Standort der Mostpresse. Über Küche und Stube befand sich ehedem eine ausgebau-te Dachkammer für die Dienstboten.
Im Bereich des Wohnhauses hat sich noch der ursprüngliche ,, Scha( r) haxen-stuhl" erhalten, der sich, aufgeständert, über dem Stadel fortsetzte. Das Dach warbis 1962 mit Stroh gedeckt und abgeschopft. Der Altbaubestand gehört der Erneue-rungsphase des ausgehenden 17. Jahrhunderts an und ist mit 1690 am Rüstbaum derStube datiert.
Der Gehöfttypus des 17. Jahrhunderts
Aus dem bis heute zusammengetragenen und gesichteten Material ergibt sichfolgende Charakteristik für die Neustifter Höfe des 17. Jahrhunderts:
Bau- und Raumstruktur
Die Hofanlage erfolgt bevorzugt im Steilgelände, so daß bei einer durchschnitt-lichen Haustiefe von 8 bis 10 m der Höhenunterschied ein Geschoß ausmacht unddie zusätzliche Anordnung einer Hocheinfahrt möglich wird. Die West- Ost- Aus-richtung, mit dem Wohnhaus leeseitig im Osten, erklärt sich durch die Hauptwetter-richtung aus West bzw. Nordwest.
Das Untergeschoß wird aus Bruchstein gemauert und nimmt unterhalb derSchwarzen Küche einen Kellerraum auf, unterhalb des Vorhauses und der anschlie-Benden Kammer den Schweine- und Rinderstall, der sich fallweise bis unter den Sta-del erstrecken kann. An der Außenseite wird zwischen Keller und Stall der Stiegen-aufgang zur Labm angebracht. Das Obergeschoß zeigt den dreiteiligen Wohnspei-chergrundriß, wobei jedoch dem Komplex bestehend aus Schwarzer Küche, Stube,Vorhaus und Labm eine gewisse Eigenständigkeit innerhalb der Gesamtstruktur zu-kommt. Zumindest dieser Baukörper ist auch in Blockbauweise errichtet. Die An-ordnung der Schwarzen Küche und der Labm erfolgt immer talseitig. Der ehemali-ge, an den primären Wohnteil anschließende Speicherraum wurde in der Regel ver-doppelt und zumindest der talseitige, über dem Stall gelegene Raum wird bereits im17. Jahrhundert vornehmlich als Schlafkammer gedient haben.
Der Stadel wird dreiteilig( Barn- Tenne- Barn) als Ständerkonstruktion er-richtet. Über Wohnhaus und Stadel ist ein durchgehender, abgeschopfter Sattel-dachstuhl aufgesetzt, der die volkstümliche Bezeichnung ,, Scha( r) haxnstuhl" trägtund in der neueren hauskundlichen Literatur als ,, Scherenjochdach" bezeichnetwird.17)
Wo die Geländebeschaffenheit es irgendwie zuläßt, wird eine Hocheinfahrt inHöhe der Bundträme angelegt, um das Einbringen der Rauhfuttervorräte zu erleich-tern. Alle Dachflächen sind mit Stroh gedeckt( Schaubendeckung).
Das Vorhaus ist durchgängig und erfährt talseitig durch die ,, Labm" mit Au-Benstiege eine Fortsetzung. Ebenfalls in der talseitigen Hälfte befindet sich der mit-tels Falltüre verschließbare Abgang in den Stall. Der durch einen ,, Stiegenkobel"abgeschlossene Aufgang zum Dachraum hingegen ist von der hangseitigen Haustüreaus begehbar. Weiters ist das Vorhaus Standort der Mostpresse.18)
Funktions- und Sozialstruktur
Der geschlossene, bereits in der Baustruktur sichtbare Einhauscharakter wirdauch in der Funktionsebene offenbar. Die klare Trennung von Wohnen, Wirtschaf-
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