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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Susanne Breuss

tische Leben erträglich zu machen bzw. es überhaupt erst zu gewährleisten.Sie ist nicht nur Beschützte, sondern auch Beschützerin. Je schärfer zwi-schen innen und außen, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit geschiedenwird, desto fremder und somit bedrohlicher muß für die Frau die Außen-welt erscheinen( manche Ratgeber haben sogar darauf hingewiesen, daß esfür die Frau auf Dauer nicht gut sei, wenn sie sich gar nicht um öffentlicheBelange kümmere). Dies scheint mir ein zentraler Punkt in Hinblick aufdie vielzitierte weibliche Putzsucht zu sein- die Bilder von der stets denStaubwedel schwingenden Hausfrau sind ja bekannt, sie gehören zumfixen Inventar der Hausfrauen- Ikonographie. Eine vielleicht auch durchdie übermächtige Bedrohung durch die Außenwelt hervorgerufeneÜbersteigerung der Hausfrauentugenden Ordnung und Sauberkeit wirkeeher heimzerstörend als heimschaffend.80 Reinlichkeit gilt zwar einerseitsals Voraussetzung für ein behagliches Heim, andererseits wird dieseHeimeligkeit von der Hausfrau aber gestört bzw. zerstört, wenn sie zuvielputzt. Marie Clima beschrieb ausführlich den Typus der Hausfrau, die esmit der Reinlichkeit übertreibt:

,, Ihr wär's am liebsten, die Leute hätten Flügel, damit kein unreiner Fuß denglänzend gebohnten Zimmerboden beflecke, oder beim Ab- und Zugehen derStaub nicht aufgejagt werde, den fortzuschaffen für sie eine Sisifusarbeit ist.[...] Und statt Behaglichkeit und häuslichen Komfort, schafft ihre übelverstan-dene Reinlichkeitssucht den Ihrigen und sich selber eine höchst unerquicklicheExistenz.81

Eine kluge Hausfrau werde aber leicht die Grenze zwischen dem, wasgeboten, und dem, was zuviel ist, herausfinden. Da die Grenzen zwischeninnen und außen, zwischen zuviel und zuwenig jedoch relativ und nichtstarr sind, muß die Hausfrau stets auf der Hut sein; Grenzverletzungen indie eine oder andere Richtung scheinen unausweichlich. Grenzverletzun-gen waren für die Frauen jedoch auch unumgänglich, wollten sie aus ihrenengen Geschlechterrollen ausbrechen. Für einen Ausbruch aus denGeschlechterrollen spielte gerade die Grenze zwischen Privatem undÖffentlichem eine zentrale Rolle. Die konkrete Reinlichkeits- Praxis derHausfrau kann also auch im Hinblick auf ihr Verhältnis zu den ihr zuge-schriebenen Charaktereigenschaften und Aufgaben gelesen werden.

Am Beispiel der Konstruktion des Gegensatzpaares, sauberes Heimund ,, schmutzige Stadt" habe ich zu zeigen versucht, daß die Folgen desUrbanisierungsprozesses für Männer und Frauen unterschiedlich waren.