diese Schüler und Freunde ein halbes Jahrhundert lang gear-beitet haben, dann muß man sagen, daß sich wohl kaum jemalseine Widmung so sinnfällig ausgewirkt hat wie diese. Alle Per-sönlichkeiten aller Richtungen, die gerade in Wien in diesemZeitraum zur Geltung kommen sollten, wurzeln nämlich inter-pretationsmäßig wirklich im Werk Schroeders, und vielfach hatman nach der Kenntnisnahme der neueren Arbeiten dieser Kreisenicht das Gefühl, daß wir wesentlich weitergekommen wären alsSchroeder im Jahr 1908 schon war.
Diejenige Richtung, die sich in der Folgezeit am stärkstenauf Schroeder berief, die Wiener Mythologenschule, kann hiernoch nicht gewürdigt werden, da sie in der tatsächlichen Entwick-lung der Maskenforschung kaum eine Rolle spielte. Die zweiteRichtung, die geschichtlich von der Anthropologischen Gesell-schaft herkam und Volkskunde wesentlich als Völkerkunde Euro-pas betrieb, war aber nicht weniger von Schroeder abhängig.Das macht sich vor allem bei Arthur Haberlandt geltend. AlsSammler setzte er das Werk seines Vaters fort, zunächst durchAnkäufe aus dem tiroler Antiquitätenhandel, viel später auchdurch Neusammlung in Krimml 30) in Fortführung der ArbeitenWilhelm Heins. Wie unter Michael Haberlandt ist auch unterihm ein bescheidener Strom von Vergleichsmaterial ebenfalls indas Museum geflossen, so daß von den Buso- Masken aus Ungarnbis zu westdeutschen Holzmasken aus dem Moselgebiet docheiniges an Untersuchungsstoff zustandekam. Wesentlicher warsein Bestreben, persönlich einen größeren Überblick über deneuropäischen Bestand zu erwerben und davon ein gestaltenreichesBild zu entwerfen, wie es in seinem Beitrag zu Buschans Völker-kunde 1926 vorgelegt wurde 31). Auf den Zusammenhang desMaskenwesens mit Altersklassen und Männerbünden wird dortgroßer Wert gelegt, man spürt die Nachwirkung von Schurtz undSchroeder. Die ethnologische Einstellung würzt freilich dieBetrachtungsweise durch manche Interpretation, die zweifelhafterscheint, besonders die Heranziehung des Gedankens desTotemismus 32). Echte geschichtliche Einsichten, wie die desrömischen Kulturerbes im Maskenwesen 33) stehen neben manchen
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30) Arthur Haberlandt, Volkstümliches Überlieferungsgutbäuerlichen Schauspielen in Krimml( Salzburg)( Wiener Zeitschrift fürVolkskunde, Bd. XLIII, 1938, S. 87 ff.).
31) Arthur Haberlandt, Die volkstümliche Kultur Europas in ihrergeschichtlichen Entwicklung(= Illustrierte Völkerkunde in zwei Bänden.herausgegeben von Georg Buschan, Stuttgart 1926).
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32) Haberlandt, wie oben, S. 625, u. ö.
33) Haberlandt, ebendort, S. 623 f.