sion um die wichtigsten Grundsysteme im Dachbau Mitteleuropas( PfettendachSparrendach) erscheint damit in mancher Hinsicht vor neue Durchblicke und auch vorneue Probleme gestellt.
Eines dieser Probleme liegt im Bereich der bisher allzu vage als Misch- und Über-gangsformen erklärten Dächer mit in sich selbständig abgezimmertem„ Stuhl" auf ein-gebundenen ,, Stuhlsäulen". Ihre gefügemäßige Sonderstellung unter den Dachgerüsten hatzuerst Adalbert Klaar erkannt, der sie zunächst eindeutig gegenüber den verschiede-nen Arten des Pfettenrofendaches und des reinen Sparrendaches absetzte, und zwar alsvon ihm so genannte ,, Scherbalken dächer" und als„, eine in sich geschlossene,selbständige Dachbauart in den Ostalpen" 6. Später schied Klaar jedoch von diesen daswie er sagt,, häufig angewendete" sogenannte„, Sparrenpfettendach"aus, das als eine Neuerung des 19. Jahrhunderts„ viel jünger sei als das Pfetten- undScherbalkendach" 7. Von ihm gibt Klaar erstmals nachfolgende kurze Beschreibung:
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,, Größere Hausbauten verlangen weitere Spannweiten und hier müssen die Scherbalken( dassind die Dachschräghölzer, d. Ref.) durch besondere Gerüste unterstellt werden. Solche, Böckeoder Zimmer bestehen aus zwei bis drei Säulen in einem Gebinde, die auf der Blockwand desHauses aufsitzen. Sie tragen einen Balkenkranz, dessen parallele Hölzer die Scherbalken unter-stützen und miteinander durch zangenartige Querbalken verbunden werden. Sicher ist dies schonals eine Entwicklungsform anzusehen, die vor allem im Lungau und in Obersteier zu schönenzimmermannstechnischen Lösungen geführt hat. Niemals wird jedoch dieses Gebinde mit denScherbalken gespärreartig verbunden sein 8."
Bereits Adalbert Klaar neigt somit ganz deutlich zu einer Differenzierung dieserDachgerüste mit eigenem Pfettenstuhl; dies einmal durch seine gesonderte, jedoch nichtnäher ausdefinierte Bezeichnung dieser Dächer als„ ,, Sparrenpfettendächer", zum anderenaber auch zeichnerisch in seiner Darstellung der„ Grundformen des bäuerlichen Dach-stuhles" in Österreich 9.
Es wird zu zeigen sein, daß es sich bei diesen Dächern mit einem eigenen Pfettengerüst,nach Adalbert Klaar im Salzburgischen„ Zimmer" oder„ Bock", in Oberkärnten ,, Stuhl"genannt, keineswegs um eine bloß sekundäre, späte Entwicklung im Dachbau handelt,sondern um das Ergebnis einer seit dem Spätmittelalter in Gang befindlichen Auseinan-dersetzung zwischen Ständerbauweisen und Blockbautechnik sowie zwischen dem lie-genden Pfettendach und dem stehenden Schersparrendach, zwischen vorhandwerklichemund handwerklich- professionellem Bauen. Dabei scheint es jeweils zu völlig eigenständi-gen Lösungen und Entmischungsvorgängen gekommen zu sein, und reine Grundtypen deseinen oder anderen Dachbausystems blieben jedenfalls bei weitem in der Minderzahl 10.Im Falle des Pfettenstuhldaches handelt es sich um einen überaus verbreiteten Typvon Dachgerüsten, der zudem innerhalb des Formengefälles der ostalpinen Hausland-schaften wie uns scheint- eine ganz entscheidende Rolle spielt, und zwar im Über-gang von den flachgeneigten, sogenannten alpinen Pfetten- Rofen- Dächern zu den vor-Klaar, Adalbert: Die Siedlungsformen von Salzburg(= Forsch. z. Dt. Landes- undVolkskunde XXXII/ 3), Stuttgart 1939, S. 61.
7 Klaar, Adalbert: Aufgaben und Ziele( wie Anm. 2), S. 43 f.
8 Klaar, Adalbert: Bäuerliche Dachstuhlformen in Österreich. In: Volk u. HeimatFestschr. f. Viktor von Geramb, Graz- Salzburg.- Wien( 1949), S. 36.
Siehe Klaar, Adalbert: Aufgaben u. Ziele( wie Anm. 2), S. 43 f.; derselbe:Bäuerliche Dachstuhlformen( wie Anm. 8), S. 35 f.- Von der„ Mischform des Pfetten- Sparren-daches" spricht Adalbert Klaar bereits 1936 in seinem Buch„ Die Siedlungs- und Hausformendes Wiener Waldes"( Forsch. z. Dt. Landes- u. Volkskunde XXXI/ 5), Stuttgart 1936, S. 50.
10 Auf die sich daraus ergebenden Fragen und Notwendigkeiten für die Dachgefügeforschungverweist neuerdings Gebhard, Torsten: Alpenländische Dachformen. In: Dona EthnologicaBeiträge zur vergleichenden Volkskunde: Leopold Kretzenbacher zum 60. Geburtstag(= Süd-osteuropäische Arbeiten 71), München 1973, S. 139-148.
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