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Schloßmuseum Gobelsburg : Katalog
Entstehung
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,, Sachsenberg" bezeugt. Die Übertragung des Burgplatzes an den Ahnherren der Kuen-ringer, Azzo, der sich später nach der Gobatsburg" benannte, hatte wohl noch im11. Jahrhundert die Erbauung einer mittelalterlichen Burganlage zur Folge. Das heutigeSchloß stellt also einen Endpunkt einer langen Entfaltungsreihe am gleichen Ort dar.

Im Schloß, das für die Einrichtung und Ausgestaltung als Schloßmuseum innenund teilweise auch außen gründlich restauriert wurde, ist über eine bequeme breiteStiege der Repräsentationstrakt im ersten Stock zu erreichen, der einen breiten Gang,sechs Ausstellungsräume und die Schloßkapelle umfaßt. Die meisten Räume weisenschöne barocke Decken auf, zum Teil mit Deckengemälden, zum Teil mit Stuckreliefsausgestattet, übrigens durchaus weltlich- antik- mythologischer Art, da das Schloß in die-ser Form noch von einem weltlichen Bauherrn, dem Grafen Otto Achaz Ehrenreich vonHohenfeld 1724 erbaut wurde, der nach den Deckengemälden mit dem von Diana ineinen Hirsch verwandelten Aktäon und nach den Jagdhunden an den Kachelöfen dasSchloß nicht zuletzt als Jagdschloß geplant haben dürfte. Diese mächtigen, ganzeRaumecken ausfüllenden Kachelöfen bedeuten die zweite Gruppe des Raumschmuckes,welche bei der Ausgestaltung dieser vornehmen, lichten Raumflucht bedacht sein wollte.Die Künstler, welche die Deckenreliefs und-gemälde geschaffen haben, sind uns übri-gens ebenso unbekannt wie die Hafner der Öfen. Man kann von einer Art barockeranonymer Werkstattkunst, einem guten Kunsthandwerk dabei sprechen, wie es in denbenachbarten Städten und Märkten, also beispielsweise Krems und Langenlois, tatsäch-lich zu Hause war. 8

Zu dieser Ausgestaltung der Säle paẞt also vielleicht am ehesten eine Sammlungalten Volkskunstgutes aus dem Bereich des Handwerks. Der Fülle des dem Österrei-chischen Museum für Volkskunde zur Verfügung stehenden Stoffes nach bot sich vorallem die Volksmajolika an. Das durch das Porzellan allmählich verdrängte Majolika-geschirr bedeutet eine besondere Blüte der handwerklichen Volkskunst zwischen dem16. und dem frühen 19. Jahrhundert. Auf dem Boden der alten Donaumonarchie hates viele gute Werkstätten gegeben, heute ist nur mehr Gmunden davon wirklich geläu-fig. Man muß bei einer musealen Darstellung aber weiter ausgreifen, und die Majolikain Oberitalien ―das ja zum Teil einst auch zu Österreich gehörte- ebenso einbeziehenwie jene aus Mähren und aus Oberungarn, der heutigen Slowakei, wo eine späte Blüteim frühen 19. Jahrhundert große Mengen von gutem Majolika- Geschirr hat entstehenlassen. Danach haben sich die Räume ziemlich zwanglos geographisch- historisch glie-dern lassen.

Die beiden Verbindungsgänge, vom Stiegenhaus einerseits und über das Bergzim-mer anderseits, weisen bereits auf die zweite Hauptabteilung des Schloßmuseums, aufdie Möbelsammlung hin. Diese Räume an der Nordseite des Schlosses weisen nur teil-weise solchen Stuckdekor auf wie die Räume an der Südseite, und überhaupt keineKachelöfen. Die anderthalbgeschossige Sala, welche nach innen, also nach dem Schloß-

Topographie von Niederösterreich, Bd. III, S. 481.

7 Die Motive der meisten Stuckdecken lassen sich wohl als mythologisch verbrämte Jagd-szenen ansprechen. Warum aber die Decke im Raum VI eine ausführliche Darstellung des Selbst-mordes des ,, rasenden Ajax" aufweist, bleibt eigentlich rätselhaft. Es wäre denn, man würdeannehmen, daß der Erbauer, Otto Achaz Ehrenreich von Hohenfeld, seinen zweiten Vornamen,eben ,, Achaz" als eine Form von Ajax" verstanden hätte, und damit einem vermeintlichenantiken Namenspatron huldigen wollte. Immerhin weist auch der Ofen gerade in diesem Raumdie ornamentale Abbreviatur seines Namens auf.

8 Eine funktionelle Motivierung der Stuckdecken- Motive erscheint vorläufig nur in demErdgeschoßraum unter der Sala, hinter den Arkaden, gegeben. Da diese Decke die Darstellungvon zwei Kardinaltugenden, nämlich von Gerechtigkeit und Stärke" zeigt, ist der Raumwohl als die alte Gerichtsstube der Herrschaft Gobelsburg anzusprechen.

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