Der Vorzug der Hausfrau ist ihre Schönheit, die zu vergrößern ihr die ganze Naturdient. Der Kirchgang ist ihr großer Auftritt. Am Grade der Bewunderung und der Auf-merksamkeit, die man ihr und ihrer„ Toilette" zollt, kann sie ihre Angesehenheit ermes-sen. Das Lied der Hausfrau wird nach dem des Hausherrn gesungen und hat meist fol-gende stereotype Einleitung( Sta muli- Saranti, 1928: 435):
Viel sangen wir dem Herrn, laßt uns auch unsrer Herrin singen.
Sehr plastisch beschreibt folgende Variante die Ereignisse auf dem Kirchgang( Politis, 1914: 192, Nr. 159):
Hohe Frau, schlanke Frau, Frau bewundernswerte,/ meine Frau, als du zur Kirchegingst, war die Straße voll Rosenduft und die Kirche voll Moschus/ und vondem vielen Moschus bekamen die Wände Risse./ Priester, Diakone sehen dich an,vergessen ihre Litaneien,/ ihre Psalter vergessen Psalmensänger, Kantoren.
Nicht nur Goldschmuck ziert ihre Schönheit( Stamuli- Saranti, 1928:435), auch die Natur stellt ihre Gaben bereit: Sie hat die Sonne als Gesicht, den Mond ander Brust, die verzierte Viper um den Hals, den Flügel der Krähe als gewölbte Braue( Spandonidi, 1939: 86). In einer anderen Fassung steckt die Frau den Morgen-stern an ihren Ringfinger. Die vornehme Kleidung, der reichliche Gebrauch von Parfum,das haltlose Staunen der Menge, ja selbst der Priester, sind Kennzeichen von Adel undAngesehenheit. Die körperliche Schönheit, der hohe schlanke Wuchs, die gepflegte Er-scheinung weisen auf den sozialen Rang der Familie, in der es die Frau nicht nötig hat,körperliche Arbeit zu verrichten. Politis, 1914: 193, Nr. 160 bringt die märchen-hafte Schönheit der Hausfrau sogar mit dem Schöpfungsmythos in Zusammenhang.Dem Kleinkind singt man in Ostthrakien folgendes Lied( Petropulos, 1959:
25):
Ein Kleines winzig klein, pausbackig eingewickelt,/ als seine Mutter es gebar und esin Schmerzen trug/ bittet sie Maria und Gott rühmt sie:/„ Mein Gott, gib ihm einSchicksal und gib ihm ein Kismet/ daß er geht, sich freut, daß er mit Hartgeldklimpert."
Dem Schulkind singt man in Epirus folgendes Lied( Chasiotis, 1886: 196):Ein Kleines winzig klein, klein und verhätschelt,/ sie waschen es, sie kämmen esund schicken es zum Lehrer./ Der Lehrer erwartet es mit dem Papier in der Hand,/die Lehrerin erwartet es mit dem goldenen Griffel.
In einer anderen Variante( Politis, 1914: 193, Nr. 161) wartet der Lehrer miteiner goldenen Rute, die Lehrerin mit zwei Duftzweigen. Das Lied fährt ermahnendfort:
,, Mein Kind, wo sind deine Kenntnisse, mein Kind, wo sind deine Gedanken?/Meine Kenntnisse sind auf dem Papier und meine Gedanken quälen sich weiterweg, weiter weg bei den Mädchen den hübschen, weiter weg bei den Schwarz-äugigen, die Augen haben wie Oliven und Brauen wie eine Schnur."
Das frühzeitige Verlangen des Schulkindes nach dem anderen Geschlecht wirdoffenbar von der Umwelt erwartet, denn eine andere Variante( bei Petropulos,1959: 26) setzt noch hinzu: und Wimpern wie ein versiegelter Bogen. Eine andere Ver-sion überbietet diese nostalgische Deskription der Mädchen durch den Dreikäsehoch nochbei weitem( bei Petropulos, 1959: 25):
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bei den Schwarzäugigen, den Blonden, den Karaffenhalsigen,/ die Augen habenwie Oliven, eine Wange wie ein Apfel/ und selbst die Wimpern wie mit dem Stiftgezeichnet. In Weiß in Rot und Blumenfarben.