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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Aspekte historischer Stadtkultur am Beispiel von Verlassenschaftsinventaren

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den, wie z. B. Konrad Bedal anhand der nordostbayerischen Inventaregezeigt hat, die hauptsächlich der Erbsicherung und nicht der Berechnungvon Abgaben dienten und deshalb keine Schätzwerte verzeichnen.27

Schätzwerte

Die Frage der Angemessenheit der Schätzwerte ist jedoch ein Problem,das bei der Bearbeitung von Inventaren häufig erwähnt wird, jedoch nichtimmer zu lösen ist; vor allem die Frage, wie sich die Schätzwerte zumMarktwert verhalten, muß oft unklar bleiben. Nur in jenen Fällen, wo dashinterlassene Gut versteigert wird, bieten die erzielten Preise, so siebekannt sind, ein Korrektiv für die Schätzwerte. Solche Versteigerungensind zwar auch in Dörfern durchaus üblich, wie zum Beispiel Andrea Hau-ser für das württembergische Kirchentellinsfurt des 18. und 19. Jahrhun-derts ausführlich gezeigt hat, 28 in den Seckauer Inventaren gibt es jedochkeine direkten Hinweise für solche Versteigerungen, auch wenn derzwangsweise Verkauf natürlich zu finden ist.

Die städtischen Grazer Inventare zeigen hier eine wesentlich größereAuskunftsfreude: Aus verschiedenen Gründen( Überschuldung, Fehlenvon Erben oder mangelndes Interesse der Erben an den hinterlassenenRealien) wurden immer wieder Versteigerungen durchgeführt und dieerzielten Erlöse als zusätzliche Rubrik neben den Schätzwerten in dasInventar übernommen. Diese genaue Vorgangsweise zeigt, daß der erziel-te Erlös stets höher war als der Schätzwert: Von 280 Einträgen, bei denenein erzielter Verkaufspreis angemerkt ist, weisen nur 25 keinen gegenüberdem Schätzwert erhöhten Erlös aus, wobei hier sowohl eher wertloseObjekte, wie Gräflwerch, als auch wertvolle oder besondere, wie ein BrennKössel samt Zugehör um 30 fl oder 1 lb Cioccolata um 1 fl 12 xr zu fin-den sind. Besonders beliebt bei den Versteigerungen waren offensichtlichMöbel, aber auch Vorhänge und Bilder, die Wertsteigerungen um bis zu600% erzielten, wobei besonders die hohen Verkaufspreise der als schlechteingeschätzten Betten auffallen. Die Usance, Objekte eher billiger einzu-schätzen, ist nicht als generelle Geringschätzung zu interpretieren, sondernzum relativen Wohl der Erben üblich, da je nach rechtlicher Situationunterschiedlich irgendwelche Abgaben stets von dieser Summe berech-net werden. Auch Uwe Meiners stellte für die münsterschen Inventare oftbeträchtliche Unterschiede zwischen dem Astimationspreis" und dem