EINLEITUNG
Unsere Kenntnis von der Verbreitung und historischen Entwicklung der Anbau-geräte, vor allem der Pfluggeräte, in den Alpenländern ist immer noch unzureichend undäußerst lückenhaft, vor allem wenn wir sie an den Notwendigkeiten und Möglichkeitenmoderner Methoden der Sachdokumentation überprüfen. Halten wir dazu die Tatsache,daß sich Agronomen, Archäologen, Historiker und Vertreter der Altertumskunde auchbei uns seit mehr als zweihundert Jahren immer wieder, wenn auch gewiß unter wech-selnden Aspekten, mit diesem wichtigen landwirtschaftlichen Anbaugerät befaßt haben,daß es auch in Kärnten relativ frühe und beachtliche Ansätze zu einer vergleichendenPflugforschung namentlich seit Johann Burger d. A. gegeben hat, so muß unsere Fest-stellung eigentlich überraschen. Dazu kommt, daß wir heute immer mehr befürchten müs-sen, diese spürbaren Lücken in der Kenntnis der Sachverhalte je später desto unzureichen-der ergänzen oder gar schließen zu können, seit nämlich die bislang gebräuchlichen Artenund Geräte des Anbaus durch die neueren und tiefgreifenden Strukturwandlungen inder Landwirtschaft so gut wie zur Gänze ausscheiden, seit also zwangsläufig ein radi-kaler Schwund der Sachbestände selbst und der Vertrautheit mit diesen eingetreten ist.
An dieses bedenkliche Defizit in der Pflugforschung der Alpenländer gemahnt unsneuerdings das Kartenwerk des Österreichischen Volkskundeatlasses, in dessen vorletzterLieferung Heinz Christian Dosedla Übersichtskarten für ganz Österreich zu denGrundtypen von„ Pflug und Arl" sowie auch zu einzelnen Bestandteilen derselben bzw.zu deren Bespannungsart und deren Mundartbezeichnungen vorlegt ¹. D osedlas Karteder Grundtypen vor allem zeigt mit größter Deutlichkeit die seit langem bekannte auf-fällige Tatsache, daß sich südlich der Hauptgebirgskämme in den Ostalpen, vorab inden Ländern Südtirol( Italien), Nord- und Osttirol, Kärnten und Steiermark ein sehrvielfältig und kleinräumig untergliedertes Rückzugsgebiet des Pflugtyps der sogenann-ten Ar befindet, das nach der Darstellung von H.- Chr. Dosedla vom hinterenMontafon in Vorarlberg bis an den Südostrand des Wechselgebietes bei Friedberg in derOststeiermark reicht. Es wird im Norden und Osten umschlossen von den offenbar ein-heitlicheren Pfluglandschaften des Beetpfluges und des Doppel- oder Winkeldreh- Kehr-pfluges, die sich im übrigen auch in Kärnten von den Beckenlandschaften und Haupt-tälern( Gailtal, Drautal, Rosental, unteres Lavanttal) aus bereits in die ursprünglichreinen Arlgebiete vorgeschoben haben. Ganz deutlich aber zeichnet sich gerade Kärntenmit Ost- und Südtirol als Kernland dieses südostalpinen Vorkommens der historischenArl ab. Gegenüber dem asymmetrischen, mit einseitig schneidender Halbschar und festemStreichbrett versehenen, meist rechts auswerfenden Beetpflug, der auch in der Bauern-sprache als„ Pflug" bezeichnet wird, ist die Grundtype der Arl durch ihre vollsymme-
1 Heinz- Christian Dosedla, Pflug und Arl I Grundtypen( 1. Hälfte des 19. Jahr-hunderts). Österreichischer Volkskundeatlas, 6. Liefg./1. Teil, hrsg. v. Richard Wolfram undIngrid Kretschmer, Wien 1977, Bl. 99. Zu deren Bauart( Typen der Anspannung), Formenvon Sterzen und Streichvorrichtungen sowie ortsüblichen Mundartbezeichnungen vgl. ebendaBlatt 101.
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