denen sowohl Hochsäulen wie auch verkürzte Säulenstücke kombiniert vorkommen,soferne sie nicht mit mehrfachen Balkenlagen zu selbständig in sich abgezimmerten,sprengwerkartigen Traggerüsten verbunden sind, sondern ein Ständergebinde mit ein-fachem Gebälk und mit Streben bilden( siehe Abb. 4 und 5).
Von diesen Ständerpfettendächern( nach B/ III/ 1-3) sind nun jene Dachgefüge zuunterscheiden, die ein in sich selbständig abgezimmertes, sprengwerkartiges Dachgerüstaufweisen, den sogenannten„ Stuhl" oder„ Bock" oder das„ Zimmer", das, durch einge-bundene Querbalken( mitunter auch durch zusätzliche Längseinzüge) in sich versteiftund durch mehrfaches Untergebälk verstärkt, auf„ Stuhlsäulen" steht und auf dem indurchwegs beliebigen Abständen die binderlosen Schräghölzer des Daches reiten( B/ IV)( siehe Abb. 6). Wir sprechen in solchen Fällen von einer„ Kranzzimmerung". Sie dientals Traggerüst für die Dachflächen und macht in der Regel sogar eine Firstpfette ent-behrlich. Das sind Gefügemerkmale, durch die sich solche Pfettenstuhldächer( nach B/ IV)eindeutig von den reinen Ständerpfettendächern( nach B/ III/ 1-3) unterscheiden( vgl.Abb. 4 und 6).
"
Ein besonders wichtiges Kennzeichen dieser„, Kranzzimmerung" ist, wiegesagt, die Verwendung mehrfacher Kranzhölzer im Dachstuhlgebälk. Diese ergeben sichfolgerichtig durch die Notwendigkeit, in der Kopfzone des Stuhles Spannbalken oder,, Stuhlriegel" einzubinden, um auf diese Weise den Seitenschub der binderlosen Rofen-hölzer abzufangen. Mit den Stuhlriegeln zusammen liegen die Stuhlbalken als„ Kranz-hölzer" nach bairischer Zimmerungsart auf den meist sorgfältig eingebundenen„, Stuhl-säulen". Bisher hat man diese Gefügeart in der Dachstuhlzimmerung offenbar wenigbeachtet. Ich möchte sie als„, Kranzzimmerung" herausheben und zugleich grundsätzlichvon der anschließend zu erörternden„ Rähmzimmerung" unterscheiden. Wir hoffen,zeigen zu können, daß dabei jedoch der Grundcharakter des alten Pfettenrofendachesgewahrt erscheint, wenn auch bereits gewisse Ansätze im Übergang zu den stehendenGespärren( nach C oder D) unverkennbar sind. Daher wurde mit Absicht die Bezeich-nung, Pfettenstuhldach" dafür gewählt. Die Zugehörigkeit zu dieser Dach-gerüsttype der Pfettendächer( nach B/ I- IV) ergibt sich allein schon aus dem Arbeits-ablauf beim Aufziehen des Daches: Dabei wird zuerst der„ Stuhl" aufgestellt und erstdann können die„ Rofen" für die Dachflächen„ aufgezogen" werden. Bei der Rähm-zimmerung hingegen müssen zuerst die Gespärre abgebunden und ,, aufgezogen" werden,erst dann können die Stuhlrähme abgebunden und unter die Gespärre hochgekippt wer-den. Nichts verdeutlicht besser die Verschiedenheit im Gefüge und im statischen Prinzipdieser beiden Zimmerungsarten, wozu im übrigen bei den folgenden beiden Dachbau-weisen C und D noch einzelnes gesagt werden soll.
Als eigene Dachbauart und ganz für sich sind zweifellos die Scheren dächer( nach C) zu betrachten, die als altständige Dachgerüste nicht nur in den Ostalpen-ländern, sondern beispielsweise auch im Karpatenraum 22 sowie in Litauen 28 nachzu-weisen sind. Leider wurde die Bezeichnung ,, Scherendach" bisher in der Hausforschungähnlich ungenau und inkonsequent verwendet wie die Bezeichnung„ Sparren" oder,, Sparrendach"; ja vielfach behalf man sich sogar bei dieser wichtigen Altschichte derScherengespärre mit Zuweisungen entweder als Sekundärausbildungen oder als soge-nannte Misch- und Übergangsformen im Dachbau zwischen den Gerüstsystemen B und D.Karl Rhamm, dessen treffende und von einem untrüglichen Blick für die baustatischen
22 Siehe z. B. den Aufriß eines Hausquerschnittes bei Pascu, Viorica: Organizareainteriorului popular Nasaudean( L'organisation des intérieurs populaires dans la zone de Nasaud).In: Anuarul Muzeului etnografic al Transilvaniei 1968/1970, Cluj 1971, p. 119, Fig. 8.
23 Siehe Gimbutas, Jurgis: Das Dach des litauischen Bauernhauses( wie Anm. 1),S. 29-43. Gimbutas bezeichnet dieses Gefüge allerdings durchgehend als„ Sparrendach", zu demer besonders aus Klein- und Westlitauen zwei Varianten nachweist.
2 Moser
17