Druckschrift 
Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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der Errichtung des neuen Daches ist wahrscheinlich. Die Stube wird durch neunFenster erhellt, von denen sieben erst 1918 vergrößert wurden. Die ost- und südseiti-gen Fenster haben die Maße von 65 cm x 80 cm. Zwei kleine, hochgestellte Entlüf-tungsfenster, die hier nie die Funktion eines Rauchfensters hatten, blieben süd- undostseitig noch erhalten. An der Westseite wurde das mittlere Fenster auf70 cm x 60 cm vergrößert, während das an der südlichen Ecke gelegene45 cm x 45 cm groß ist, und das dritte die Maße 52 cm x 52 cm aufweist. Der süd-seitige Hausgiebel wird formal durch den in der Ebene des Dachgeschosses vorkra-genden Holzgang bestimmt. Sowohl der Gang als auch das ihn beschirmende Gie-belblatt sind durch senkrechte Bretter verschalt, die im Bereich des Gangls mit ei-nem Zierschnitt gestaltet sind. Im Giebelblatt ist eine Belüftungsluke eingeschnitten.Die in der Ebene der Stubenzimmerung aufgehende Giebelwand ist gleichfalls mitsenkrechten Brettern verschalt und wird durch die auf den Gang führende Türdurchbrochen. Der in guter, ortsüblicher Form gestaltete Giebel bestimmt heute we-sentlich das Aussehen des Hauses. Nordseitig wurde an die Labn nach 1880 ein klei-ner Hausstall in Ständerbauweise angebaut, um den Hausbewohnern die Haltungvon einigen Ziegen und Schweinen, mitunter auch einer Kuh zu ermöglichen, wiedies bei Ausnahme- oder Söllnerhäusern vielfach üblich war. Dieser auch im Dachabgesetzte Teil des Hauses wurde nicht wieder aufgebaut, wohl aber hinsichtlich derGesamtlänge des Baukörpers berücksichtigt. Von der Labn führte eine Holztreppeauf den Dachboden, der stets nur als Abstellraum benutzt wurde. Die alte Haarstu-be war seinerzeit in der ortsüblichen Weise mit Stroh gedeckt.92) Von dem altenDach ist allerdings nichts erhalten geblieben. Es war ein steiles, abgeschopftesSchersparrendach, wie es uns auch aus alten Bildern des Schiester- Hofes überliefertwurde. Dem Strohdach folgte eine Schindeldeckung. Das seinerzeitige Dach wurdeerst im Jahre 1941 beim Wechsel von der Schindel- zur Ziegeldeckung gänzlich er-neuert. Es ist zwar ein steiles Schersparrendach mit Scherenbindern, die Scherspar-ren sind aber an ihrem oberen Ende nicht überkämmt oder überblattet, sondern wie,, echte Sparren" mit Scherzapfen bündig verschlitzt, so daß sich auch keine Scherenergeben. An ihrem unteren Ende sind sie indessen auf die Mauerbank,, aufgeferselt" und mit einem Nagel gesichert. Der Überstand der rund 5 m langenDachhölzer beträgt 89 cm, wodurch sich ohne Aufschieblinge ein Vordach von rd.70 cm ergibt. Die auf Zug belasteten Scherenbinder sind mit Versatz auf die Scher-sparren aufgeblattet und unterscheiden sich dadurch wesentlich von den auf Druckbeanspruchten und daher stets eingezapften Kehlbalken. 93) Das exakt 45 Grad steileDach, das uns bei jüngeren Bauten immer häufiger begegnet, ist ein Ergebnis derPraxis unserer Zimmerer, die für die Sparrenverbindung einfach den ,, Winkel" an-wendeten, wodurch sich bei Zweiteilung von 90 Grad zwangsläufig die Dachneigungvon 45 Grad ergab. Zuletzt war das Dach unserer ehemaligen Haarstube mit Falzzie-geln gedeckt.

Wurde von mir die Stube unserer alten Schule in ihrer letzten Funktion alsWohnstube vorgefunden, so gilt es noch ihre seinerzeitige Verwendung als Schulstu-be und als Haarstube aufzuzeigen. Vom Zustand der Haarstube ist uns kaum etwasüberliefert, weshalb wir auf Parallelen in der entsprechenden Hauslandschaft zu-rückgreifen müssen. Die Schulchronik berichtet nur wenig über den Zustand der alsSchulzimmer benutzten Haarstube. Die Maßẞangaben entsprechen im wesentlichenjenen des Aufmaßplanes. Von besonderer Bedeutung indessen ist der Hinweis aufeinen ,, rübenförmigen, großen Kachelofen" 94) mit den Maßen 1,4 m Länge, 1,2 m

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