Druckschrift 
Schloßmuseum Gobelsburg : Katalog
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Schloßmuseum Gobelsburg

Schloßmuseen, die von Zentralmuseen eingerichtet werden, sollen für die All-gemeinheit, für die Besucher eine Stätte des Beschauenkönnens von Sammlungen sein,wie sie sonst in den Hauptstädten konzentriert sind und dort in den Zentralmuseenhäufig genug infolge der Materialfülle in deren Saalfluchten kaum richtig zur Kenntnisgenommen werden. Für die Museen bedeuten sie Außenstellen, die mit Bedacht beschicktwerden müssen, und deren Eignung in volksbildnerischer, museumspädagogischer Hin-sicht sich erst wird erweisen müssen. Von den Zentralmuseen, die Jahrzehnte hindurchMaterial angesammelt haben, das nur zum Teil zur Schau gestellt, zum größeren Teilin Studiensammlungen oder einfach in Depots verwahrt werden kann, muß die Situa-tion nach verschiedenen Richtungen hin geprüft werden. Man kann sich wohl nur zurAusstellung von Sammlungsgruppen entschließen, welche vom Material her gesehendafür geeignet sind. Das heißt, man wird an solche Außenstellen nur Materialien geben,welche ihrem gegenständlichen Stoff nach wenig gefährdet( also beispielsweise von Wit-terung oder Beleuchtung kaum beeinträchtigt werden können), die aber auch wissen-schaftlich im wesentlichen ausgewertet sind. Gegenstandsgruppen, von denen es in denmeist überfüllten Museumsdepots Hunderte von Zweitstücken gibt, kommen dafürjedenfalls eher in Betracht als solche, bei denen jedes Exemplar als Unikum anzuspre-chen ist. Außerdem müssen Einzelstücke und Gruppen auch für die Beschauer etwasaussagen. Sowohl die heimischen der näheren Umgebung des betreffenden Schloß-museums, beispielsweise die Schulkinder, sollen von der Besichtigung einen Gewinnhaben, wie auch die durchreisenden Besucher, ob es sich nun um Fremde im eigentlichenSinn oder um Sommerfrischler oder um Sonntags- Autofahrer handelt. Das ist allerdingsnicht zuletzt auch eine Frage des Rahmens, in den man eine derartige Kollektion hin-einstellt.

Im Fall Gobelsburg ist ein solcher Rahmen gegeben. Das auf dem Boden der altenKuenringerburg Gobatsburg stehende barocke Schloß, gleichzeitig Wirtschaftshof desZisterzienserstiftes Zwettl, stellt einen stattlichen, festen Bau dar, der zusammen mitder gotischen Kirche eine vorzügliche Baugruppe auf dem Burghügel über dem Kampbildet.

Dieser Hügel hat offenbar schon seit eh und je zur Besiedlung, ja vermutlich zurAnlage von burgartigen Befestigungen verlockt. Es ist angesichts der Tatsache, daß dasÖsterreichische Museum für Volkskunde in dem Schloß vor allem Keramik ausstellt,doch sehr erfreulich, daß Funde im Erdreich, im Löß des Burghügels diese bis in diefrühe Bronzezeit zurückreichende Besiedlung nicht nur bezeugt, sondern gerade durchmarkante Keramikreste bewiesen haben. 1 Bei den Grabungen zu den neuen Keller-anlagen unterhalb des sogenannten Spiegels", gleich nördlich vom Schloß, konnteP. Bertrand Baumann verschiedene Spuren von Gräbern, aber auch von Siedlungsstellenbergen. 2 Herr Dr. Fritz Berg hat diese Funde freundlicherweise begutachtet und sie,

1 Die älteren Funde sind bereits in der Topographie von Niederösterreich,Bd. III, Wien 1893, S. 481, genannt. Ihr Verbleib scheint leider nur teilweise bekannt zu sein.2 Grabungen bei den Weinkelleranlagen in den Jahren 1964-1968, die Funde werden imSchloß aufbewahrt.

9