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Schloßmuseum Gobelsburg : Katalog
Entstehung
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Altösterreichische Volksmajolika

Zu der Ausgestaltung der Säle paẞt vielleicht am ehesten eine Sammlung altenVolkskunstgutes aus dem Bereich des Handwerks. Der Fülle des dem ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde zur Verfügung stehenden Stoffes nach bot sich vor allem dieVolksmajolika an. Das durch das Porzellan allmählich verdrängte Majolikageschirrbedeutet eine besondere Blüte der handwerklichen Volkskunst zwischen dem 16. unddem frühen 19. Jahrhundert. Auf dem Boden der alten Donaumonarchie hat es vielegute Werkstätten gegeben, heute ist nur mehr Gmunden davon wirklich geläufig. Manmuß bei einer musealen Darstellung aber weiter ausgreifen und die Majolika in Ober-italien das ja zum Teil einst auch zu Österreich gehörte ebenso einbeziehen wiejene aus Mähren und aus Oberungarn, der heutigen Slowakei, wo eine späte Blüte imfrühen 19. Jahrhundert große Mengen von gutem Majolika- Geschirr hat entstehen las-sen. Danach haben sich die Räume ziemlich zwanglos geographisch- historisch gliedern

lassen:

Ein erster, kleiner Raum( das ehemalige Prälatenzimmer) konnte den Frühformengewidmet werden, wo die Majolikakrüge neben den Zinn- und Kupferkannen stehen,um die Formverwandtschaft zu zeigen. Hier finden sich auch die oberitalienischenApotheken- Majolikagefäße, die weite Verbreitung besaßen, sowie Proben aus der frühenSalzburger Majolika, frühes Gmunden usw. Dann folgt der II. Saal, der ganz der ober-italienischen Majolika gewidmet ist, und zwar den bekannten blau- gelben Arbeiten vonPesaro ebenso wie den schlichten, hellfarbigen großen Weinkrügen aus dem Umkreisvon Venedig. So mancher Krug, der in Istrien oder in Udine erworben wurde, trägtden Doppeladler, mancher aber auch noch den Markuslöwen. Der nächste, III. Saal,ist dann fast zur Gänze den Krügen, Tellern und Godenschalen aus den Werkstättender Gmundner Hafner gewidmet. Die Fülle des Bestandes erlaubt eine leichte Glie-derung nach geistlichen und weltlichen Motiven; wenn man mit den oberitalienischenKrügen vergleicht, fällt die Erzählfreudigkeit der österreichischen Hafner auf. Nichtnur einzelne Motive, einzelne Gestalten sind auf die Vorderseite der Krüge gemalt,sondern ganze Landschaften mit kleinen Szenen. Besonders in der Spätzeit, im frühen19. Jahrhundert, häufen sich diese Genrezüge. Der nächste, größte, der IV. Saal, beher-bergt vor allem niederösterreichische Majolika, aber auch Stücke aus den Randgebieten,Hinweise auf die Verbindungen nach Oberösterreich, nach Steiermark und nach Mäh-ren. Es sind also besonders Krüge aus den Werkstätten am Steinfeld ausgestellt, aberauch Einzelstücke, wie Heiligenfiguren, Uhrständer, Salzfässer, Tintenzeuge usw., ausverschiedenen Werkstätten. Die landschaftliche Note ist hier besonders unterstrichen,wenn beispielsweise Stücke ausgestellt sind, die vor Jahrzehnten im benachbarten Lan-genlois erworben wurden. Der anschließende V. Raum bringt vor allem Geschirr ausden Werkstätten in Mähren und im benachbarten Oberungarn( der heutigen West-slowakei nördlich von Preßburg). Das schöne Wischauer Geschirr beispielsweise hebtsich heraus. Aber auch böhmisches Braungeschirr ist, um die anderen Möglichkeiten derGeschirrkeramik zu unterstreichen, hier ausgestellt. Mit den zahlreichen Heiligendar-stellungen auf den Krügen und auf den Weihwassergefäßen, denen eine eigene Vitrineeingeräumt ist, leitet dieser Raum gleichzeitig zum VI. Saal über, in dem sich die Reste

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