ist. Aber Lipp hat in der Festschrift für Viktor von Geramb 1949 selbst einen Beitrag,, Angewandte Volkskunde als Wissenschaft" veröffentlicht, der für sein wirken indieser Richtung programmatisch sein wollte. Er kannte seine beiden Ebenen des Le-bens und Wirkens gut genug, um dort zu schreiben: ,, Wie denn überhaupt die ange-wandte Volkskunde nicht allein als eine Wissenschaft, sondern viel mehr als eineKunst zu gelten hat." Er hat es jedenfalls so gehalten, hat vor allem durch Heimat-werk und Werkbund in dieser Richtung gewirkt. Manchmal, besonders in der Früh-zeit, hat er dabei viel gewagt. Die Ausstellung ,, Kunst im Ursprung" in Linz 1953muẞte in diesem Sinne verstanden werden. Aber auch der Versuch, das Wirken derHeimatwerke auf diese Art darzustellen, sollte dermaßen gelten. ,, Volkskunst undHandwerk der Gegenwart in Österreich" im Wiener Künstlerhaus 1957 war ein sehrweit gezielter Ansatz. Freilich begann der damalige Unterrichtsminister seine Eröff-nungsansprache mit dem Wildgans- Zitat ,, Ich bin ein Kind der Stadt", so daß mansofort wußte, daß er mit dieser Ausstellung und ihren Intentionen nicht würde mit-gehen können. Wie hätte er das auch gekonnt, da er in seiner ganzen Amtszeit keinVolkskundemuseum und keine volkskundliche Ausstellung auch nur besucht hatte.Aber Franz Lipp hätte sich seinerseits darauf berufen können, daß er es immerhinversucht hatte, auch die Stadt in diesen seinen Bereich einzubeziehen. 1956 hat er ei-ne wichtige Ausstellung ,, Linz und die österreichische Volkskultur" veranstaltet,welche die Anregungen der Stadtvolkskunde, nicht zuletzt die der Arbeiten des Lin-zers Hans Commenda aufnahm und in eine sehenswerte Präsentation verwandelte.Die Schau im Wiener Künstlerhaus freilich erreichte wohl ihre Adressaten kaum.Aber der Grundgedanke, den Lipp vertrat, er war immerhin einmal deutlich ausge-sprochen worden. Es konnte ja nun jedermann daraus entnehmen, was er zu demauch von Lipp einmal so formulierten Thema ,, Volkskunst der Gegenwart" meinenmochte. Für den Näherstehenden, der in den Wandel der Zeiten und Dinge seine ei-genen Einblicke hatte, war es aber vielleicht ein Zeichen, daß eine bestimmte Perio-de nun allmählich zuendegehen mochte. Es handelte sich für viele nicht mehr um,, Angewandte Volkskunde als Wissenschaft", sondern nur mehr um die kommer-zielle Auswertung der damals gegebenen Anregungen. Und Franz Lipp mußte selbstgelegentlich kurzlebige Modeerscheinungen wie den ,, Austrian Look" kritisch aufsKorn nehmen.
Man weiß, daß solche Erscheinungen das große Lebenswerk eines vielseitigenMannes nur umspielen. Franz Lipp, der auch ein feinsinniger Lyriker sein kann,wenn er nur den rechten Anlaẞ findet, hätte dazu wohl manchen besinnlichen Versgewußt, und vielleicht spricht er ihn auch noch einmal aus. Für uns, die wir das be-deutende Werk wachsen und gedeihen sahen, bleibt doch nur, seines Schöpfers indiesem Jahr seines 65. Geburtstages dankbar zu gedenken, und ihm für die weiteren,, Pässe" an seinem Lebensglas viel Glück zu wünschen.
Leopold Schmidt
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