alpinen Steildachformen, seien diese nun ursprünglich Jochbalkendächer( siehe unten)oder stehende, pfettenlose Gespärre. Diese Zwischenstellung des Pfettenstuhldaches oder,, Bockdachstuhles" tritt im Verbreitungsbild der wichtigsten Altformen von Dach-gerüsten im ländlichen Hausbau Kärntens ganz deutlich zutage, wo wir die punktuelleVerbreitung solcher Gerüsttypen erstmals in eine Übersichtskarte zusammenzufassen ver-suchten 11. Für die nördlich anschließenden Nachbarräume ist vermutlich ein ähnlichesErgebnis und Verbreitungsbild zu erwarten. Unter den alten Dachbauweisen haben wiralso auch in diesem Fall mit einem beträchtlichen Verbreitungsbereich zu rechnen, dersich offenbar bestimmten Formen des Breitgiebelhauses im Übergangsbereich von denrein alpinen zu den( süd-) östlich anschließenden, voralpinen Schmalhaustypen zuordnenläßt. D. h. es ergibt sich damit ein in Form und Gefüge eigenständiger Dachbautypus,der also in feinen Übergängen und Angleichungen etwa zwischen dem Pongauer Flach-dach und den Steildachformen der Nordoststeiermark vermittelt und dabei über dasSalzkammergut bis ins Alpenvorland und in das Becken von Windisch- Garsten ausgreift.Ebenso stellt er die Verbindung zwischen der Radstätter Gegend und dem Mitter- Ennstal,zwischen dem inneren Pongau und dem steirischen Murtal über den Lungau und inKärnten zwischen dem oberen Mölltal, dem Drau- und Lesachtal und den Steildach-bauten der Ringhöfe Innerkärntens her. Mit dem Versuch einer Abklärung dieser Dach-bauweise nach Gefüge und Verbreitung sind also offenkundig auch hausbaugeographischeFragen zu lösen; und es scheint wenig überzeugend, sie als Sekundärerscheinung oderSpätform aus diesen Zusammenhängen, wie es bisher üblich war, auszuklammern, wurdesie doch nachgerade formbestimmend für eine Reihe von Hauslandschaften, wie bei-spielsweise das steirische Ennstal und oberste Murtal, für den salzburgischen Lungau,das Katsch-, Lieser- und Maltatal und für den ganzen Lurngau Oberkärntens.
In all diesen relativ abgeschlossenen Räumen liegen wir im Vorfeld alpiner Haus-landschaften im eigentlichsten Sinne. Seine westliche Begrenzung deckt sich im wesent-lichen mit der Trennungslinie zwischen Flach- und Steildächern in den Ostalpen, diebereits Adalbert Klaar,„ vom Salzkammergut und Dachsteingebiet an gerechnet", überden Mandlingpaß, den Kamm der Niederen und Hohen Tauern bis zum mittleren Möll-tal, die Gegend von Greifenburg und das oberste Gailtal gezogen hat 12. Schon infolgedes Fehlens einschlägiger Erhebungen ist dagegen eine entsprechende Ostbegrenzungdieses inneralpinen Übergangsbereiches viel weniger deutlich gegeben. Als Kriterium wäredafür, wie das Beispiel von Kärnten zeigt 13, gerade das Vorkommen alter Pfettenstuhl-dächer maßgebend, wie dies erst neuerdings Adalbert Klaar unter besonderer Hervor-hebung der außerordentlichen Bedeutung von sogenannten„, Mischzonen" in den Haus-landschaften des Voralpengebietes zwischen Traun und Traisen dargetan hat. Auch fürden westlichen Bereich dieser Zone verweist nämlich Klaar auf„ eine Mischform desPfetten- Sparrendaches", bei der die„, sparrenartigen Schräghölzer der Steildachform amFirst miteinander verplattet werden, ihr Fußende jedoch auf einer Pfette aufsitzt. ZurUnterstützung der Dachbalken wird eine Ständerkonstruktion angewendet, die man hier
11 Moser, Oskar: Das Bauernhaus und seine landschaftliche und historische Entwicklungin Kärnten(= Kärntner Museumsschriften 56), Klagenfurt 1974, S. 59.
12 Klaar, Adalbert: Bäuerliche Dachstuhlformen( wie Anm. 8), S. 38. Diese Ostgrenzeder inneralpinen Flachdächer findet sich bereits in Anton Dachlers Hausformenkarte für dieösterr.- ungar. Monarchie vermerkt, und zwar zwischen den Räumen XVII, XVIII, XVI a einer-seits und dem innösterreichischen Raum XIX andererseits; s. Das Bauernhaus in Österreich-Ungarn, hrsg. v. Österr. Ingenieur- u. Architektenverein( Atlasband), Dresden 1901-1906,Kartenbeilage; dazu Dachler, Anton: Karte der österreichischen Bauernhausformen(= Zs. f.österr. Volkskunde 15[ 1909], Suppl.- Heft 6).- Näheres zu dieser Grenzlinie vgl. noch beiMoser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), S. 52.
13 Siehe Moser, Oskar: Das Bauernhaus( wie Anm. 11), Übersichtskarte S. 59.
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