Druckschrift 
Masken in Mitteleuropa : volkskundliche Beiträge zur europäischen Maskenforschung ; anläßlich des sechzigjährigen Bestehens des Vereines für Volkskunde in Wien
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

versucht 147). Einige beachtliche Ergänzungen dazu für Wien hatnunmehr Hans Rupprich gegeben. Die wichtigste ist wohl derHinweis auf den Prediger Franz von Retz, der nach 1400 in derLectura super Salve Regina" tadelt: ,, Wieder andere verun-stalten sich mit unnatürlichen Gesichtsmasken, schänden diemenschliche Gestalt zu Tierfratzen, verkehren die Nacht zum Tagund beunruhigen unablässig sich und andere und halten solchärgerliches Treiben in ihrer Torheit noch für Vergnügen" 148).Solche kleine Zeugnisse werden sich hoffentlich noch öfter ausPredigern und Sittendichtern ausheben lassen. Friedrich Rankehat bei seiner Behandlung des Ulrich von Pottenstein ein schönesBeispiel dafür gegeben 149). Er bietet ja einen Beleg für dieMaskenbezeichnung schembhaubten" schon um 1406, wogegender bisher älteste bekannte, nämlich der vom Bischelsdorf im Inn-viertel, der von 1408 war 150). Die weitere Wiener Maskenge-schichte ist durch die verschiedenen Untersuchungen von MariaCapra, Gustav Gugitz 151) und mir einigermaßen gefördertworden, nicht zuletzt hinsichtlich der Durchdringung weltlicherund geistlicher Maskierung im Schauspielbrauch. Für Tirol hatAnton Dörrer alle bisherigen Zeugnisse aufgeboten und an diespärlichen mittelalterlichen Belege die reichen Archivgewinnefür die frühe Neuzeit angeschlossen 152). Die Belege der WienerGottsleichnamsbruderschaft, die Maria Capra systematisch exzer-piert hat, haben dann die erstaunlichen Verbindungen vonTiroler und Wiener Maskenwesen zu Ende des Mittelaltersergeben 153).

147) Leopold Schmidt, Das Wiener Maskenwesen des Mittelaltersund der Renaissance( Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theater-forschung, Bd. 1950/1951, S. 22 ff.).

148) Hans Rupprich, Das Wiener Schrifttum des ausgehendenMittelalters( Österreichische Akademie der Wissenschaften, Phil.- Hist.Kl., Sitzungsberichte, 228. Bd., 5. Abh.) Wien 1954. S. 142 f.

149) Friedrich Ranke, Zum Wortschatz der österreichischen Um-gangssprache um 1400( Beiträge zur Sprachwissenschaft und Volkskunde.Festschrift für Ernst Ochs zum 60. Geburtstag herausgegeben von KarlFriedrich Müller. Lahr/ Schwarzwald 1951. S. 186).

150) Schmeller- Frommann- Maußer, Bayerisches Wörterbuch. Neu-ausgabe. Leipzig 1940. Bd. II, Sp. 419.

151) Gustav Gugitz, Alt- Wiener Faschingsbrauch( Jahrbuch für Lan-deskunde von Niederösterreich und Wien, N. F. Bd. XXIX/ 1944-1948,S. 385 ff.). Dasselbe in Gugitz, Das Jahr und seine Feste im VolksbrauchÖsterreichs. Studien zur Volkskunde. Bd. I, Wien 1949. S. 15 ff.

152) Anton Dörrer, Tiroler Fasnacht, wie Anmerkung 11, S. 91 f. u. ö.153) Maria Capra, Das Spiel von der Ausführung Christi beiSt. Stephan in Wien( Jahrbuch der Gesellschaft für Wiener Theater-forschung, Bd. II, Wien 1945/46, S. 125 ff.).

58