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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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fällt, genau so ungeschickt stolpernd, ein ,, Wurstl"( ,, Kasperl") in die Stube herein,dem man zunächst seinen aus einem kleinen Stäbchen hergestellten Phallus gar nichtanmerkt, reibt sich mit Gebärden, die heftig Schmerzen andeuten, Arme und Beineund beginnt schließlich, ungeschickt auf dem Boden umherkrabbelnd, dem,, Zwickeltrager" beim Einsammeln seiner Hölzchen zu helfen. Aber schon folgt denbeiden ein schneidig auftretender Zimmermann, der ,, Stangltrager", der in seinerButte und in seinen Händen eine Menge Holzstäbe trägt und auf den Boden wirft.Inzwischen sind die eigentlichen ,, Anschaffer", nämlich ,, Meister" und ,, Meiste-rin" erschienen, die sogleich beginnen, die Ofenstangen auf ihre Belastungsfähig-keit zu untersuchen. Natürlich hapert es hin und hin, sodaß sie unterstützt werdenmüssen. Mit hölzelnder Stimme erteilen die sich auch nicht immer einigen Anschaf-fer dem ,, Stangltrager" den Befehl, aus seinem Vorrat von Stützstäben geeigneteHölzer auszusuchen, die dann auch sofort angepaẞt werden. Aber siehe da: Die an-geblich passenden ,, Stangln" sind zu lang. Da muß der inzwischen eingetroffene,, Abschneider" her. Es wird sorgfältigst gemessen, oben und unten, bis das richtigeMaẞ endlich feststeht, und dann der Stab abgeschnitten. Aber jetzt ist dieser aufeinmal zu kurz, und der ,, Zwickeltrager" muß eingreifen, um passende Holzstück-chen zum Anstückeln und Unterlegen ausfindig zu machen. Aber kaum glaubt man,daß die mit geradezu rührendem Eifer aufgestellte Stützstange nun fertig ist, fällt sieum und das Werk muß von neuem beginnen, bis sich als Lösung eine neue, nochnicht gekürzte Stange anbietet. Leider hat's jetzt einen anderen Haken, weil auch siezu lang ist, ohne daß man dagegen etwas tun könnte. Denn die Säge, ein uraltes ver-rostetes Instrument, ist inzwischen unbrauchbar geworden und muß dem ,, Sagfei-ler" überantwortet werden, der sich, ebenfalls mit untauglichem Werkzeug, um-ständlich an die Arbeit macht. Inzwischen kamen aber ein ,, Bauer" und eine ,, Bäu-erin" in die Stube. An ,, sie" macht sich sofort der ,, Wurstl" heran und führt mitihr mit aufgestelltem Stäbchen eine Coitusszene durch, die bald zu einer recht dra-stisch gemimten Geburt eines Fetzenkindes führt. Aber da tänzelt auch schon der,, Rauchfangkehrer" mit einer einem Kinderbett entnommenen kleinen Leiter in dieStube, beginnt die Mädchen anzuschwärzen und den Ruß aus dem Ofen auszuräu-men, um ihn im Zimmer zu verstreuen. Für diese Tätigkeit will er außerdem nochbezahlt werden. Im Geldeinfordern ist er freilich nicht allein. Da versucht auch der,, Samenkramer" den Weiberleuten Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberleuten einen ,, Kindersam" anzudrehen, und ein,, Wahrsager"( oder eine ,, Wahrsagerin") den Hausleuten aus der Hand zu lesen.Eine in ein Getreidebündel eingehüllte ,, Habergeiẞ" kriecht auf allen Vieren aufdem Stubenboden umher und belästigt die Leute, bis ein ,, Gendarm" überall amunrechten Ort eingreift und Ordnung zu machen sucht. Endlich spielt ein ,, Spiel-mann" ein paar Takte lang mit seiner Zieh- oder Mundharmonika zu einem kurzenTanz der Masken mit den Hausleuten auf, die dann dem ,, Bettelmandl" und ,, Bet-telweibl" die vorbereiteten Gaben( Brot, Krapfen, Speck, Eier) in die Körbe legenund anscheinend gar nicht bemerken, daß inzwischen ein paar Masken in Küche undKeller ausgeschwärmt sind und alles mitnehmen( dürfen), was sie finden und dabeistehlen ,, wie die Zigeuner" Glossar ::: zum Glossareintrag ". Die Lebensmittel werden nach dem Umzug im letztenbesuchten Haus oder in einem Gasthaus zu einem kräftigen Mahl verkocht, mit demdann der Abend auch für die Untersetzer selbst seinen fröhlichen Ausgang nimmt.

Wie in den hier geschilderten Szenen verlief das ,, Untersetzen" vor dem undwährend des Zweiten Weltkrieges auch in den anderen Belegorten. Nur in Dietrich-schlag war noch 1952 außer dem alten Bauernpaar, das hier die Gruppe von ,, Mei-

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