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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts trat ein einschneidender Wandel in derLandwirtschaft des Salzkammergutes ein, den W. Kunze ausführlich dargelegthat 10). Mit dem Ende der grundherrschaftlichen Verwaltung und der endgültigenAuflösung der alten Kammergutsverfassung, abgeschlossen mit der Auflösung derSalinen- und Forstdirektion im Jahre 186911), brach eine neue Zeit an, geprägtdurch den Fremdenverkehr, welcher durch die damals einsetzende verkehrsmäßigeErschließung 12) begünstigt, bzw. in größerem Rahmen ermöglicht wurde. Insbeson-dere für jene Kleinlandwirtschaften, die nun auf Haupterwerb umgestellt wurden,war der Fremdenverkehr eine große Hilfe ¹³). Getreidebau ging zurück und deckteletztlich nur noch den Eigenbedarf, die Viehwirtschaft( mit Stallfütterung) nahm anBedeutung zu. Heute ist das Kleinproduktionsgebiet ,, Inneres Salzkammergut"durch das Überwiegen von Wald und Dauergrünland geprägt, während Acker- undAckergrünlandwirtschaften fehlen 14).

2. ,, Ertrag und Bewirthschaftung der kleineren Grundbesitzungen im Salzkammer-gute"

So betitelt J. A. Schultes den IX. Brief im 1. Teil seiner 1809 erschienenen,, Reisen durch Oberösterreich..." 15). Dieses Werk, das ein genaues Bild des Salz-kammergutes an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gibt, stellt eine wichtigeQuelle für Landeskunde, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bergbautechnik undVolkskunde dar. Sein Verfasser, der Arzt und Naturforscher Joseph AugustSchultes 16), war zum Zeitpunkt des Erscheinens ,, Professor an der k. baierischenUniversität zu Innsbruck", wo er sich als Kritiker der österreichischen Verhältnissegrößere Freiheit erhoffte.- Der zweite Band ist als technisch- statistische Beschrei-bung des Salzwesens angelegt und kritisiert die wirtschaftlichen, insbesondere aberdie sozialen Zustände, der erste hingegen ist als Wegweiser durch das auch die,, oberösterreichische Schweiz" genannte Gebiet gedacht. Er enthält ebenfalls eineReihe von Statistiken sozio- ökonomischen Inhalts, denen das besondere Interessedes Verfassers galt, weshalb er die Vernachlässigung der Statistik in der Monarchiein einem ,, kleinen Exordium" lebhaft bedauert 17). So muß er denn Daten aus demJahre 1789 heranziehen, um Bewirtschaftung und Ertrag eines der typischen kleine-ren Bauerngüter zu charakterisieren 18). Als Ort dafür wählt er das geeignete Goi-sern, den Sitz der Kammerverwaltung der kaiserlichen Herrschaft Wildenstein. Sali-nenbäuerliche Streusiedlungen prägten( und prägen) die Talweitung; die natürlichenGegebenheiten ermöglichten hier auch rein bäuerliche Betriebe sowie nach 1850 eineUmstellung auf diese Wirtschaftsform 19). Der eigentliche Ortskern war wirtschaftli-cher Mittelpunkt und gewerbliches Zentrum mit handwerklichem Charakter 20).-Die Beschreibung erfolgt in Form einer Wirtschaftsrechnung( den offiziellen Zahlenvon 1789 folgend), wobei Erträge(= Einnahmen) und Ausgaben gegenübergestelltund auch die ,, Erbauung und Unterhaltung der Wirthschafts- Gebäude" einbezogenwerden. Nicht nur die genauen Zahlen lassen darauf schließen, daß Schultes hier ei-nen speziellen Hof im Auge gehabt hat, sondern auch Namen und topographischeNummern der Acker- und Wiesengründe, die er zur Darstellung der Ertragslage her-anzieht( 141 Hausgarten, 326 Leopoldengrund, 340 Seywalderwiesen, 597 Wast-hanslschwörz, 803 Stummerwiesl). Besitzer war dazumals, wie das Josefinische La-gebuch eindeutig ausweist, Joh. Georg Kreutzhuber ,, auf den Jagerhanẞen Wirths-hauẞ" in Goisern 1621). Dieses Haus, direkt neben der Kirche gelegen, war wohlSchultes' Quartier bei seinen Aufenthalten, so daß die Beschaffung der Unterlagennicht allzu schwer gefallen sein mag.

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