gen vor allem zur Hochzeit angeschafft wurden, blieben sie mit derartigen bildlichenDarstellungen auch mahnende Zeugen in den Stuben und Kammern und gaben die Tra-dition weiter. Bei den viel wandernden Zillertalern haben sie für die daheimbleibendenFrauen und Kinder wohl oft Bibel und Gesangbuch ersetzen müssen.
Diesen wichtigen Spezialfällen stehen die Möbelgestaltungen in den breiten katho-lischen Landesteilen gegenüber. Sie sind in einem Ausmaß zu Bezeugungen der Volks-frömmigkeit, der häuslichen Andacht geworden, wie man diese von den beweglicherenVolkskunstgütern, etwa den Kleinplastiken, der Hinterglasmalerei, den Gebet- undGesangbüchern, kaum ablesen könnte. Um 1700 beginnt das geradezu triumphierendekatholische Barock auf den Möbeln. Die an sich auch dem Materialwert des Weich-holzes nach doch eigentlich bescheidenen Möbel werden durch ihre Bemalung zu wahrenKostbarkeiten. Es muß Zeiten gegeben haben, in denen zu jeder Hochzeit einer Bauern-tochter neue solche Möbel gemalt wurden. In den großen oberösterreichischen Höfen,in denen entsprechender Platz vorhanden war, hat man denn auch die Möbelfolgen vonmehreren Generationen aufbewahrt. Dort lassen sich also die einzelnen Gruppen undTypen sehr gut verfolgen. Zunächst die Möbel, auf die Heiligendarstellungen, Bildervon Wallfahrtsmadonnen, von Namenspatronen gemalt waren. Dann die allmählichansteigende Zahl von Möbeln mit weltlichen Sinnbild- Darstellungen, also etwa Jahres-zeiten- Bilder, freilich meist mit den Darstellungen von Haus- und Feldpatronen um-rahmt. Die vier Felder der Kasten haben solche Darstellungszyklen, also die vier Jah-reszeiten, die vier Kardinaltugenden und ähnliches mehr, begünstigt. Das weltliche Ele-ment schob sich aber auch hinsichtlich der Abbildung von bäuerlichen Gestalten undSzenen vor. Bilder von hochzeitlichen Tafelrunden, von Hochzeitstänzern, Hochzeits-musikern kommen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht selten vor.
Zu manchen derartigen Darstellungen gibt es noch die dafür verwendeten gra-phischen Vorlagen, vor allem Andachtsbilder. Übereinstimmungen mit Hinterglasbildernzeigen, daß beide, Möbelmaler wie Hinterglasbildmaler, die gleichen Vorlagen benützthaben. Mitunter sind die Graphiken selbst verwendet worden, so auf den Linzer„ Reiter-möbeln", die Zeitgenossen, wie Kaiser Josef II. und König Friedrich II. von Preußen,ebenso wie verschiedene Heilige als ausgeschnittene und kolorierte Kupferstiche auf-geklebt aufweisen.
Solche Graphiken sind in manchen Gegenden offenbar gern als Vorlagen für einengeradezu modischen Schmuck der Möbel verwendet worden. Ein vorzügliches Beispieldafür bietet die Möbelmalerei des Egerlandes, wo die grün grundierten Möbel mit denverschiedensten, sehr zeitgebundenen Figuraldarstellungen verschönt erscheinen. GenaueDarstellungen der Modekleidungen, etwa zwischen 1790 und 1820, also der Zeit desreifen Goethe, beweisen, daß man dort sich die vornehmen Kurgäste in Karlsbad genaubesah, und zumindest in dieser Hinsicht vor ihnen nicht zurückstehen wollte. DieseEgerländer Möbelgruppe war einstmals nicht klein, da manche Tischler bezeugtermaßenzu jeder Hochzeit diese Möbel anzufertigen hatten. Aber sie sind selten und spät gesam-melt worden. Wenn sie hier den Möbeln unserer Bundesländer gegenübergestellt erschei-nen, geben sie die seltene Möglichkeit, eine derartige Sonderentfaltung studieren zukönnen.
Die Möbel haben sich in der zeitgenössischen Kunst kaum gespiegelt, so daß wirüber die Stücke hinaus von der Einrichtung der Häuser, der Stuben und Kammern, nurwenig wissen. Nur die Votivbilder zeigen mitunter Möbelstücke, wenn sie mit demGrund der Darbringung der Tafel im Zusammenhang stehen. So kann man etwa sehen,daß ein Himmelbett nicht nur ein kahles Holzgestell war, sondern reich mit entspre-chenden Textilien ausgestattet. Und da die Votivbildermaler durchaus realistisch ver-suchten, die Votivgründe darzustellen, malten sie auch keine Phantasiemöbel, sonderneben jene Wiegen, in denen die kranken Kinder lagen, jene Betten, in denen die Erwach-
64