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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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werden, tragen.207 Es folgt die Weihung der Wasser( Hagiasmos), das Matthäus- Evange-lium wird verlesen. Der Dialog Jesus- Jünger wird vom Hegumenos und den Priesternausgeführt. Die Fußwaschungsstelle wird gespielt. Der Evangelienvortragende wieder-holt den Satz bei jeder Waschung. Der Petrus- Dialog, in dem sich Petrus weigert, sichvon Christus die Füße waschen zu lassen, wird wortwörtlich durchgespielt. Es folgt dieÖlbergszene nach Markus: Der Hegumenos nimmt Petrus, Jakob und Johannes undgeht in eine Ecke des Platzes, wo die Ikone des dornengekrönten Christus aufgestellt ist.Dort spricht Christus sein letztes Gebet. Er dreht sich um, sieht die Jünger schlafen undspricht nochmals das Gebet( vielleicht auch ein drittes Mal). Dann werden die Gläubigenmit Weihwasser besprengt. Die Fenster des Platzes sind mit Zuschauern besetzt; eskommen auch viele Leute aus Kleinasien, um die Aufführung zu sehen.

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Eine genaue Texterstellung liefert Malandrakis. 208 Der Brauch soll seit An-fang des 17. Jahrhunderts im Kloster des hl. Johannes des Theologen geübt werden.209Eine mehr volkskundliche Autopsie 1957 bringt neue Details auf: 210

Auf einem der beiden Hauptplätze von Chora, der Hauptstadt von Patmos, demXanthos- Platz oder dem Platz des Patriarchen Theophilus II., wird am Karmittwochvxτpa, wie es im Volksmund heißt, ein viereckiges Podium aufgestellt. Ab Grün-donnerstag morgen beginnt man das Podium mit Teppichen, Palmzweigen und Myrtenzu schmücken. Am Aufgang desselben wird ein Bogen von duftenden Frühlingsblumenerrichtet. Auf ihm selbst stehen zwölf Stühle in zwei Gruppen, in der Mitte gegenüberdem Eingang ein Armstuhl. Im Zentrum befindet sich ein Tischchen mit einem silbernenWaschbecken. Um 11 Uhr treten die Mönche des Klosters unter Glockengeläute aus derKirche zur Großen Gottesmutter( Meyan Havaría), in Prozession zu je zwei heraus undschreiten langsam zu einem der Hauptplätze. Sie tragen alle eine purpurgoldene Stolaund das Kalymmachion. 211 Dahinter geht der Hegumenos in kirschrotem Mantel, mitdem Bischofsstab( лatspiroα) und einem kleinen goldgebundenen Evangelium. Nebenihm gehen zwei links zwei rechts vier Diakone. Ihnen voran schreitet ein ein-facher Mönch mit einem großen Kerzenleuchter( μavováλt) und einer Silberkanne mitWasser. Ganz hinten geht der Küster, zugleich bester Psalmensänger und psalmodiert.Er nimmt seinen Platz gegenüber dem Podium ein, wo er die Stellen aus den Vier Evan-gelien liest. Die vier Diakone leiten den Zug der Apostel auf das Podium. Nach einertiefen Verbeugung des jeweils nebeneinanderschreitenden Paares setzen sie sich. So wie inder Prozessionsordnung: Jakob des Alphäus( 1)- Andreas( 2), Thaddäus( 3)- Si-mon( 4), Bartholomäus( 5)- Matthäus( 6), Thomas( 7) Philippus( 8), Johannes( 9)Jakob( 10), Judas( 11)- Petrus( 12) die im Heilsgeschehen wichtigsten Personen amEnde gehen( vor dem Hegumenos), sitzen sie in der Sitzordnung 1-3-5-7-9-11- Jesus- 12-10-8-6-4-2 dem Herrn am nächsten. 212 Als letzter besteigt der Hegumenos das Podium,

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207 Darin ist eine Art symbolischer Bedeutung zu sehen: Judas und Petrus sind die einzigenApostel, die im Laufe der Szene in Opposition zu Christus stehen: der Judas- Verrat und dieWeigerung Petri.

208 1905: bes. 392 ff. Seine und Mavrudis'( 1957: 41 ff.) Stellenverweise auf dievier Evangelien differieren leicht, ebenso die von uns durchgeführte Textkontrolle. Dies isthäufig auf eine verschiedene Bezeichnung des Textendes durch eine Inklusiv- oder Exklusivzahlzurückzuführen.

209 Mavrudis, 1957: 41 ff.

210 Axelos, 1957: 14 ff.

211 Die schwarze Kopfbedeckung des orthodoxen Priesters.

212 Axelos, 1957: 14 ff. gibt noch eine andere mögliche Reihenfolge an, die der imEvangelium berichteten beim Gang nach Galiläa entspricht: Johann- Jakob voran und Judaszuletzt.- Judas wurde früher von einem Laien gespielt, der 50 grosia für seine Aufgabebekam. Heute wird er vermutlich aus kirchendogmatischem Bewußtsein- von einem Mönchgespielt. Die Einbruchsstellen für das Unheilig- Menschliche( Petrus und Judas als Kontra-

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