nach Altersklasse bzw. Stellung in der Familie: Hausherr, Hausfrau, Kleinkind, Schüler,heiratsfähiger Sohn und Tochter, verlobter Sohn und Tochter, Jungvermählte, alteFrauen und Männer, Frau mit vielen Kindern, sterile Frau usw. usw. geben einen wert-vollen Einblick in das Positionsgefüge der sozialen Rollenmöglichkeiten in der Dorf-gruppe: Ist der Brauch funktional noch intakt, so muß er theoretisch alle tatsächlich be-setzten Rollenkategorien widerspiegeln, ein Statusregister, das auch viele Erwartungs-haltungen beschreibt, die sich an eine soziale Rollenposition knüpfen. Bei Reliktformenund Brauchschrumpfung sind davon allerdings nur sinnlose stereotype Floskeln vorhan-den.- Auch die Reihenfolge der zu besuchenden Häuser ist nicht ohne Bedeutung: Manbeginnt häufig mit den Honoratioren, dem Pfarrer als offiziellen Vermittler zu denübernatürlichen Mächten, dem Dorfvorsteher als Vertreter der staatlichen Autorität imDorf und als Repräsentant des Dorfes im Staat, dem Lehrer als geistiger Autorität( überdie ev. den Brauch ausübenden Kinder); oder man beginnt bei den Verwandten, denenman zuerst Glück bringen will und wo man die meisten Gaben erwartet; oder man folgteinem mechanischen Prinzip( z. B. jeweils das rechte Haus als folgendes), oder überhauptkeinem.- Die Grundidee der Speziallieder ist es, tatsächlich jedem einzelnen Persön-liches und Erfreuliches zu sagen, und sie harmoniert mit dem Grundprinzip der Kalanda,jedes Haus zu besuchen und dort das jeweilige Festereignis anzukündigen( außer inHäusern, die Trauer haben). 20a In der Praxis wird also die Masse der Einzelindividuenin Sozial-, Alters- und Statuskategorien( ledig, verheiratet, verwitwet, geschieden) ge-gliedert und derart die Position jedes Individuums im sozialen Koordinatensystem fest-gelegt. Man wünscht dem jeweils Angesprochenen natürlich die Eigenschaften, Status-symbole usw., die man von ihm als jeweils bestimmten Funktionsträger in der Gemein-schaft erwartet.
Dem Hausherrn rühmt man Mannhaftigkeit, Herrschaftlichkeit, Reichtum, Gast-freundlichkeit und Verfügbarkeit über sein Haus nach. Man spricht damit seine Eigen-schaften als Mann( Angehöriger des Geschlechts mit Verhaltenskodex) und als Familien-oberhaupt( Positionsträger des Hauses" im Sozialgefüge des Dorfes) an. ,, Familie" und,, Haus" sind identische Begriffe, denn die Wohngemeinschaft fällt mit der Blutsgemein-schaft zusammen, und daß ein Familienmitglied nicht zu Hause"( also in der Fremde)ist, ist der Ausnahmefall und wird in einem eigenen Speziallied besungen. Das Lied aufden Hausherrn, in vielen Fällen das zuerst gesungene, kennt eine große Anzahl vonVarianten( Politis, 1914: 191, Nr. 155):
Herr, als du geboren wardst, säugten dich die Löwen,/ und gingst als Auserwählterunter die Recken./ Andere rauben mit Schwertern, andre mit Lanzen, und du,welch Wunder, raubst bloß mit dem Blick./ Und der Pfeil deines Auges hebt Bur-gen aus dem Fundament,/ Burgen und steingefaßte Quellen und marmorne Höfe.Weitere Beispiele: Passow, 1860: 223, CCCII; Spandonidi, 1939: 94. Zudem immer wieder auftauchenden Gesetz der Dreizahl siehe K. Romaios, 1963.-Ein bezeichnender Ausschnitt aus einer Akklamation sei noch angeführt, da er immerwiederkehrt( Spandonidi, 1939: 93, Vers 3-4):
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In diesem Haus, in das wir kamen, soll kein Stein rissig werden/ und der Herr desHauses soll viele Jahre leben.
Daß die Steine des Hauses Risse bekommen, deutet weniger auf seine Baufälligkeithin, als auf den„, reißenden" Schmerz, der seine Einwohner bei einem Todesfall ergreift,und der auch, in Analogie von Familie und Haus, dessen Fundament heimsucht.
20 Dort wird häufig auch ein Klagelied gesungen. Oft wendet man sich auch nur an diePerson des Hauses, die durch Statuswechsel( Geburt, Hochzeit) gerade im Vordergrund steht.
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