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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Professor Max Kislinger, der viele Bauernhöfe im gesamten Gebiet Oberöster-reichs aufnahm, zeichnete und photographierte 40), stellte fest, daß mehr und mehrdie Stubenbänke ,, auf der Gred landen". Die ,, Gred" gilt als eine Art Vorplatz, so-zusagen die Vergrößerung des Wohnraumes, aber auch ausgenützt als Wirtschafts-raum zum Aufstapeln der Herbstfrüchte.) In der Regel ist sie ein Gang vomWohn- zum Wirtschaftsteil, der etwa 1 Meter breit ist und vielfach mit Platten aus-gelegt und vom Dachüberstand geschützt wird. 42) Auf der Gred stellt man die be-weglichen Bänke ,, der Sonne entgegen", was ihnen auch die Bezeichnung,, Sunnbenk" im Mühlviertel eingebracht hat. 43) Im Inn- und Hausruckviertelhat sich für sie der Name ,, G red bank" gebildet. 44) Wird aus der Gred oderTretten eine Längs- oder Seitenlaube, wie etwa in Niederösterreich, finden wir inden Innenhöfen mit ihren Arkadengängen und Tretten auch einfache Bänke. 45)Beim Zwerchhof entsteht in der überdeckten Einfahrt ein geschützter Sitz- undArbeitsplatz. Bei den Haken- und Dreiseithöfen wandern diese Sitzgelegenheitenwieder an die Straße. Das sind die kleinen Sitzbänke aus Holz und Stein. 46)

Soll den Sitzgelegenheiten, allenfalls auch mit dazugehörigen leicht gebauten,oft zusammenklappbaren Tischen als Ergänzung dazu, ein größerer Schutz gewährtwerden, errichtet man Für dächer. Früher sollen die alten Sennhütten alleFürdächer gehabt haben. Hier konnte man verweilen und schmutzige Arbeiten imFreien verrichten, Milchgeschirr zum Trocknen aufstellen und auch Futtertröge hin-stellen.47)

Aus diesen Fürdächern entwickelten sich Vorbauten ,,, Lauben". 48) Dort, wodie Bauernhäuser gemauerte oder aus Stein gefügte Unterbauten haben, führen zuden hoch gelegenen Haustüren Steinstiegen. Vor dem Eingang entsteht dort ein,, Vorplatz", der mit einer oder mehreren Bänken ausgestattet wird. 49)

Um die Hausbänke mit ihren oft einfach beigestellten Schragentischen ent-wickeln sich über Fürdach und geschütztem Vorplatz Lauben, Vorlauben, Vorbau-ten und Veranden. 50) Erst über die Vorlaube gelangt man in das Hausinnere. 51).

Das Material dieser Hausbänke ist Stein, weit häufiger Holz, wie es derheimische Wald liefert. Für das Sitzbrett wird Weichholz, weil es ,, warm" ist, gerneverwendet. 52) In den meisten Gebieten wird das Holz der Fichte und Lärche bevor-zugt. 53) Im Hausruckgebiet finden sich auch Eichenbänke, und auch Birkenholzwird verarbeitet. Dazu nur einige Beispiele: In Windlegen- Hessenberg fanden wireine Birkenbank mit einem Sitzbrett aus Fichtenholz. Eine Bank aus Birkenstäm-men läßt sich in Schießdorf, Gemeinde Münzbach, nachweisen. 54) Birkenholz wirdfür die sogenannte ,, Hoartelbenk", vor allem für das ,, Loahnbrett" genommen. 55)

Soweit die Bänke einfach in ihrem Bau sind, werden sie von den Männern desHofes selbst gezimmert. Kommt aber einmal ein Zimmermann auf die Stör, gibtman ihm gerne den Auftrag. Heutzutage tischlern auch die Schreiner und Tischlerdie Stubenbänke. Haben aber die jungen Leute am Abend die ,, Benk z'sammgses-sen", dann wird sie möglichst unbemerkt, oft gemeinsam, wieder hergestellt.

Die Möbel vor dem Haus, auf der Tretten, in der Laube oder Vorhaus gehörender allgemeinen Gruppe des Weilens und Rastens an. Die Einladung, hier Platz zunehmen, ist eine allgemein gastfreundliche Geste. Nur der ernstzunehmende ,, Gast"wird in die Stube geführt. 56) Die ,, Einleger", das sind Bettler und Hausierer, dürfenhier ausrasten und bekommen auf der Bank vor dem Haus oder im Vorhaus etwaszu essen. Die Stube betreten sie nicht. Ihre Schlafstelle ist der Roẞstall. 57)

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