vor allem eine kleine geschlossene Gruppe von Gefäßresten, als kennzeichnend für diebeginnende mittlere Bronzezeit ansprechen können. Es handelt sich um Tassen und Restevon Amphoren vom„ Typus Böheimkirchen“, zu denen noch Webstuhlgewichte undsogenannte„, Netzsenker" treten, die also deutlich auf einen Siedlungsplatz mit häus-lichem Leben hinweisen. 3 Nach den zahlreichen weiteren Spuren von Gräbern, die inden Wänden des neuen Kellers stecken, ist anzunehmen, daß der Schloßhügel vonGobelsburg nicht weniger besiedelt war als das für den Typus namengebende ,, Hoch-feld" von Böheimkirchen. Waren Funde von diesem Typus bisher nur südlich der Donau,nämlich aus Böheimkirchen, aus Schönbühel an der Donau und vom Kumenberg beiSt. Andrä vor dem Hagental bekannt, so tritt nunmehr Gobelsburg nördlich dazu, abermit der gleichen bezeichnenden Anlage der Siedlung auf einer aussichtsreichen, vertei-digungsfähigen Höhe.
Was die Siedler in der Bronzezeit schon angezogen hat, nämlich diese vorzüglicheLage mit dem weiten Ausblick, das hat offenbar auch alle weiteren Besiedler und Be-bauer dieses Schloßberges angezogen. Weitere im Löß der Gobelsburger Weinkeller ge-fundenen Gefäßreste sind als hallstättisch angesprochen worden, so daß wohl auch eineBesiedlung in der Hallstattzeit, etwa im 6. vorchristlichen Jahrhundert, gegeben gewesensein dürfte.
Um auf diese Vor- und Frühgeschichte der Örtlichkeit wenigstens einen Hinweiszu geben, ohne deshalb das Schloßmuseum zu einer urgeschichtlichen Sammlung aus-bauen zu wollen, ist im Stiegenhaus eine Vitrine aufgestellt worden, welche die wich-tigsten bronzezeitlichen Funde, gereinigt und restauriert, darbietet. Sachlich stellen siezugleich einen Hinweis auf die Vorgeschichte jener neuzeitlichen Hafnerkeramik dar,welche im Schloßmuseum selbst gezeigt wird.
Für die römische und frühmittelalterliche Zeit und eine damals stattgehabteBesiedlung scheint der Umstand zu sprechen, daß das unmittelbar über den Weinkellernan das Schloß anschließende hochgelegene Weinberggelände örtlich ,, im Spiegel" genanntwird. Solche Spiegel"-Namen werden, wo römerzeitliche Besiedlung in Betrachtkommt, in der Regel auf eine„, specula", also auf die römische Bezeichnung eines Wacht-turmes zurückgeführt. 5 Bei der ganz offenkundigen Bedeutung des Schloßẞhügels instrategischer Hinsicht erscheint die Anlage eines Wachtturmes hier durchaus einleuch-tend. Es gehen aber wohl nicht alle„ Spiegel"-Bezeichnungen in Flurnamen auf römischeAnlagen zurück.
Wenn Gobelsburg eine römische Vergangenheit haben sollte, dann müßte manseine Stellung wohl mit der der nächsten römerzeitlichen Fundplätze vergleichen. Unddas wären die Limestürme in Etsdorf, auf dem Wagram, wo sie eben an der nördlichder Donau liegenden Reichsgrenze ab 180 n. Chr. liegen. Sehr nahe liegt auch derFundort eines römerzeitlichen Ziegelofens bei Hadersdorf am Kamp. Die römische,, specula Gobelsburg" dürfte also genau über der Kreuzung eines alteinheimischen Ver-kehrsweges zur Donau mit dieser Reichsgrenze gelegen gewesen sein.
Die Anlage der Gobatsburg, die im 11. Jahrhundert zuerst erwähnt wird, konntejedenfalls an solche ältere Wehrbauten anschließen beziehungsweise diese ersetzen. Diefrühdeutsche, vermutlich karolingische Besiedlung erscheint durch die Weingartenried
8 Vgl. Richard Pittioni, Urgeschichte des österreichischen Raumes. Wien 1954,S. 367 ff. Dazu die Karte 8 auf S. 360.
4 Römerzeitliche Gräber sollen um 1830 bei Gobelsburg aufgedeckt worden sein. Vgl.Topographie von Niederösterreich, Bd. III, S. 481, Anmerkung.
5 Vgl. Franz Mann, Was sagen uns die Flurnamen im Bezirk Kirchberg am Wagram?Ein Heimatbuch. Kirchberg 1959. S. 177.
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