Altform von Pfluggeräten mit einem Gattungsnamen erfaẞtwird, der sprachgeschichtlich, semasiologisch mit der indogermanischen Wurzel* ar( ǝ)-in der Bedeutung von„ pflügen" zusammenfällt, so daß sich unser Wort„ Arl" samtdessen Ableitung„ Arling“ für die Schar auch etymologisch als verwandt mit einerReihe von europäischen Pflugbezeichnungen erweist, so mit lateinisch arare und aratrum( italien. aratro, sardisch aratru, bündnerromanisch arader, aromunisch arat, provença-lisch araire, span.- portugiesisch arado usf.), mit russisch ralo/ oralo, bulgar. rálo, serbo-kroat. ralo, slowenisch ralo, tschech. rádlo, slowak. radlo und mit dem Altnordischenardr( dän. år/ ård, norweg. ar/ ard, schwed. årder) 4. Im übrigen scheint sich die Sprach-wissenschaft bis heute in der letzten etymologischen Zuordnung unserer Wörter„ Arl"bzw„ Arling" nicht einhellig zu sein. Schon Rudolf Meringer 5 und neuerdings Eber-
2 Den grundlegenden Unterschied zwischen„ Pflug“ und„ Arl“ zufolge ihrer verschiedenenBauart und Wirkungsweise hebt bereits Johann Burger, Lehrbuch der Landwirthschaft I,Wien 1819, S. 198( Abs. 5), mit Nachdruck hervor. Trotz mannigfacher späterer Versuche undVorschläge zur Pflugtypologie muß man diese Unterscheidung weiterhin beachten, an die sichauch die heutige Pflugforschung immer noch hält. So definiert Hanns Koren, Pflug und Arl-Ein Beitrag zur Volkskunde der Ackergeräte, Salzburg 1950, S. 265, die Grundgestalt der„ Arl"als... ein vierseitiges Gerät mit zweischneidiger Schar und einer Sterze( Sterzenbaum), aberohne Sech und ohne Radvorgestell." Ebenso legen André G. Haudricourt- Mariel Jean-Brunhes Delamarre, L'homme et la charrue à travers le monde, Paris( 1955), p. 15 f.,diesen Gegensatz fest:„ On peut donc définir l'araire: un instrument aux éléments et disposi-tifs symétriques, et la charrue: un instrument aux éléments et dispositifs dissy mé-triques. Telles apparaissent technologiquement et fonctionellement les caractéristiques essen-tielles et différentielles des deux outils."( Sperrungen von mir!) Auch Ulrich Bentzien,Haken und Pflug. Eine volkskundliche Untersuchung usw., Berlin 1969, S. 21, entscheidet:„ Wirinterpretieren also PFLUG, PLOG als einen asymmetrischen Beetpflug, HAKEN als einen, symmetrischen Rührpflug'."
3 Dazu und zur Pflugterminologie überhaupt sei immer noch verwiesen auf die entspre-chenden Vorbemerkungen bei Paul Leser, Entstehung und Verbreitung des Pfluges( Photo-mechan. Nachdruck Lyngby 1970). Münster i. W. 1931, S. 3-12, hier besonders S. 11 f.
4 Zur sprachlichen und wortgeschichtlichen Differenzierung von„ Pflug“ und„ Arl" ver-gleicht man am besten Bernd Kratz, Zur Bezeichnung von Pflugmesser und Messerpflug inGermania und Romania( Beiträge zur dt. Philologie 34), Giessen 1966, S. 15-25. Einzelnach-weise vgl. weiter bei Julius Pokorny, Indogermanisches etymologisches Wörterbuch I, Bern1948, S. 62 unter„ ar(-), pflügen'; H. S. Falk- Alf Torp, Norwegisch- Dänisches etymo-logisches Wörterbuch, 2. Aufl., Oslo/ Bergen 1960, S. 31 s. v. Ard; Jan De Vries, Altnordi-sches etymologisches Wörterbuch, 3. Aufl., Leiden 1977, S. 12 s. v. ardr 1.
5 Rudolf Meringer, Wörter und Sachen II. In: Indogermanische Forschungen 17,Strassburg 1904/1905, beschäftigt sich umfassend mit der Bedeutungsgeschichte von, pflegen-Pflicht- Pflug und deren Sinnverwandten S. 100-166. Er setzt zunächst mit O. Schrader undJ. Peis ker mhd. arl, Arl als Übernahme aus dem Slawischen* ar- dhlo-( aslaw. oralo, ralo) an( vgl. auch R. Meringer in Zeitschr. f. d. österr. Gymnasien 1903, S. 3), bemerkt jedoch IF17, S. 121, Fußnote 1:„ ,, Arl, Arling, Riester' halte ich nicht mehr für der Entlehnung verdächtig"und nimmt im Anzeiger für indogermanische Sprach- und Altertumskunde 17, Strassburg 1905,S. 6, anläßlich einer Besprechung O. Schraders diese Entlehnung ausdrücklich zurück.
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