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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Von der Hausbank aus kann man das Geschehen rund um den Hof beobach-ten. Das gilt für alt und jung. Hier sitzen die alten Leute, die nicht mehr außerhalbarbeiten mitgehen und verrichten leichte Beschäftigungen, sehen nach den Kindernund betreuen allenfalls die Kleinkinder. Auf diese Weise sind auch die Haustiere un-ter Kontrolle. Und so ,, trabi"(= eilig) ist es nicht einmal bei der Heuernte, daß dieNachbarin, die vorbeikommt, nicht ein wenig ,, niedersitzt und ratscht". 58) Die Al-ten ziehen sich am frühen Abend, etwa um 18 Uhr dreißig ins Haus zurück, und daßsie dann ,, einikratzen", das hat es nicht geben. 59) Die Hühner suchen unter derHausbank Schutz vor dem Regen. Nimmt auch der Hahn dorthin Zuflucht, soll derRegen anhaltend sein.

Eine Hallstätterin 60), befragt, meint, die Hausbank sei den Leuten weit lieberund wichtiger als das Fernsehen. Denn von der Bank aus beobachtet man die Ereig-nisse seiner nächsten Umgebung. Man verfolgt z. B., wer zum Schiff geht und werankommt.

Am Sonntag sitzt man auch gerne auf der Hausbank, da kann man mit allenüber alles Mögliche plauschen. Diese Unterhaltungen werden verschieden bezeich-net. Auf der Sommerbank im Salzkammergut und in der benachbarten Steiermarkwird ,, getrüfelt" oder man ,, sudert". Diese Tätigkeit nennt man im Mühlviertel,, auf der Sunnbenk pledern", während man im Inn- und Hausruckviertel ,, auf derGredbank roaselt".

Groß aufgewartet wird den Zukehrenden nicht. Ein Schnaps, meist ein selbst-gebrannter ,, Obstler", oder der Krug Most sind im Vorhaus kühl gestellt. Es wirderzählt, daß es vor allem auch den jungen Leuten nicht um's Essen gegangen ist.Man war mit Obst und Most zufrieden. Ein Laib Brot war immer griffbereit. DieEinladung dazu lautet um Altmünster: ,, Kimm zuwa, sitz di nieda und schneid da aBrot o!"

Die Bank selbst hat auch ihre Arbeitsfunktion. Auf ihr wird seit alter Zeit dasMilchgeschirr in der frischen Luft offen gegen die Sonne gestellt. Sowohl das Holz-geschirr, als später auch das Blechgeschirr, werden mit Lauge aus Asche und heißemWasser gereinigt und ,, gsinacht". Im Sommer werden auch leichte Arbeiten wieAuslesen von Feldfrüchten oder Rübenschälen vor dem Haus als Gemeinschafts-arbeit von Burschen und Mädchen verrichtet. 61) Dabei ging es oft sehr lustig zu, daman miteinander wetteiferte.

Im Salzkammergut und in der Steiermark wird die Hausbank zur ,, Hoam-gartenben k". Mit diesem Namen verbindet sich die gesellige Sitte ,,, In,, Hoamgarten gehen". Heimgarten ist ein zum Teil veralteter Ausdruck, zusam-mengesetzt aus Heim und Garten. Das Wort Hoam- Heim ist ein gemeingermani-sches Wort für Haus, Wohnort, Heimat. 62) Garten bedeutet im althochdeutschenwie im hochdeutschen Sprachgebrauch dasselbe. Gemeint ist damit seit altersher ei-ne trauliche Zusammenkunft mit Nachbarn oder Freunden außerhalb des eigenenHauses in oder außer einem Hause, also eine Gesellschaft, eine Besuch. 63) Solcheabendliche Zusammenkünfte finden sich im bajuwarischen Raum schon im13. Jahrhundert. 64) Bezeichnend heißt es 1654 über solche Zusammenkünfte: ,, indem haimgarten siezent die frawen und reden vil den leuten nach." 65)

Mit dieser gesellschaftlichen Zusammenkunft läßt sich die Bedeutung von,, Hoagascht", wohl einer verkürzten Dialektform, verbinden. Das Wort bedeutetso viel wie ein unterhaltsames Gespräch. Dieses findet zwischen Burschen und Mäd-

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