Verhältnisse im Dachbau gekennzeichnete Beobachtungen gerade unter seiner lokal oderzufallsweise gewählten Nomenklatur empfindlich leiden, gebrauchte die Bezeichnung,, Scherendach" sogar für die ganz anders zu beurteilenden Scherenjochdächer( nachA/ 3) 24.
Bei einiger Umsicht und Genauigkeit besteht zu derlei Unsicherheiten im Wort-gebrauch jedoch gar kein Grund. Und man wird Adalbert Klaar hier nur zustimmen, derdiese Dächer seit jeher und stets mit Nachdruck als„ Scherbalkendächer" und als eineeigenständige Dachbauweise von sehr alter Provenienz herausgestellt hat 25, sie aberstets ebenso deutlich von den von ihm als„, Sperrhaxendächer" bezeichneten Scherenjoch-dächern( A/ 3) unterschied 26. Schon ein flüchtiger Vergleich etwa mit dem durchwegsanalogen Gefüge der altertümlichen Dachbauweisen litauischer Holzbauten erhärtet diesnachdrücklich 27. Da es sich hierbei zugleich um eine der rationellsten, holzsparenden,volkstümlichen Dachbauarten handelt, deren baustatisches Hauptmerkmal in dem aufden Dachgrund aufgescherten und fast immer über diesen vorschießenden Gespärre vonmiteinander verbundenen Schräghölzern besteht, wodurch es sich grundlegend vomeigentlichen oder„ echten Sparrendach" unterscheidet, habe ich dafür immer schon dieBezeichnung ,, Schersparrendach" verwendet und auch vertreten. Die neuere Hausfor-schung scheint darin denn auch gefolgt zu sein 28.
Allerdings wird man auch bei den Scherendächern verschiedene Ausbauformen aus-einanderhalten müssen. Vor allem sind die einfachen Schersparrendächer( nach C/ 1) ohneoder mit Scherenbinder von den erweiterten und für größere Spannweiten oder Dach-lasten erforderlichen„ ,, Bindergespärren" dieser Art( nach C/ 2) zu unterscheiden. Gleich-zeitig aber sollte auch deren Unterschied zum„ Pfettenstuhldach" bzw. zur„ Kranz-zimmerung"( nach B/ IV) stets genau beachtet werden( siehe Abb. 7). In dieser Hinsichtverhalten sich die Scherendächer( nach C/ 2) allerdings gleich wie die echten Sparren-dächer( nach D/ 2) 29.
Sowohl bei den Scherendächern wie bei den Sparren dächern sind solcheStühle stets in die Verbindung von Sparren und Bindebalken, den sogenannten„, Üechsn",eingezogene Rähmhölzer, d. h. einfache Längsrähme auf„ Stuhlsäulen", die ent-weder nur unter eine oder unter beide Dachhälften, seltener unter deren Firstmitte ge-
24 Rhamm, Karl: Ethnogr. Beitr. II/ 1, S. 308, 543 f. und 880 ff.
25 Klaar, Adalbert: Die Siedlungsformen von Salzburg( wie Anm. 6), S. 61.
26 Siehe Klaar, Adalbert: Bäuerliche Dachstuhlformen( wie Anm. 8), S. 34 ff.; der-selbe Aufgaben und Ziele( wie Anm. 2), S. 42 f.
27 Vgl. Anm. 23 oben.
28 So wurde die Bezeichnung„ Schersparrendach" in einer Kommissionssitzung des„ Volks-kundeatlasses in Österreich", an der zum Zwecke der Abklärung hauskundlicher Fragen zahl-reiche maßgebende Hausforscher aus ganz Österreich teilnahmen, im Oktober 1971 in Salzburgüber meinen Vorschlag allgemein und einhellig gebilligt. Vgl. ferner Moser, Oskar: DasBauernhaus( wie Anm. 11), S. 52-55; Gebhard, Torsten: Alpenländische Dachformen( wieAnm. 10), S. 144; derselbe: Der Bauernhof in Bayern. München( 1975), S. 161 s. v.„, Scher-sparrendach".
29 Dagegen sei in diesem Zusammenhang noch einmal klargestellt, daß in der bisherigenHausbauforschung nach dem Vorgange Karl Rhamms vor allem auch Scherenjochdächer( nachA/ 2 bis 3 unserer Einteilung) vielfach als„ Scherendächer" bezeichnet wurden, die als Joch-balkendächer in Wirklichkeit einem völlig anderen Gerüsttypus, eben dem von A/ 2 bis 3, zuzu-weisen sind. Wie schon Sigurd Erixon seinerzeit am schwedischen Material gezeigt hat, gehörendiese zur Familie der„, Balkendächer"( schwed. åstak), während die ,, Scherendächer" in unseremSinne( nach C/ 1 bis 2) zu den ursprünglich balkenlosen Dachgerüsten( schwed. åslösa takunder-bärninger) gehören ebenso wie die eigentlichen Sparrendächer, bei denen erst sekundär undinfolge besonderer Umstände wie größerer Spannweiten und Dachlasten sogenannte„ Dachstühle"in Form verschiedener Rähmstuhlzimmerungen eingezogen wurden. Vgl. Erixon, Sigurd:Svensk byggnadsteknik i jämförande belysning. In: Nordisk Kultur XIV, Stockholm 1953,S. 54-62, hier besonders S. 58 f. und 61.
18