Druckschrift 
Schloßmuseum Gobelsburg : Katalog
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

tete sich aus, und zu der schwarzen und grünen Ware der einheimischen Hafner tratenfast plötzlich die Einfuhr- Geschirre der Weißhafner", der ursprünglich täuferisch ge-sinnten ,, Habaner. Das Brüderische Geschirr" gewinnt an Boden. Sein reines Weiß,im zweiten, dem Glasurbrand, erstellt, seine zeitgemäße Formgebung nach holländischenVorbildern setzt sich durch. Von den Geschirrborden kommt Licht in die noch immerrecht dunklen Stuben. Die bescheidene, aber geschmackvolle Bemalung mit pflanzlichenMotiven, dann auch mit heraldischen Zeichen, fast gar nicht figural und überhauptnicht religiös, wird zum Vorbild der Möbelmalerei. Die Möbel werden lichter, die vor-her nur eingelegten Vasensprosse werden nun auch auf den Truhen und Betten grünund rot aufgemalt.

Es gibt Landschaften, die überhaupt nicht mitmachen. Im Inneren des LandesSalzburg bleibt man nicht nur bei den Blankholzmöbeln. Man sucht sich Vorbilder vonaußerhalb, aus den protestantischen Reichsstädten, und schafft so in Mittersill und inSaalfelden den eigenen Pinzgauer Möbelstil. Die älteren Truhen, Kasten und Bettenweisen keinerlei religiöse Zeichen auf, sie sind offenbar für wohlhabende kryptopro-testantische Hofbesitzer geschaffen. Nach der Protestantenaustreibung von 1732 gelan-gen ab und zu auch religiöse Motive, vor allem Jesus- und Marien- Monogramme, aufdie Bettaufsätze der Pinzgauer. Erst um 1800 stirbt diese ganze Sondergruppe ab.

Umgekehrt haben alle Landschaften der Gegenreformation, wo der Katholizismusselbstverständlich war oder wieder wurde, zur gleichen Zeit ein Aufblühen der Möbel-malerei zu verzeichnen. Zunächst sind es in Bayern und Oberösterreich die dunklenMöbel, auf die rote und grüne Pflanzensprosse aufgemalt werden. Dann greifen ganzeGruppen zu einer überraschend kräftigen Farbigkeit. Im Brixener Anteil des Zillertales,also in der westlichen Talhälfte, beginnt die Bemalung mit blauer Grundierung, mitweißen Feldern und mit viel Rot, in den mit Schnitzerei umrahmten Bogenfeldern derZweifeldertruhen. Ungefähr gleichzeitig entstehen im Alpbachtal, vielleicht vorher schonim davorliegenden Unterinntal, jene Möbel, die eine ganze alpenländische Gruppe be-rühmt gemacht haben. Die im wesentlichen fast noch mittelalterlichen Möbelkörper,die almerartigen eintürigen Kasten der Alpbacher Gruppe bekommen auf dem blankenHolz, das kräftig braun gebeizt wird, ohne Grundierung Felder aufgemalt. Es folgendie Alpbacher Truhen und Betten, bei denen zwei oder auch nur eine Arkade, ein Bogen-feld, durch kräftige schnitzerische Rahmung herausgehoben wird. Pflanzliches Dekor,große Wappen, vor allem Doppeladler, werden gern auf den blanken Grund gesetzt.Um die Friese werden nicht selten wie auch die Kleinmöbel, die Milchschaffe, mitJägern und Tieren, nicht selten auch Phantasietieren, bemalt.

Während das Oberinntal bei blanken, meist beschnitzten Möbeln verharrt, bildensich also in Tirol einzelne Talstile von bemalten Möbeln. An der Schwelle vom tiro-lischen zum salzburgischen Zillertal ergibt sich dabei eine völlig überraschende Teilung.Während der tirolische Talanteil bei den barocken blauen" Möbeln verharrt, ent-wickelt der salzburgische Anteil einen eigenen grünen" Möbelstil. Vielleicht lebt dasalte Grün der frühen Neuzeit als Grundfarbe darin weiter. Sicherlich aber nimmt dieBemalung vor allem der Kasten mit figuralen Szenen hier ganz neue Anregungen auf.Wahrscheinlich steht auch hier die Keramik, und zwar in diesem Fall die DelfterFayence, als Vorbild vor Augen. Denn dieses salzburgische Zillertal ist auch krypto-protestantisch. Es wehrt sich nach 1816, als dieser Talteil zu Tirol kommt, energischdagegen, katholisch zu werden. Als die sonst längst eingeführte Gleichberechtigung derBekenntnisse hier versagt wird, wandern diese Zillertaler ,, Inklinanten" noch 1837 nachPreußen aus. Ihr Erbe in der Volkskunst sind die zahlreichen grünen Möbel, die aufihren Türfeldern nicht selten Szenen aus dem Alten Testament darstellen.

So haben die Bekenntnisse und ihre Konflikte ganz wesentlichen Anteil an derGestaltung, vor allem der Bemalung, gehabt. Da die Truhen, Kasten, Betten und Wie-

63