dem Epitrachelion 190 ab und setzt sich die Mitra, 191 die mit Diamanten und Edelsteinengeschmückt ist, auf. Auf der Spitze ist ein Kreuz aus Smaragden und Saphiren ange-bracht. Er legt eine blaue Schürze an, über die Schulter legt er sich ein großes blauesHandtuch, trocknet den Fuß, den er gewaschen hat, küßt den Priester, und dieser küẞtdie Mitra. Er beginnt bei Judas und endet bei Petrus. In diesem Augenblick verliest derDichter den Dialog nach dem Johannes- Evangelium:" Kópte, où μoб víπτеiç TousTбdas;" usw. Zuletzt wäscht der Patriarch auch die Füße der Diakone.
Dann stürmen alle Gläubigen zu der Schüssel mit dem Wasser, und jeder kämpftdarum, sein Tuch zu befeuchten. Ich fragte einen Griechen und er sagte mir, das Wassermüsse wertvoll und geweiht sein nach so vielen Gebeten.
Der Patriarch begibt sich auf seinen Sitz, während der Diakon das Evangeliumnochmals verliest. Jener legt sein Ornat ab, die Zwölf erheben sich, verneigen sich jezwei zusammen vor ihm und kehren in die Kirche zurück. Sodann beginnt die
Messe..." 192
Am Gründonnerstag 1750 sah Frederic Hasselquist 198 vor der Kirche HagiaPhotini in Jerusalem die Nipter- Szene: 194
Zwölf Priester kamen in ihrer Stola( aus der Kirche) heraus und stiegen auf einviereckiges Podium, 1 m über dem Erdboden. Sie setzten sich auf eine Bank, geteilt inzwei Gruppen. Dann stieg der Bischof mit der rosenfarbigen, über und über mit wert-vollen Edelsteinen geschmückten Mitra auf das Podium und setzte sich zwischen diezwölf Priester. In der Rememoratio stellte er Christus dar, und die Priester die Apostel.Da kein Kleriker die Rolle des Judas spielen will, zahlt man einem( einfachen) Pfarrerfünfzehn Piaster, und jener„ behält den Namen Judas sein Leben lang bei". Als derPriester, der das Evangelium verlas, zu der Stelle kam, die erzählt, daß Petrus es nichtzugelassen habe, daß Jesus ihm die Füße wäscht, ahmte jener, der den Petrus vorstellte,dessen Weigerung nach, und der Bischof wusch die Füße von nur elf Aposteln. Dannkehrt der Hierarch auf seinen Sitz zurück und die Menge der Gläubigen zog vor ihmvorbei und küßte die bischöfliche Mitra. Die Zeremonie fand im Lichte unzähligerKerzen und Wachsstöcke statt. Der Bischof hielt drei Wachsstöcke in seiner Hand undjeder Priester einen. ,, Die Psalmodien waren elend." 195
Ist bei den bisherigen Deskriptionen von der Aufführung im Kaiserpalast über diekonstantinopolitanische 1675 zur jerusalemitischen 1750 eine Tendenz zu steigendem
190 Stola.
191 Bischofsmütze.
192 Die Darstellung des Nipter soll auch im byzantinischen Kaiserpalast gespielt wordensein, und zwar im Gemach des Kaisers vor der Messe. Der Kaiser selbst, der Patriarch, ein Abtoder eine Äbtissin übernahmen die Rolle Christi, während Arme aus dem Volke die Rollen derJünger spielten. Der Kaiser setzt die Worte, die der evangeliensingende Priester vorbringt, in dieTat um und wäscht den Armen die Füße, küßt sie und gibt ihnen Geld. Der Priester wiederholtzwölfmal dieselbe Stelle des Evangeliums. Diese Szene wurde auch an anderen europäischenFürsten- und Königshöfen gespielt( Kakuri, 1946: 112). Hier kommt es also noch zu keinemDialog; die symbolische Handlung als solche herrscht vor.
193 Frederic Hasselquist, Voyages dans le Levant dans les années 1749, 50, 51 et52, Paris 1796.
194 Die paraphrasierte und gekürzte Zusammenfassung nach Simopulos, 1973: 266 f.195 Dieselbe Darstellung ist noch 1904 vor dem Abrahams- Kloster nachgewiesen( Ajota-fitis, 1904: 163 mit Photographie). Diese Darstellung weicht von der im folgenden zu ana-lysierenden Patmos- Tradition erheblich ab. Analyse der Differenzen bei Malandrakis,1905: 394( vor allem die Anordnung der einzelnen Evangelienpassagen ist eine andere). Da dieSpielstätte aus dem geographischen Rahmen der Studie fällt, sei auf die moderne Aufführungnicht näher eingegangen.
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